Nachdreher aus Köln-Müngersdorf

Am Ende ein leistungsgerechtes Remis im Derby

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Im Derby wurde sich nichts geschenkt (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Trotz des späten Ausgleichs können die Gladbacher Borussen mit dem 3:3 im Derby in Köln letztlich ganz gut leben. Es war ein teilweise sehr wildes Spiel, in dem beide Teams zeigten, warum sie in der unteren Tabellenregion feststecken. Für Borussia war mehr drin als dieser eine Punkt – der am Ende jedoch leistungsgerecht war.

Es war das 100. Rheinische Derby in der Bundesliga, und sehr zügig gelangte man in Köln-Müngersdorf zu der Erkenntnis, dass dieses Traditionsduell immer noch überraschende Geschichten zu bieten hat. Drei Tore in den ersten sieben Minuten hatte es noch nie gegeben, und diese verrückte Startphase prägte dann auch den weiteren Verlauf dieses besonderen Spiels.

Eugen Polanski sagte später treffend, dass es etwas zu viel Derby und zu wenig fußballerischer Inhalt gewesen sei. Es begann alles sehr verheißungsvoll für die Fohlen, die wie so oft in Müngersdorf geradlinig spielten und nach 29 Sekunden durch Castrop bereits in Führung gingen. Was ein Traumstart hätte sein sollen, entpuppte sich jedoch schnell als Mogelpackung.

»Die verteidigen wie im Kindergarten«

Noch ehe der Schrecken des Rückstands seine Wirkung bei den Kölnern entfalten konnte, schunkelten diese schon freudetrunken durchs Stadion. Zwei Abschlüsse, zwei Tore – und das alles mit freundlicher Unterstützung der Gäste. Polanski befand die Gegentore als »viel zu billig«. Anders formulierte es ein enttäuschter Gladbach-Fan beim Anblick der Unzulänglichkeiten im kollektiven Defensivverhalten: »Die verteidigen wie im Kindergarten.«

Immerhin kann man den Gladbachern attestieren, dass sie nach dem Kölner Doppelschlag ihr defensives Unvermögen in den Griff bekamen und sich berappelten. »Es gibt Mannschaften, die in solchen Situationen zusammenbrechen«, sagte Polanski. Sein Team gehörte nicht dazu – was aber auch mit der Qualität des Gegners zu tun hatte. Die Kölner wirkten unschlüssig, was sie mit dieser unerwarteten Wendung anfangen sollten, und wurden zusehends passiver, anstatt das Momentum auszunutzen und weiter Druck auszuüben.

Ein wunderschönes Fernschusstor von Castrop

Borussia kam zurück und erzwang durch Castrop und Sander den Ausgleich. »Und dann sind wir in der 20. Minute«, stellte Polanski im Anschluss immer noch mit einem leichten Kopfschütteln fest. »Aber das ist halt ein Derby.« Das Spiel beruhigte sich, und in dieser Phase zeigten die Borussen, dass sie fußballerisch doch über etwas mehr Qualität verfügen als der Aufsteiger aus der Domstadt. Es gab durchaus ansehnliche Ballzirkulation, und eine leichte optische Überlegenheit war mehr als nur zu erahnen. Ein weiterer Treffer resultierte daraus jedoch nicht.

Nach der Pause war auf beiden Seiten eine gewisse Zögerlichkeit festzustellen. Niemand wollte so richtig aus der Deckung kommen, und so musste ein Sonntagsschuss am Samstagnachmittag dafür herhalten, dem Spiel neue Dynamik zu verleihen. Dass ein Borusse ein Fernschusstor erzielt – und dann noch ein so wunderschönes wie das von Jens Castrop – man mochte es kaum glauben. Borussia lag nach einer Stunde wieder vorne und der nächste Derbysieg in Müngersdorf schien auf dem Präsentierteller zu liegen.

Die Gunst der Stunde nicht genutzt

Doch genauso wie der FC nach der eigenen Führung passiv wurde, verpassten es auch die Gladbacher, die Gunst der Stunde zu nutzen und dem angezählten Gegner den Knockout zu versetzen. Stattdessen zog man sich zurück und ließ die Kölner kommen. Das erschien zunächst ein probates Mittel, denn die Gastgeber entwickelten kaum Gefahr. Doch spätestens als Köln in der Offensive frische Kräfte brachte, wurde es für die Borussen zusehends komplizierter.

In dieser Phase fehlte die eigene Entlastung nahezu komplett. Einige Spieler mussten sichtlich auf die Zähne beißen, um die Laufwege in der Defensive bis zum letzten Meter mitzugehen. Im Nachhinein wäre es vermutlich klüger gewesen, mit gezielten Wechseln neue Impulse zu setzen und den aufkommenden Kölner Rhythmus zu unterbrechen. Doch Polanski zog erst unmittelbar nach dem Kölner Ausgleich in der 84. Minute – dem Kopfballtreffer von Martel – die ersten Wechsel.

Gelb-Rot für Martel erspart Borussia eine heiße Schlussphase

Aus neutraler Sicht war der Ausgleich nicht unverdient, und plötzlich lag das Momentum auf Seiten der eigentlich schon geschlagenen Kölner. Zum Glück für die Borussen leistete sich der übermotivierte Torschütze Martel seinen zweiten Ellenbogencheck des Nachmittags und flog folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz. Der Ärger der Kölner darüber war allerdings insoweit nachvollziehbar, als das Einsteigen von Martel gegen Scally im Mittelfeld gar nicht hätte zustande kommen müssen, wenn der Assistent eine vorliegende Abseitsposition schneller angezeigt hätte.

So wurde den Kölnern für einen möglichen zehnminütigen Schlussspurt der Wind aus den Segeln genommen. Die Borussen kamen in Überzahl sogar noch in Tornähe für einen Lucky Punch, ließen sich dabei aber auch beinahe noch auskontern. Erst mit dem Schlusspfiff konnte man durchatmen. Die Punkteteilung war leistungsgerecht – dennoch war für die Gladbacher mehr drin. Zweimalige Führung, drei Auswärtstore: Das sollte eigentlich reichen, um die Tradition aufrechtzuerhalten, Müngersdorf mit einem Sieg im Gepäck zu verlassen. So hält man den FC im Abstiegskampf zwar auf Distanz, verpasst aber einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt.


von Marc Basten

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