So ganz ist der Ärger über die Minusleistung der Gladbacher Borussen in Sinsheim nicht verraucht. »Dass ich verärgert war, hat man gesehen«, sagte Eugen Polanski auf der Pressekonferenz vor der Abreise nach Hamburg am Freitag. »Aber das ist ganz normal – auch die Spieler waren verärgert.« Für eine tiefergehende Aufarbeitung reicht die Zeit nicht. »Es war eine relativ kurze, knappe Ansprache, weil ich das Gefühl hatte, dass die Jungs sich auch mal selber Gedanken machen sollen, statt immer nur die Worte vom Trainer zu hören.«
Ob diese Selbstreflexion zum gewünschten Ergebnis führt, wird man am Samstag im Volksparstadion sehen. Eugen Polanski ist jedenfalls zuversichtlich. »Enttäuschung kommt ja von Vertrauen – und dieses Vertrauen habe ich trotzdem noch in die Mannschaft«, sagte er. »Es ist wirklich schön, diese Mannschaft zu trainieren, auch mit dieser Facette, die wir da gezeigt bekommen haben, auch wenn das so natürlich nicht eingeplant war. Ich habe das Vertrauen, dass wir es gegen Hamburg jetzt besser machen.«
Kota Takai vor Startelfdebüt
Mit dem HSV wartet ein direkter Konkurrent aus dem unteren Mittelfeld auf die Fohlen. »Sie haben im Verlauf der Hinrunde gemerkt, dass sie sehr gut mithalten können in der Bundesliga«, sagte Polanski. »Sie haben ein Trainerteam, das erfrischenden Fußball spielen will, sich etwas einfallen lässt, klare Abläufe hat, sie kreieren viele Eins-gegen-eins-Situationen und sind sehr offensiv ausgerichtet. In Hamburg herrscht eine spezielle Atmosphäre – dafür fühlen wir uns bereit, wir wollen dieses Spiel definitiv siegreich angehen, und ich bin guter Dinge, dass wir das machen werden.«
Bei der Aufstellung dürfte es die eine oder andere Änderung geben, nachdem das mit der kompakten Ausrichtung in Sinsheim so gar nicht funktioniert hatte. Neuhaus könnte die fußballerische Komponente bringen, auch der zuletzt wenig berücksichtigte Reyna steht bereit. »Gio lässt sich nicht hängen, er trainiert gut, ist in guter Form und wird mit Sicherheit noch sehr, sehr wichtig für uns werden«, so Polanski. Weiterhin dürfte Kota Takai sein Startelfdebüt geben: »Es wäre möglich, dass er anfängt, weil wir Vertrauen in ihn haben und genau wissen, was er kann und was er nicht kann.«
»Alle merken, dass wir auf Wael stehen«
Philipp Sander könnte derweil ins defensive Mittelfeld rücken und Engelhardt ersetzen, der sich in einem leichten Formtief befindet. Aber auch das Duo Sander und Engelhardt wäre eine Variante, wenn Reitz eine Pause erhalten sollte. Auch in der Offensivreihe gibt es Alternativen. Allen voran steht der erste Startelfeinsatz von Wael Mohya an. »Ob es jetzt so passiert, müssen wir abwägen, denn es verändert sich etwas, wenn Wael spielt«, so Polanski. »Schon von der Erfahrung her, aber auch vom Spielstil. Aber alle merken, dass wir auf Wael stehen, sonst würde ich ihn nicht jedes Mal bringen – dieses Erfrischende tut uns gut. Er macht seine kleinen Schritte, adaptiert gut und es ist wichtig, diese Schritte zu gehen, um ihn nicht irgendwann zu verbrennen.«
Franck Honorat, der in Sinsheim zeitig ausgewechselt wurde und im ersten Durchgang etwas unrund lief, steht laut Polanski uneingeschränkt zur Verfügung. »Bei Frank war eigentlich geplant, ihn im ersten und dritten Spiel von Beginn an spielen zu lassen und im zweiten von der Bank zu bringen – wir haben uns dagegen entschieden, weil er sich gut gefühlt und der Spielstand gegen Augsburg es erlaubt hat, ihn früher runterzunehmen«, führte Polanski aus. »Er hat auch jetzt das Spiel gut überstanden, sodass wir nicht mehr die Frage haben, ob wir ihn von Beginn an laufen lassen können, sondern nur, ob wir es tun.« Am frühen Samstagabend wird man wissen, ob Polanski und sein Trainerteam die richtigen Entscheidungen getroffen haben und ob die Mannschaft das Vertrauen der Verantwortlichen rechtfertigen konnte.
von Redaktion TORfabrik.de

