Borussia in Freiburg

Keine Kurskorrektur: Borussias nächster Anlauf in Freiburg

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Will an seiner Ausrichtung festhalten - Eugen Polanski (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach tritt am Samstag (15.30 Uhr) beim »Lieblingsgegner« SC Freiburg an. Die Fohlen wollen im Breisgau nicht nur eine ewige Durststrecke beenden, sondern müssen dringend punkten, um nicht komplett abzuschmieren. Trotz der misslichen Lage geben sich die Verantwortlichen optimistisch.

Die ewige Durststrecke

The same procedure as every year: Es ist erneut Zeit, die Geschichte aus dem Jahr 2002 aufzuwärmen, als Arie van Lent zum 1:0-Sieg der Gladbacher Borussia in Freiburg traf. Das ist jetzt über 24 Jahre her – und noch unglaublicher ist, dass die Fohlenelf seitdem kein einziges Bundesligaspiel im Breisgau gewinnen konnte. Lediglich zu gemeinsamen Zweitligazeiten glückte Borussia ein Dreier beim SC – in der Bundesliga musste man sich stets maximal mit einem Punkt begnügen.

Für Eugen Polanski ist es der zweite Anlauf als Gladbach-Coach, diese Serie zu beenden. Im Frühjahr verlor er mit den Borussen mit 1:2 und fand sich in den folgenden Wochen im harten Abstiegskampf wieder. An diesem Punkt stehen der Trainer und die Mannschaft nun bereits am 3. Spieltag der neuen Saison. Nach dem verpatzten Saisonauftakt inklusive der peinlichen zweiten Halbzeit gegen Elversberg brennt in Mönchengladbach der Baum bereits lichterloh, und es wird damit gerechnet, dass Polanski nicht mehr lange als Cheftrainer fungieren wird.

Erstaunlich einfache Erklärung

Doch diese Aufregung im Umfeld hat man bei Borussia entweder nicht so wahrgenommen, oder aber man ignoriert sie gekonnt. Anders sind die Aussagen von Eugen Polanski am Donnerstag bei der Pressekonferenz nicht einzuordnen. Die Niederlage habe zwar »alle geschockt«, und die Aufarbeitung habe daher etwas länger gedauert, aber das – zumindest öffentlich verkündete – Ergebnis war dann doch erstaunlich einfach gestrickt: Die ersten 65 Minuten seien »richtig gut« gewesen, und dann hätte man durch individuelle Fehler das Spiel verschenkt. Polanskis Forderung: mal über 90 Minuten die Leistung abrufen.

Ansonsten sprach er davon, dass man schon vieles richtig gemacht habe und auf einem guten Weg sei. Er beabsichtigt, an der eigenen Spielidee festzuhalten, dabei aber auch defensiv stabil zu stehen. Eine Abkehr vom 4-2-3-1 wird es demnach nicht geben, zumal auch Sportchef Rouven Schröder im Brustton der Überzeugung behauptete, bei der Niederlage gegen Elversberg habe es »keine mannschaftstaktischen Fehler« gegeben. Und auch den Vorwurf, dass zu spät und falsch gewechselt worden sei, wollten die Verantwortlichen nicht auf sich sitzen lassen.

Verletzungssorgen als Ausrede?

Demnach gab es sehr wohl die Überlegung, Debütant Mathieu Nguefack auszuwechseln, aber drei verletzungsbedingte Pflichtwechsel hätten das unmöglich gemacht. Sowohl Scally als auch Ullrich hätten aufgrund muskulärer Probleme nicht durchspielen können – wohlgemerkt am zweiten Spieltag der Saison, und das angesichts einer doch eigentlich hochprofessionellen Trainingssteuerung. Es hat offenbar seinen Preis, dass Borussia insgesamt bei Laufleistung, Sprints, Meter pro Minute und Intensität der Läufe deutlich zugelegt hat.

An der grundsätzlichen Herangehensweise soll sich in Freiburg also nichts ändern. Die »dringlichste Änderung« sei, Punkte zu sammeln. Mit welcher Aufstellung Polanski das in Freiburg versuchen will, ließ er bei der Pressekonferenz wie gewohnt komplett offen. Einen weiteren Startelfeinsatz von Nguefack schloss er genauso wenig aus wie einen Kaderplatz für Neuhaus. Der sei »nicht abgeschrieben« und setze im Training geforderte Inhalte um.

Personalsituation vor dem Anpfiff

Klar ist, dass neben den Langzeitverletzten auch Zento Uno und Daiki Hashioka nicht zur Verfügung stehen werden. Uno soll bei der U23 Spielpraxis sammeln, Hashioka trainiert weiterhin nur individuell. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es bei Nicolas Kühn, der möglicherweise doch nicht so schwer verletzt ist wie zunächst vermeldet. Nächste Woche werden weitere Untersuchungen folgen, und es könnte sein, dass es doch kein Muskelbündelriss ist und die prognostizierte monatelange Ausfallzeit verkürzt werden kann.

Für das Spiel in Freiburg ist das jedoch alles unerheblich. Die Borussen müssen dort trotz aller schlechten Vorzeichen punkten, weil es sonst mehr als nur ungemütlich wird und sich die Erzählung von ausschließlich individuellen Fehlern dann nicht mehr aufrechterhalten lässt. Aber wer weiß – es ist Fußball, und alles ist möglich. Vielleicht wird die Geschichte von Arie van Lent und dem einzigen Sieg in Freiburg doch kein 25-jähriges Jubiläum feiern.

 


von Marc Basten

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