Nachdreher aus dem Borussia-Park

Sie können einfach nicht verteidigen

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Enttäuschung pur nach dem Schlusspfiff (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach blamiert sich gegen die SV Elversberg bis auf die Knochen. Individuelle Fehler, ein kollektiv absurdes Defensivverhalten und ein Trainer, der keinen Plan B zu seinem Risiko-System hat: Borussia taumelt schon wieder haltlos nach unten.

Es ließ sich gut an im sonnigen Borussia-Park beim ersten Heimspiel. Vor dem Spiel, als die Nordkurve den Wechselgesang mit dem neuen Block auf der Südseite probierte, war es richtig laut, und angesichts des Papierregens kurz vor Anpfiff fühlte man sich an alte Bökelberg-Zeiten erinnert. Auch der Blick auf die Aufstellung verhieß eine mutige Herangehensweise – Mathieu Nguefack von Beginn an zu bringen, war ebenfalls ein Zeichen für Polanskis Courage.

Auch die Umsetzung auf dem Platz schien zunächst zu funktionieren. Beide Mannschaften versuchten es mit relativ hohem Pressing und geradlinigem Spiel nach vorne. Langatmige Ballpassagen gab es kaum, alles ging zügig und war nett anzuschauen. Vor allem, als Bolin die leicht abgefälschte Hereingabe von Nguefack per Kopf verwandelte (12.), schien sich ein schöner Fußballnachmittag zu entwickeln.

Erste Risse in der Abwehr

Doch schon bald häuften sich die individuellen Fehler. Nguefack hatte noch großes Glück, dass sein Ballverlust nur mit einem Pfostenschuss für Elversberg endete. Dagegen wurde Itakuras schwaches Zweikampfverhalten mit dem 1:1 bestraft. Neben der Tatsache, dass der Japaner zunächst falsch reagierte und dann ins Leere grätschte, muss das Zustandekommen dieser Situation hinterfragt werden. Vorausgegangen war eine simple Halbfeldflanke von Honorat, die von einem Abwehrspieler einfach geradeaus aus dem Strafraum geschlagen wurde. Dass Itakura 15 Meter in der gegnerischen Hälfte letzter Mann war und somit eine vernünftige Absicherung fehlte, darf nicht passieren.

Man kann den Borussen Willen und Engagement keinesfalls absprechen, aber sie bekamen kaum echte Kontrolle in ihre Aktionen. Gestresst durch die früh anlaufenden Gegner musste alles sehr schnell gehen, was angesichts der technischen Defizite zu Ballverlusten führte. Andererseits hatten die Gäste mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, sodass es ein wildes Spiel war, das von kleinen und größeren Fehlern auf beiden Seiten geprägt war.

Pausenführung trotz Wackelpartie

Kurz vor der Pause gelang den Borussen durch den zweiten Treffer von Bolin die neuerliche Führung. Auch wenn die TV-Bilder zeigen, dass es den zum Tor führenden Einwurf durch Kleindienst nicht hätte geben dürfen, war die Pausenführung nicht unverdient. Nach dem Seitenwechsel spielten die Gladbacher weiterhin alles andere als souverän, aber weiter mit der notwendigen Leidenschaft, und stellten mit dem Tor durch Scally nach 56 Minuten die Weichen endgültig auf Heimsieg.

Doch was dann passierte, ist schwer zu erklären. Anstatt nun endlich das Spiel zu beruhigen, den Gegner zu stellen und keine Räume zu lassen, änderte sich die Herangehensweise nicht, und man verhielt sich sehr naiv. Müssen wirklich die Außenverteidiger beim Stand von 3:1 bei jedem eigenen Angriff mit nach vorn preschen? Müssen die Innenverteidiger ohne Sinn und Verstand ständig aus der Kette herausrücken, um – fast immer vergeblich – einen hohen Block zu stellen oder den Ball zu erobern?

Der Zusammenbruch nimmt Fahrt auf

Nach Kleindiensts Fehlpass führten die schlechte Staffelung, das unnütze Vorrücken von Ullrich, der Fehler von Nicolas beim Flatter-Schuss von der Seite und Scallys Schlafmützigkeit gegen Krattenmacher zum 2:3 (66.). Statt Elversberg zu demoralisieren, holten die Borussen die Gäste wieder zurück ins Spiel. Polanski entschied sich derweil, keine taktischen Veränderungen vorzunehmen. Er tauschte Mohya und Honorat gegen Hack und Kühn positionsgetreu.

Eine System- und Personalanpassung, um mehr Stabilität zu bekommen, wurde versäumt. Spätestens in dieser Phase hätte Mathieu Nguefack, bei dem sich die Konzentrationsfehler häuften, ersetzt werden müssen. Doch der Youngster blieb auf dem Platz und verursachte mit seinem Fehlpass und dem unglücklichen Foul im Bemühen um Wiedergutmachung den Freistoß, der zum 3:3 führte (77.).

Vogelwilde Schlussphase, bitteres Ende

Danach folgte eine teilweise vogelwilde Schlussphase, in der man den Lucky Punch erzwingen wollte. Das wäre fast gelungen – Itakuras Kopfball wurde vor der Linie geklärt –, aber man bot Elversberg auch abenteuerlich anmutende Räume an. Nicolas verhinderte in der Schlussminute noch den Knockout, ehe er dann doch noch das vierte Gegentor kassierte, weil Diks & Co. nach einem simplen Flügelwechsel desorientiert und nicht auf der Höhe waren.

Am Ende herrschte im Borussia-Park das blanke Entsetzen. Erneut gab es zu viele individuelle Fehler, aber eben auch dieses kollektiv absurde Defensivverhalten, das zum Genickbruch führte. Die Borussen können einfach nicht verteidigen. Polanskis Plan A mit seinem 4-2-3-1 mag mutig sein, aber er ist gleichzeitig Harakiri, wenn die defensive Stabilität als Basis fehlt. Dass weder die Spieler auf dem Platz noch das Trainerteam von außen eine Idee haben, wie man einen 3:1-Vorsprung in einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger in den letzten 30 Minuten vernünftig abwickelt, lässt nach nur zwei Spieltagen sämtliche Alarmglocken läuten.

Schröders Ruhe, die Realität dahinter

»Nach zwei Spieltagen dürfen wir jetzt nicht völlig durchdrehen und alles infrage stellen«, sagte Rouven Schröder am Samstag nach dem Spiel. »Das Wichtigste wird sein, dass wir trotz allem klar bleiben.« Damit hat der Sportchef natürlich recht. Aber offensichtlich ist auch, dass die angedachte Herangehensweise so nicht funktionieren kann und dringend grundlegende Anpassungen vorgenommen werden müssen. Ein nicht ausbalanciertes System, ein ratlos wirkender Trainer und offensichtliche Diskrepanzen innerhalb der Mannschaft – das kann so nicht gutgehen.

 


von Marc Basten

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