Nachdreher aus dem Volksparkstadion

Hamburger Ungefährlichkeit war Borussias großes Glück

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Keine Tore zwischen dem HSV und Gladbach (Foto: Selim Sondheimer - Getty Images)

Leistungsmäßig hätte es für Borussia Mönchengladbach in Hamburg die zweite klare Niederlage innerhalb von drei Tagen setzen müssen. Doch die Ungefährlichkeit des HSV im Abschluss bescherte der Fohlenelf einen glücklichen Punkt. Die Leistung gibt einmal mehr Rätsel auf.

Fußball ist ein Ergebnissport und ein Punkt zum Ende einer englischen Woche in einem Auswärtsspiel bei einem unmittelbaren Konkurrenten ist für Borussia Mönchengladbach wahrlich nicht schlecht. So konnte Trainer Eugen Polanski auch anschließend unwidersprochen ausführen, mit diesem Punkt sehr zufrieden zu sein. Auch wenn er noch das Wort »relativ« einschob. Denn natürlich war auch dem 39-Jährigen nicht verborgen geblieben, dass die Leistung keinen Grund geliefert hatte, sich zufrieden zurückzulehnen.

Nach fünf vergleichsweise aktiven Minuten überließen die Borussen dem HSV die komplette Spielkontrolle. Wie schon am Mittwoch in Sinsheim fehlte es gegen den Ball an der Intensität, und was die Gladbacher mit Ball veranstalteten, war in gewissen Phasen nicht bundesligatauglich. Null Dynamik, technische Fehler am laufenden Band – das war wirklich grottenschlecht. »Wir hatten sehr schlechte Phasen und schlechte Entscheidungen«, bestätigte Polanski. »Obwohl wir die Räume, die wir vorher angesagt haben, da waren.«

Ein klarer Rückstand zur Pause wäre verdient gewesen

Dabei hatte Polanski mit der Hereinnahme von Neuhaus die fußballerische Komponente stärken wollen, doch der »Gestalter aus der Tiefe des Raumes« blieb genauso farblos wie der Rest seiner verunsichert wirkenden Kollegen. »Wahrscheinlich waren wir ein bisschen zu verkopft, die Niederlage aus dem Hoffenheim-Spiel war noch drin«, mutmaßte Polanski. Jedenfalls fehlte seinen Mannen durchweg alles, um wie ein konkurrenzfähiger Bundesligist aufzutreten. 16:1 lautete das Torschussverhältnis in der ersten Halbzeit pro HSV und spiegelte damit das Spielgeschehen anschaulich wider.

Es war ausschließlich der Abschlussschwäche der Hamburger geschuldet, dass die Borussen nicht mit einem klaren Rückstand in die Pause gehen mussten. Verdient wäre es allemal gewesen. So aber blieben die Gladbacher nahezu ohne eigenes Zutun im Spiel, bekamen die großen Lücken im defensiven Mittelfeld besser geschlossen, weil Sander etwas vorgezogener agierte, sodass es eher eine Formation mit Viererkette war. Der HSV kam jedenfalls nicht mehr ganz so einfach in den Gladbacher Strafraum, auch wenn er weiterhin überlegen war.

Es gibt nichts schönzureden

Doch die ganz klaren Torchancen der Gastgeber gab es nicht mehr. »In der zweiten Halbzeit spielen wir peu à peu besser Fußball und halten das Spiel zumindest mal unter Kontrolle«, sagte Polanski. Während die Hamburger begannen, den verpassten Gelegenheiten nachzutrauern, belebten auf Gladbacher Seite die Wechsel von Castrop und Reyna das Spiel. Aber um mehr als den einen Punkt mitzunehmen, waren die Borussen ihrerseits in der Offensive viel zu schwach. »Es hat aber mit Sicherheit die richtige Technik und die richtigen Entscheidungen im Ballbesitzfußball gefehlt«, so Polanski.​

Am Ende entführten die Gladbacher einen glücklichen wie unverdienten Punkt aus Hamburg, der angesichts der engen Tabellensituation wichtig war. Gleichwohl gibt es nichts schönzureden, und fasst man die englische Woche zum Jahresauftakt zusammen, so sind die vier Punkte mehr, als es die jeweiligen Leistungen hergegeben haben. Beim Sieg gegen Augsburg war man keineswegs so gut, wie es das klare Ergebnis vermuten lässt, gegen Hoffenheim kam man komplett unter die Räder und in Hamburg bewahrte die Borussen nur die Schwäche des Gegners vor einer weiteren Abfuhr.​

Borussen müssen sich zusammenreißen

Von den nächsten sieben Spielen bis Anfang März geht es mit Ausnahme beim Gastspiel in Bremen ausschließlich gegen Teams aus den aktuellen Top-10 der Bundesliga, und gegen Mannschaften aus diesem Bereich konnte man in dieser Saison noch kein Spiel gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwächen der Gegner ausreichen, um wie in Hamburg etwas zu holen, ist gering. Die Borussen müssen sich also zusammenreißen, um wieder auf das Niveau zu kommen, was sie im November gezeigt haben.


von Marc Basten

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