Zum Ende des Trainingslagers am Tegernsee stand für Borussia der erste echte Härtetest der Vorbereitung an. Trainer Eugen Polanski bot vor Torhüter Nicolas eine Viererkette mit Scally, Elvedi, Diks und Ullrich auf. Davor bildeten Sander und Leopold die Doppelsechs, während Honorat, Bolin und Mohya die offensive Dreierreihe hinter Kleindienst besetzten. Mit Leopold stand damit nur einer der acht Neuzugänge in der Startelf.
Die Borussen sahen sich von Beginn an einer aggressiv pressenden Hoffenheimer Mannschaft gegenüber. Gladbach konnte vor allem in der Anfangsphase nur reagieren und hatte Glück, dass die TSG aus ihrer Dominanz kein Kapital schlug. Nicolas musste sein ganzes Können aufbieten, um einen Schuss von Burger über die Latte zu lenken (9.). Erst nach und nach kamen die Gladbacher kontrolliert in die Nähe des Hoffenheimer Tores. Bolin hatte nach einer Hereingabe von Scally die erste Gelegenheit, schoss mit links aber am langen Pfosten vorbei (15.).
Hoffenheim setzt Borussia unter Druck
Auch danach hatten die Borussen unter Druck große Probleme bei der Ballbehandlung. Immerhin hielten sie körperlich dagegen und gestatteten Hoffenheim keine weitere klare Torchance. Doch unmittelbar nach der ersten kurzen Pause nach 30 Minuten fiel der Treffer: Elvedi verlängerte einen langen Einwurf der Kraichgauer unglücklich in die Mitte. Dort behauptete sich Lemperle gegen zwei Gladbacher, legte auf Conté ab, der aus kurzer Distanz zur verdienten Hoffenheimer Führung traf (36.).
Hoffenheim presste anschließend zwar nicht mehr ganz so hoch, doch für die Borussen gab es weiterhin kaum ein Durchkommen. Erst gegen Ende der ersten Stunde gelangen einige konkrete Gladbacher Angriffe. Die beste Möglichkeit hatte Scally, der nach einem abgewehrten Ball aus 14 Metern halbrechts knapp am linken Pfosten vorbeizielte. Kurz darauf kam Bolin noch zu einer Kopfballchance, konnte den Ball unter Bedrängnis aber nicht präzise genug platzieren.
Kompletter Wechsel nach einer Stunde
Nach 51 Minuten hatte Polanski bereits Meiser und Hashioka für Elvedi und Scally gebracht. In der Halbzeitpause nach 60 Minuten tauschte er anschließend fast komplett durch, lediglich Sander blieb zunächst auf dem Feld. Nun stand Batz im Tor, davor verteidigten Hashioka, Meiser, Leszczynski und Herold. Auf der Doppelsechs spielten Sander und Stöger, während Machino, Danfa und Hack die Reihe hinter Mittelstürmer Lidberg bildeten. Sander blieb noch knapp eine Viertelstunde auf dem Platz, ehe Nguefack ihn ablöste.
Die Borussen bekamen in dieser ersten Viertelstunde nach der Pause kaum ein Bein auf den Boden. Das Spiel fand fast ausschließlich in der Gladbacher Hälfte statt, wo Batz mit zwei Glanzparaden einen höheren Rückstand verhinderte (64./71.). Der Ausgleich in der 75. Minute kam daher überraschend: Danfa eroberte den Ball auf der rechten Seite, behauptete ihn stark und passte flach in den Strafraum zu Lidberg. Der leitete mit viel Übersicht auf den freistehenden Hack weiter, der den Hoffenheimer Keeper eiskalt in die falsche Ecke schickte.
Effizienz dreht die Partie
Es war die erste nennenswerte Offensivaktion der Fohlen nach dem Wechsel. Auf der anderen Seite verhinderte Batz nach einer Direktabnahme mit der nächsten starken Parade den erneuten Rückstand (83.). Bei strömendem Regen entwickelte sich nun beinahe ein offener Schlagabtausch. Stöger vergab eine gute Schusschance (85.), ehe Lidberg eine Minute später seinen Instinkt unter Beweis stellte. Er erlief einen schlampigen Pass im Hoffenheimer Aufbau, ließ den letzten Mann stehen und blieb auch allein vor dem Torwart eiskalt. Mit einem Flachschuss brachte er Borussia in Führung (86.).
Hoffenheim drängte auf den Ausgleich, doch auch die Borussen suchten weiter den Weg nach vorn. Nach einer scharfen Hereingabe von Hashioka in den Strafraum konnte Hoffenheims Keeper einen Danfa-Schuss noch abwehren, doch Lidberg war zur Stelle und erzielte in bester Abstaubermanier seinen zweiten Treffer (110.). Für die letzten zehn Minuten kamen Berko, Fleck und Neuhaus. Neuhaus durfte noch ein kleines Erfolgserlebnis feiern: Nach einem Gestocher im Strafraum bugsierte er den Ball im Fallen aus fünf Metern zum 4:1-Endstand in die Maschen (118.).
Klares Ergebnis, offene Grundsatzfragen
Am Ende stand nach 120 Minuten plus Nachspielzeit ein deutliches 4:1 für Borussia. Das Ergebnis darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gladbacher über lange Strecken große Probleme mit dem Pressing und der Körperlichkeit der Hoffenheimer hatten. Die TSG muss sich vorwerfen lassen, aus ihrer Überlegenheit viel zu wenig gemacht zu haben.
Den Borussen ist zugutezuhalten, dass sie angesichts der robusten Herangehensweise des Gegners nicht eingeknickt sind und ihre wenigen klaren Möglichkeiten konsequent nutzten. Auch nach diesen zwei Stunden bleibt offen, wohin Borussias Weg strukturell und fußballerisch führen soll.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Nicolas (61. Batz) - Scally (51. Hashioka, 111. Berko), Elvedi (51. Meiser), Diks (61. Leszczynski), Ullrich (61. Herold) - Sander (73. Nguefack), Leopold (61. Stöger) - Honorat (61. Machino), Bolin (61. Danfa, 111. Neuhaus), Mohya (61. Hack, 111. Fleck) - Kleindienst (61. Lidberg)
Tore: 1:0 Conté (36.), 1:1 Hack (75.), 1:2 Lidberg (86.), 1:3 Lidberg (110.), 1:4 Neuhaus (118.)
Zuschauer: 1.580
Gelbe Karten: Kabak, Chaves, Philipp – Nguefack
von Marc Basten

