»Wir sind extrem zufrieden«, sagte Borussias Trainer Eugen Polanski nach dem geglückten Pflichtspielauftakt ins Kalenderjahr 2026. »Zum einen über das Ergebnis, zum anderen über die Art und Weise«, ergänzte der 39-Jährige. Seine Spieler hatten das Vorhaben, direkt aktiv zu sein und die Initiative zu ergreifen, in die Tat umgesetzt. Oder anders ausgedrückt: Borussia Mönchengladbach startete so in das Spiel, wie man es von einer Heimmannschaft erwarten darf. Die Belohnung für Mut und Engagement gab es bereits in der 8. Minute, als Joe Scally im zweiten Versuch den Führungstreffer markierte.
Der nominelle ‚Schienenspieler‘ Scally war in Mittelstürmerposition nach Zuspiel seines Pendants Netz zur Stelle, was die Flexibilität im Gladbacher Positionsspiel unterstreicht. Jens Castrop war zuletzt in gleicher Rolle ebenfalls mehrfach zentral in Abschlussposition gekommen, aber ein Treffer blieb ihm verwehrt. Scally machte es nun besser und gab dem Spiel in einer frühen Phase eine neue Richtung. Augsburg, das bis dahin komplett im Defensivmodus verharrt hatte, musste selbst aktiver werden, was den Gästen offensichtlich nicht schmeckte.
Die richtigen Antworten zum richtigen Zeitpunkt
Augsburg kam über ein paar im Ansatz gefällige Aktionen nicht hinaus und richtig zwingend wurde die Truppe von Manuel Baum nicht. Die Borussen konnten die Gefahr vom eigenen Tor fernhalten, hatten jedoch ihrerseits einige Probleme, gegen die höher pressenden Augsburger konstruktiv aufzubauen. Lange Bälle in Richtung Tabaković verpufften und mit diversen unsauberen Aktionen machten es sich die Gladbacher unnötig schwer. Doch in der Phase, als die Sorgenfalten der frierenden Zuschauer auf den Rängen tiefer wurden, gab es den Handelfmeter für die Fohlen. Diks verwandelte mit etwas Glück, und so führte Borussia nach zwanzig Minuten mit 2:0.
Auch danach hatten die Borussen defensiv alles unter Kontrolle, was aber auch der Harmlosigkeit der Augsburger zuzuschreiben war. Die für ihre Aggressivität gefürchteten bayerischen Schwaben waren erstaunlich handzahm und verstanden es nicht, die Angebote zu nutzen, die ihnen die Gladbacher machten. In dieser Phase gab es mehrere Stockfehler und Ballverluste. »Über die habe ich mich schon ein wenig aufgeregt«, bestätigte Polanski. Doch seine Mannschaft hatte im richtigen Moment eine Antwort parat und erhöhte durch den Kopfball von Tabaković nach einer Ecke auf 3:0.
Borussia effektiv gegen schwache Augsburger
»Dieses 3:0 in einer Phase, wo wir ein paar Bälle verloren haben, war ein anschauliches Beispiel dafür, dass der Spielverlauf heute für uns gut war«, sagte Sportchef Rouven Schröder anschließend. Trotz des schwachen Gegners und der eigenen Effektivität war es kein Spiel, das zwangsläufig eine so klare Pausenführung hergeben musste. Borussia führte zwar verdient, aber es war beileibe kein fußballerisches Feuerwerk, das abgebrannt wurde. Wohlgemerkt ist das auch nicht der Anspruch, doch es ist wichtig, dass keine irreführenden Legenden gestrickt werden nach dem Motto, Borussia hätte Augsburg überrannt oder aus dem Borussia-Park geschossen.
Die komfortable Führung hätte gegen einen stärkeren Gegner nochmals ins Wanken geraten können, wie die Viertelstunde nach der Pause zeigte. Da fehlte den Borussen in einigen Situationen die notwendige Konsequenz bei der Arbeit gegen den Ball. »Im Unterbewusstsein macht man bei so einer Führung vielleicht mal einen Schritt weniger – da geht’s um Aufmerksamkeit«, sagte Schröder. Aber die Gäste waren an diesem Nachmittag nicht in der Lage, daraus Kapital zu schlagen, und mit dem 4:0 nach einer Stunde durch den sehenswerten Kopfball von Tabaković nach einer Maßflanke von ‘Unterschiedsspieler’ Honorat war das Spiel gelaufen.
»Wir werden die Defizite, die wir noch im Spiel hatten, nicht vergessen«
Augsburg war ein unerwartet dankbarer Gegner, die Borussen machten die Tore zum richtigen Zeitpunkt und der gesamte ‚Spielfilm‘ konnte die eigenen Unzulänglichkeiten locker überblenden. Inhaltlich darf man sich bei Borussia jedoch keinen Sand in die Augen streuen lassen. »Wir werden die Defizite, die wir noch im Spiel hatten, nicht vergessen«, versicherte Schröder. Gleichwohl ist dieses klare 4:0 ein Statement zu Beginn der richtungsweisenden englischen Woche. Borussia kann nun am Mittwoch in Sinsheim mit breiter Brust auftreten. Wohl wissend, dass die starken Hoffenheimer ein anderes Kaliber sind als die enttäuschenden Augsburger.
von Marc Basten

