Wie schon in der Vorwoche in Bremen spielt Borussia Mönchengladbach auch gegen Bayer Leverkusen 1:1. Doch auch wenn das Resultat gleich ist, waren es dennoch zwei komplett unterschiedliche Leistungen. In Bremen enttäuschten die Borussen vor allem spielerisch auf ganzer Linie und agierten wie ein Absteiger. Eine Woche später zeigen sie gegen Leverkusen, dass sie sehr wohl über die Qualität verfügen, vernünftig Fußball zu spielen. Die erste Halbzeit gegen die Werkself war das Beste, was man von den Borussen seit langer Zeit gesehen hat.
»Wir haben eine sehr, sehr gute erste Halbzeit gespielt und das Spiel mit und gegen den Ball bestimmt«, bestätigte Eugen Polanski anschließend. Er lobte die Positionierung, die Passqualität und vor allem die hohe Intensität. Zu Beginn gab es gar ein richtiges Offensivpressing zu sehen, mit dem Leverkusen seine Schwierigkeiten hatte. Daraus resultierte auch der Führungstreffer, als Engelhardt Garcia vor dem Leverkusener Strafraum unter Druck setzte, den Ball eroberte und dann so nachrückte, dass er den Abpraller zum 1:0 verwerten konnte.
Mit voller Überzeugung
In der Folgezeit zogen sich die Gladbacher zwar etwas weiter zurück, doch sobald die Gäste in der Gladbacher Hälfte kombinieren wollten, wurde der ballführende Spieler direkt angelaufen. Der Unterschied zu vielen anderen Spielen war, dass dies mit voller Überzeugung und der Intention geschah, den Ball auch wirklich zu erobern und den Gegenspielern spüren zu lassen, dass man sich hier nicht vorführen lassen würde. Gleichzeitig war eine gewisse Überzeugung zu erkennen, nach Ballgewinnen selbst aktiv zu werden und spielerische, zielgerichtete Lösungen zu suchen.
»Wir wollten bestimmte Dinge von Anfang an genauso angehen«, sagte Polanski. »Und dann merken die Jungs natürlich auch, dass es funktioniert. Dann haben sie wieder an die eigene Stärke geglaubt und ins Positionsspiel gefunden.« Polanskis Rochaden in der Startformation zahlten sich dabei aus. Jens Castrop auf der rechten Seite war ein Musterbeispiel für Intensität und Griffigkeit, und der so oft gescholtene Kevin Stöger zeigte, dass er mit seiner Ballfertigkeit für fußballerische Impulse sorgen und gleichzeitig mit seiner Bissigkeit auch in der Arbeit gegen den Ball wertvoll sein kann.
Sanders unglückliches Eigentor
Es passte vieles zusammen bei den Fohlen – bis in die letzte Minute der ersten Halbzeit. Da wurde einmal nicht mit der letzten Konsequenz verteidigt, und daraus entstand der eigentlich harmlose Schuss von Garcia, den Sander mit seinem unglücklichen Klärungsversuch ins eigene Tor bugsierte. »Wir bekommen ein Gegentor, das man wahrscheinlich nur kassiert, wenn man in so einer Situation ist, wie wir es gerade sind«, sagte Polanski. Das 1:1 als Pausenstand war wirklich mehr als nur schmeichelhaft für Leverkusen.
In der zweiten Halbzeit änderten die Gäste nicht nur die Grundformation, sondern erhöhten nun auch deutlich das Tempo. Die Borussen wurden zurückgedrängt. »Leverkusen hatte etwas verändert, sowohl in der Haltung als auch in der Positionierung«, sagte Polanski. »Und wir waren vielleicht einen Tick zu defensiv.« Schick traf nur das Lattenkreuz, und einige Minuten fühlte man sich an die vergangenen Wochen erinnert, als die Mannschaft keine Lösungen hatte, um aus der Passivität herauszufinden. Das war diesmal anders.
Diese Leistung muss der Anspruch für die nächsten Wochen sein
»Nach 20, 25 Minuten haben wir wieder den Switch hinbekommen, nicht nur auf Konter zu spielen«, sagte Polanski. »Wir hatten dann wieder etwas mehr Ballbesitz, Energie getankt und versucht, vor das Tor zu kommen.« So wirklich reichte es nicht, weil Castrop die beiden einzigen Chancen nach der Pause nicht nutzen konnte und sich auch die Einwechslungen nicht nachhaltig bemerkbar machten. Die eigentlich gute Idee, Tabaković durch Konterspieler Sarco zu ersetzen, ging nicht auf – der Leihspieler aus Leverkusen hatte keine nennenswerte Aktion. Immerhin konnte Hugo Bolin bei seinem Debüt andeuten, dass er eine Verstärkung sein kann.
Am Ende war das 1:1 leistungsgerecht, und dennoch war ein gewisser Ärger auf beiden Seiten erkennbar. Die Gäste haderten mit der schwachen ersten Halbzeit, und die Borussen hätten sich doch gerne etwas mehr belohnt. »Ein bisschen ärgern wir uns darüber, dass es nur ein Punkt ist – und das gegen so einen Top-Gegner wie Leverkusen«, sagte Polanski. »Aber ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, der Intensität und der Energie.« Dass dies auch in den kommenden Partien der Anspruch der Gladbacher sein muss, ist klar. Das Programm der nächsten Wochen hat es in sich, und die Lage im Tabellenkeller ist unverändert kritisch.
von Marc Basten

