Nachdreher aus dem Borussia-Park

Borussias erschreckende Harmlosigkeit

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Auch vom Elfmeterpunkt waren die Borussen gegen den VfB zu harmlos (Foto: Getty Images)

Borussia Mönchengladbach war bei der 0:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart überfordert – fußballerisch zeigte sich ein klarer Klassenunterschied. Von der neuen Mentalität, die sich im Spätherbst unter Eugen Polanski entwickelt hatte, ist mittlerweile wenig geblieben.

Als Borussia Mönchengladbach vor anderthalb Wochen in Sinsheim vorgeführt wurde, klang Eugen Polanski noch kämpferisch. »Wahrscheinlich sind wir zu weich, wahrscheinlich reden wir immer alles positiv – jetzt ist Schluss damit«, sagte Borussias Trainer mit Überzeugung. Am frühen Sonntagabend nach der 0:3-Niederlage wirkte Polanski jedoch ebenso hilflos wie seine Spieler zuvor – und redete die Leistung sogar schön.

Er sprach davon, dass seine Mannschaft in der ersten Halbzeit den einhundert Prozent nahegekommen sei und er insgesamt zufrieden mit dem Ballbesitz – vor allem aus dem Viereraufbau – gewesen sei. »Wir kommen häufig in Schusssituationen und in den Sechzehner, aber es fehlt die letzte Überzeugung«, sagte er zudem. Die fehlende Überzeugung mag zutreffen, doch »häufige Schusssituationen« gab es nicht: Bis auf eine ordentliche Startphase waren die Borussen fußballerisch schwach und harmlos.

Insgesamt nicht bundesligatauglich 

​Es lag nicht nur an Stuttgarts Klasse und der (noch) schwächeren zweiten Halbzeit, dass Gladbach klar unterlag. Gewiss kann man dem verschossenen Elfmeter von Tabaković (13. Minute, pariert von Nübel) nachtrauern, der den VfB früh gefordert hätte. Doch die Gäste hätten jederzeit zulegen können und fuhren einen verdienten Sieg ein, ohne je gestresst zu wirken.

Der eigene Spielaufbau war, anders als Polanski es darstellte, nie zufriedenstellend. Entweder gab es lange Bälle auf Tabaković, der mit Chabot im Nacken keinen Ball halten konnte, oder ungenügende Kombinationen im Dreiecksspiel – spätestens nach dem dritten Kontakt war der Ball weg. Einzelaktionen wirkten kopflos und endeten in Verlusten; insgesamt war es nicht bundesligatauglich.

Prekäre Lage

Sportchef Rouwen Schröder bemängelte die Körpersprache einiger Borussen und wies auf »gewisse Schlüsselspieler, die nicht bei 100 Prozent sind«, hin. Von Spielern, »die in der Hierarchie oben stehen«, fordert er bessere Leistungen – das werde intern klar benannt. Ob das reicht, darf bezweifelt werden: Rocco Reitz zum Beispiel ist mit der Führungsrolle für alle sichtbar überfordert, doch wer aus diesem Kader könnte übernehmen? Die stabile Achse mit drei, vier Säulen fehlt weiterhin, und im Wintertransferfenster hat sich diesbezüglich nichts geändert.

Die Leistung gegen Stuttgart zeigt erneut, wie prekär die Lage bei Borussia ist. Immerhin wird das von Verantwortlichen nicht schöngeredet. Der Blick geht nach unten: »Ich habe nie etwas anderes gesagt«, erklärte Rouwen Schröder. »Wenn uns einer einen Schritt weiter wähnt, dem zeigen die Spiele, dass wir es nicht sind. Es wird bis zum Schluss kein Zuckerschlecken, und wir müssen da durch.« 


von Marc Basten

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