Borussias Interimstrainer Jan-Moritz Lichte veränderte die Startformation gegenüber der Niederlage in Freiburg vor einer Woche auf vier Positionen: Lidberg, Ullrich, Leszczyński und Neuhaus begannen für Kleindienst (gesperrt), Herold, Hack und Stöger (alle Bank). Damit verbunden war auch eine Systemumstellung auf ein 5-2-3-System, das es in dieser Form bei Borussia noch nicht gegeben hat.
Vor Nicolas bildeten Scally, Itakura, Leszczyński, Diks und Ullrich die Fünferkette. Davor spielten Sander und Bolin (!), während Neuhaus, Lidberg und Honorat die Offensivreihe übernahmen.
Neuhaus mit Führungstreffer
Die Partie begann mit verteilten Spielanteilen, wobei sich die Borussen in der neuen Formation zunächst orientieren mussten. Im Aufbau rückte Scally oft ein, während Ullrich links weit mit vorschob. So richtig rund wirkte das nicht, dennoch gelang nach elf Minuten der Führungstreffer.
Sander erlief einen Fehlpass der Mainzer im Mittelfeld und spielte auf Neuhaus, der wiederum Ullrich auf links bediente. Der zog nach innen und setzte einen Flachschuss in Richtung Tor ab, in den Neuhaus lief und dem Ball die entscheidende Richtungsänderung gab, sodass Schwolow im Tor der Mainzer keine Abwehrchance hatte.
Direkt ein Tor mit der ersten Chance – das war ein guter Start für die Fohlen. Vier Minuten später hatte Leszczyński nach Honorat-Ecke die Chance auf das 2:0, doch Schwolow wehrte den Kopfball des Polen stark ab (15.). Wenige Momente später gab es jedoch den ersten Rückschlag an diesem Nachmittag: Nach einem verlängerten Mainzer Einwurf war Becker im Strafraum frei, der aus der Drehung an den zweiten Pfosten spielte, wo Titz unbedrängt zum Ausgleich einnetzen konnte (18.).
Mainz übernimmt die Kontrolle
In der Folgezeit hatte Mainz mehr vom Spiel, und Becker prüfte Nicolas mit einer gefährlichen Direktabnahme (23.). Die Borussen taten sich zusehends schwerer, geordnet nach vorne zu kommen. Mainz blieb optisch überlegen, wurde zunächst aber auch nicht wirklich gefährlich. Für die Borussen hatte Itakura nach einer Freistoßflanke von Honorat eine Kopfballchance, aber Schwolow war erneut zur Stelle (38.).
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurden die Gladbacher dann nochmals eiskalt erwischt. Caci flankte von Borussias linker Seite in den Strafraum, wo die Gladbacher zwar in Überzahl, aber ohne Zuordnung waren. Becker kam zu einem freien Kopfball und versenkte die Kugel sehenswert zur Mainzer Führung im Eck (45.+1).
Diks scheitert vom Punkt, Lidberg trifft doch
Nach dem Seitenwechsel mühten sich die Borussen, ohne Mainz auch nur annähernd in Gefahr zu bringen. Das änderte sich in der 57. Minute, als es nach einem VAR-Eingriff Handelfmeter für die Borussia gab. Kevin Diks trat an – und setzte den Ball an den Pfosten. Das hatte zur Folge, dass Stadion und Mannschaft plötzlich erwachten.
Eine Minute später schoss Neuhaus knapp über den Kasten. Keine sechzig Sekunden danach spielte Bolin auf Scally, dessen scharfe Hereingabe Ullrich im zweiten Versuch kontrollieren konnte. Er flankte gefühlvoll an den langen Pfosten, wo Lidberg den Ball unter die Latte hämmerte (59.).
Alte Schwächen besiegeln die nächste Pleite
Eine halbe Stunde vor Schluss war die Partie also wieder offen, und das Momentum schien auf Seiten der Borussen. Doch Mainz nahm geschickt erst das Tempo aus dem Spiel und bekam dann wieder mehr Kontrolle. Und dann wurde Borussia einmal mehr das schwache Defensivverhalten zum Verhängnis. Nach einer Mainzer Ecke wurde der Ball nochmals an den zweiten Pfosten gehoben, wo Lidberg vergeblich versuchte, Martel vom Ball wegzublocken. Nicolas blieb passiv auf der Linie, sodass Martel den Ball aus einem Meter ins Tor köpfen konnte (78.).
Das war ein Tiefschlag für die Gladbacher, die sich zwar nicht hängen ließen, aber schon deutlich angezählt waren. Der Knockout folgte dann in der 89. Minute. Wieder bekamen die Borussen eine Mainzer Ecke nicht geklärt, und letztlich legte Machino im eigenen Fünfer auf da Costa ab, der den Ball aus kurzer Distanz noch abgefälscht am erneut zögerlichen Nicolas vorbei zum 2:4 ins Tor trudelte.
In der Nachspielzeit gab es noch einen zweiten Handelfmeter für Borussia, den Machino zum 3:4 verwandelte (90.+5). Danach wurde es nochmal kurz hektisch, aber dann war die zweite 3:4-Heimniederlage in Folge besiegelt. Borussia verabschiedet sich also nach vier Spielen mit null Punkten und 16 Gegentoren als Tabellenletzter in die Länderspielpause.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Scally (76. Hashioka) Itakura (84. Machino), Leszczynski, Diks, Ullrich- Sander, Bolin (84. Hack) - Neuhaus (64. Mohya), Lidberg, Honorat (76. Stöger)
weiter im Kader: Batz (ETW), Chiarodia, Herold, Nguefack
Mainz 05: Schwolow - Posch, Gruber, Potulski - Caci (65. da Costa), Kai. Sano, Mwene, Amiri, J.-S. Lee (65. Martel) - Becker (76. Königsdörffer), Tietz
Tore: 1:0 Neuhaus (11.), 1:1 Titz (18.), 1:2 Becker (45.+2), 2:2 Lidberg (59.), 2:3 Martel (78.), 2:4 da Costa (89.), 3:4 Machino (90.+5/HE)
Gelbe Karten: Ullrich, Sander, Neuhaus, Mohya, Stöger, Machino - Posch, Mwene, Potulski, Schwolow, Königsdörffer
Schiedsrichter: Robert Hartmann
Zuschauer: 50.717
von Marc Basten

