Borussias Trainer Eugen Polanski nahm gegenüber der Niederlage in Sinsheim vor drei Tagen zwei Veränderungen in der Startelf vor: Castrop und Ullrich rotierten wieder auf die Bank, Neuhaus und Netz begannen. Somit startete die Elf, die am letzten Sonntag gegen Augsburg aufgelaufen war.
Zu Beginn waren die Borussen recht forsch unterwegs und wagten sich sogar an eine Art Offensivpressing. Doch der schwungvolle Start verebbte schnell, nachdem der HSV zu seiner ersten Torchance gekommen war. Nach einem langen Ball verschätzte sich Diks gegen Königsdörffer, dessen Schuss aus spitzem Winkel Nicolas zur Seite abwehren konnte. Ein Hamburger rutschte beim Nachsetzen aus, ohne an den Ball zu kommen, und schließlich schoss Dompé überhastet ans Außennetz (4.).
Der HSV macht nichts aus seinen Großchancen
In der Folge zogen sich die Gladbacher zurück, gewährten den Hamburgern aber mehrfach freie Fahrt. Ob über Borussias rechte Seite, wo zu lasch verteidigt wurde und eine Hereingabe von Königsdörffer drei Meter vor der Linie keinen Abnehmer fand (12.), oder durchs Zentrum, wie in der 19. Minute: Da wurde Capaldo ohne Gegenwehr freigespielt, scheiterte mit seinem unplatzierten Schuss jedoch an Nicolas. Kurz darauf war der Gladbacher Keeper auch bei einem Distanzschuss von Remberg zur Stelle, wenig später vergab Muheim freistehend aus rund zehn Metern deutlich (25.).
Eine zu weite Flanke des indisponierten Honorat knallte Tabaković überhastet aus spitzem Winkel hinter das Tor – es war die erste und einzige Torannäherung der Gladbacher im ersten Durchgang (27.). Sie blieben nur deshalb im Spiel, weil der HSV seine zahlreichen Chancen nicht nutzte. Hätten die Norddeutschen über die Offensivqualität von Hoffenheim verfügt, wären die Fohlen erneut mit einem 0:4 in die Pause gegangen.
Offensiv völlig harmlos
So aber überstanden die Borussen diese desolate erste Halbzeit, in der sie fußballerisch komplett enttäuschten und auch defensiv zu viel anboten. In den ersten zehn Minuten nach der Pause agierten die Gäste etwas strukturierter, ohne jedoch im Ansatz gefährlich vor dem Hamburger Tor aufzutauchen. Mit zunehmender Spielzeit übernahm der HSV wieder die Kontrolle, doch auch seinen weiteren Abschlüssen fehlte die letzte Konsequenz.
Erst in den letzten zwanzig Minuten, als den Hamburgern spürbar die Kräfte schwanden, konnten sich die Borussen etwas länger in der gegnerischen Hälfte festsetzen und den Ball phasenweise zirkulieren lassen. Reyna und Castrop, die Neuhaus und Honorat ersetzten, sorgten für etwas Belebung im insgesamt statischen Spiel der Fohlen. Eine klare Torchance sprang jedoch weiterhin nicht heraus. Am nächsten kam Diks einem Treffer, als er in der 85. Minute nach einer Freistoßflanke einen Kopfball knapp über das Tor setzte. Dabei prallte er jedoch mit Vuskovic zusammen und musste benommen ausgewechselt werden.
Ein schmeichelhafter Punkt
Am Ende war das, was die Gladbacher fußballerisch zeigten, viel zu wenig, um gegen einen müde wirkenden HSV den Lucky Punch zu setzen. Die Hamburger schienen ihrerseits nicht mehr recht daran zu glauben, dass ihnen nach all den vergebenen Chancen noch etwas gelingen könnte. So verstrichen auch die neun Minuten Nachspielzeit ohne nennenswerte Aktionen auf beiden Seiten. Das torlose Remis ist für die Borussia angesichts der ersten Halbzeit höchst schmeichelhaft. Dass man trotzdem einen Punkt mitnehmen durfte, war allein der Abschlussschwäche des Gegners geschuldet – die eigene Leistung blieb ebenso bedenklich wie vor drei Tagen in Sinsheim.
Kurzstatistik zum Spiel:
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Capaldo (67. Gocholeishvili), Vuskovic, Torunarigha - Jatta (84. Ramos), Fabio Vieira, Remberg, Muheim - Königsdörffer (67. Philippe), Downs (Rössing-Lelesiit), Dompé (80. Glatzel)
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Sander, Elvedi, Diks (88. Takai) - Scally, Engelhardt, Reitz, Neuhaus (69. Reyna), Netz - Honorat (69. Castrop), Tabaković (90.+2 Machino)
weiter im Kader: Omlin (ETW), Ullrich, Mohya, Stöger, Ranos
Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Torunarigha – Engelhardt, Diks
Schiedsrichter: Robert Schröder
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
von Marc Basten

