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Philipp Sander: Allzweckwaffe mit klaren Grenzen

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Ein Fighter: Philipp Sander (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Philipp Sander entwickelte sich in seiner zweiten Gladbacher Saison vom klassischen Sechser zur defensiven Allzweckwaffe – mit starken Phasen als Innenverteidiger, aber sichtbaren Defiziten im hohen Tempo.

Sander erlebte eine Saison der Extreme, die ihn vom gelernten Mittelfeldspieler zu einer vielseitig einsetzbaren Defensivkraft formte. Zu Beginn agierte er als direkter Weigl-Ersatz auf der Sechs, wo er mit Bissigkeit, Zweikampfhärte und Kopfballstärke überzeugte und am 2. Spieltag in Stuttgart mit der TF-Note 2,0 zum besten Gladbacher Feldspieler avancierte. Nur eine Woche später folgte beim Auftritt gegen Bremen der harte Dämpfer, als er mit grotesk wirkenden Fehlpässen und einer 5,0 die erste tiefe Kerbe in eine schwankende Saison schlug.

Nach einer Zwischenphase als Einwechselspieler – unter anderem mit belebender Wirkung gegen Frankfurt – traf Eugen Polanski eine der markantesten Personalentscheidungen der Saison. Am 8. Spieltag stellte er Sander überraschend als rechten Innenverteidiger in einer Dreierkette auf, eine Umstellung, die sich als Volltreffer erwies. Sander agierte dort resolut, kopfballstark und mit hoher Ballsicherheit im Aufbau und verlieh der zuvor wackeligen Defensive spürbar mehr Stabilität. Gekrönt wurde diese Phase am 10. Spieltag durch sein erstes Saisontor im Derby gegen Köln.

Umschulung zum Innenverteidiger funktioniere

Dann setzte ihn eine Leistenverletzung beziehungsweise ein Muskelfaserriss außer Gefecht und riss den Rhythmus jäh ab. Nach der Rückkehr tat sich Sander schwer, an seine starke Innenverteidiger-Phase anzuknüpfen und wirkte gegen Wolfsburg (14. Spieltag) und Hoffenheim (17. Spieltag) auffallend schwerfällig. Individuelle Fehler führten zu Gegentoren oder Elfmetern und wurden jeweils mit der Note 5,0 quittiert. Besonders wenn der Gegner das Tempo anzog, offenbarten sich eklatante Probleme, die am 22. Spieltag in Frankfurt in einer Auswechslung zur Halbzeit gipfelten.

Trotz dieser Rückschläge blieb Sander aufgrund seiner Vielseitigkeit ein wichtiger Kaderbaustein. Er pendelte weiter zwischen Sechserposition und rechter Innenverteidigung und fügte sich meist seriös und unaufgeregt in die Grundordnung ein, ohne die großen Glanzlichter zu setzen. Am 27. Spieltag setzte er mit seinem Treffer zum 2:2-Ausgleich im zweiten rheinischen Derby einen wichtigen Akzent und zeigte, dass er gefährlich werden kann, wenn er aus der Tiefe in den Strafraum nachstößt.

Solide, aber unbeständig

Zum Saisonende kehrte Sander wieder vermehrt ins defensive Mittelfeld zurück. Besonders gegen Hoffenheim wusste er mit gutem Vertikalspiel und klugem Raumfüllen vor der Abwehr zu gefallen. In dieser Rolle wirkte er wie ein Scharnierspieler, der Defensive und Offensive verbindet, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gleichwohl blieb spürbar, dass er im ganz hohen Tempo an seine Grenzen stößt.

Die Zahlen fassen das ambivalente Bild prägnant zusammen: Sander wurde in 29 Spielen benotet, verpasste nur wenige Partien verletzungsbedingt und schwankte zwischen Topnoten (2,0) und gleich mehreren 5,0-Auftritten. Die Durchschnittsnote von 3,62 weist ihn als soliden, aber unbeständigen Faktor aus, dessen Umschulung zum rechten Innenverteidiger der Defensive zeitweise wichtige Stabilität verlieh. Durch die angekündigte Abkehr von der Dreierkette dürfte Sander in der neuen Saison hauptsächlich wieder für das defensive Mittelfeld eingeplant werden. In seiner dritten Bundesligasaison sollte der 28-Jährige dann den nächsten Schritt machen. 


von Marc Basten

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