Als am Samstagnachmittag der Schlusspfiff im Borussia-Park ertönte, herrschte eine gewisse Ratlosigkeit. Was sollte man mit diesem 0:0 gegen Paderborn anfangen? Sich ärgern, weil der so dringend benötigte erste Heimsieg gegen einen Gegner aus der Kategorie »Machbar« ausgeblieben war? Oder zufrieden sein, dass es angesichts der Unterlegenheit im zweiten Durchgang immerhin noch zu einem Punkt gereicht hat?
Auch Alexander Blessin tat sich mit einer Interpretation schwer. Zufriedenheit sei für ihn nicht die passende Beschreibung. Das Ergebnis sei insoweit okay, als Borussia auf dem richtigen Weg sei, es aber noch sehr viel zu tun gebe. Die jüngsten Ergebnisse gäben zwar ein gutes Gefühl, aber »wir sind weiterhin auf der Intensivstation«.
Die Effektivität im Abschluss fehlte
Dass dem so ist, konnte man am Samstag live und in Farbe sehen. Die Mannschaft wirkte etwas homogener und selbstverständlicher in ihren Abläufen, aber noch längst nicht gefestigt. Das Passtempo war nicht besonders hoch, und der Mut, schnell und direkt zu spielen, fehlte über weite Strecken. Dennoch reichte es, um sich in der Viertelstunde vor der Pause gute Chancen herauszuspielen.
Hacks Heber, das zu Recht aberkannte Tor von Scally, Chiarodias Kopfballaufsetzer und der Nachschuss von Ullrich sowie Scallys Großchance in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit waren ausreichende Gelegenheiten für eine zu diesem Zeitpunkt verdiente Führung. Doch die Effektivität aus den letzten beiden Partien war gegen Paderborn nicht vorhanden.
Viele Borussen liefen auf dem Zahnfleisch
Nach dem Seitenwechsel war zunächst deutlich zu erkennen, dass die Mannschaft die Intensität hochschrauben wollte. Doch Paderborn stand gut, gab wenige Räume her, und spätestens nach einer Stunde übernahmen die Ostwestfalen das Kommando. Nun machte sich der Kräfteverschleiß bemerkbar – gleich mehrere Gladbacher liefen auf dem Zahnfleisch. Noch einmal eine Schippe draufzulegen und den Gegner zurückzudrängen war nicht mehr möglich.
Mohya hätte zwar mit etwas mehr Abgeklärtheit und Übersicht in der 71. Minute seinen tollen Sololauf besser abschließen können, doch weitere echte Torchancen hatten die Borussen nicht. Stattdessen mussten sie viel und hart arbeiten, damit Paderborn die Feldüberlegenheit nicht nutzen konnte. Wie sich Scally und Hashioka von Krämpfen geplagt durchbissen, kann man als aufopferungsvoll bezeichnen.
Die Verlegung steht noch aus
Am Ende war die Punkteteilung für Borussia »okay«, wie auch Blessin bestätigte. Vier Punkte aus der englischen Woche und das Weiterkommen im Pokal sind eine Ausbeute, die vorher wohl jeder unterschrieben hätte. Zudem war es das erste Ligaspiel ohne Gegentor, was ebenfalls als positiver Aspekt mitgenommen werden kann.
Andererseits liegt Blessin natürlich mit seiner Einschätzung richtig, dass man »solche Heimspiele irgendwann auch mal ziehen« müsse. In der Hinrunde kommen noch Dortmund, Frankfurt, Bayern und Union in den Borussia-Park, und das macht deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Borussia von der Intensivstation auf die normale Station verlegt werden kann.
von Marc Basten

