Moritz Nicolas: Hatte zunächst Glück beim Pfostenschuss der Gäste und wurde dann von dem allein auf ihn zulaufenden Mokwa überwunden. Wichtig war seine Fußabwehr bei einem Schuss aus spitzem Winkel in der ersten Halbzeit, und auch nach der Pause war er bei einer ähnlichen Chance von Elversberg zur Stelle. Den 3:2-Anschlusstreffer muss der 28-Jährige mit auf seine Kappe nehmen, denn den seitlichen Flatterball aufs Tor muss er halten oder wenigstens in eine andere Richtung bugsieren. Beim Freistoßtor fehlten ihm ein paar Zentimeter, in der Schlussminute schien es, als würde er mit einer Klasseparade gegen Krattenmacher die Niederlage verhindern. Doch dann kassierte er doch noch das 3:4, ohne dass er hier eine Abwehrchance gehabt hätte. Note 3,0.
Joe Scally: Die Verletzungen von Konoplia und Hashioka hatten zur Folge, dass der eigentlich schon abgeschriebene Scally beim ersten Heimspiel wie gehabt auf seiner Rechtsverteidigerposition spielte, als sei nichts gewesen. Über weite Strecken lieferte der 23-Jährige eine typische »Scally-Leistung« ab. Er war engagiert, ging körperlich zu Werke und bekam Standing-Ovations für eine beherzte Grätsche. Vorne schlug er überhastet bei guter Strafraumbesetzung eine viel zu weite Schuss-Flanke ohne Abnehmer. Auffällig, dass Scally sehr offensiv agierte und mehrfach im Halbraum vor Honorat postiert war. Dadurch fehlte er hinten das eine oder andere Mal, aber offensichtlich war das permanente Einschalten ins Angriffsspiel eine Vorgabe. Nach der Pause leitete er das 3:1 mit einem Ballgewinn selbst ein, lief mit und traf dann nach Doppelpass mit Honorat mit etwas Glück. Zehn Minuten später sah er beim Anschlusstor von Elversberg miserabel aus, als er wie erstarrt stehenblieb, anstatt sich Krattenmacher in den Weg zu stellen. Nach 77 Minuten wurde er von Leszczyński abgelöst. Note 4,0.
Ko Itakura: In der eigenen Hälfte mit besserer Positionierung konnte er Mokwa mit einer Grätsche stoppen, vor dem 1:1 gelang ihm das nicht. Zunächst ging er eher alibimäßig griffig Richtung Gegenspieler, anstatt sich etwas zurückzuziehen. So konnte Mokwa sich wegdrehen und lossprinten – da half auch die Verzweiflungsgrätsche nichts mehr. Allerdings muss auch die Frage erlaubt sein, warum Itakura 15 Meter tief in der gegnerischen Hälfte ohne Absicherung als letzter Mann postiert war. Auch darüber hinaus strahlte Itakura nicht die Souveränität aus, die man sich von ihm erwartet. Beim Herausrücken aus der Kette fehlte mehrfach das Timing. Er war zwar sehr passsicher (98%) und hatte in der wilden Schlusssequenz eine Kopfballchance zum 4:3, aber beim Siegtor von Elversberg blieb der 29-Jährige viel zu passiv gegen Assistgeber Futkeu. Note 4,5.
Kevin Diks: Seine intensivste Szene war, als er die Nordkurve nach einem »gewonnenen« Abstoß anfeuerte. In zwei, drei knackigen Duellen mit Mokwa stand er seinen Mann, und in den Kopfballduellen – auch nach gegnerischen Ecken – blieb er meist Sieger. Im Aufbauspiel versuchte Diks es mehrfach mit langen Bällen, wovon einige auch ankamen. Wie Itakura rückte auch Diks mehrfach übereilt aus der Kette heraus, ohne in den Zweikampf zu kommen oder den Gegner stellen zu können. In der letzten Viertelstunde übernahm der 29-Jährige die Rechtsverteidigerposition. Dort fand er sich nicht wirklich zurecht. Beim Elversberger Siegtreffer war Diks ganz dick in der Verlosung, als er nur auf den Ball schaute. Note 4,5.
Lukas Ullrich: Wirkte erneut überfordert mit der Aufgabe, über die linke Seite ständig mit nach vorn zu preschen und nebenbei auch noch zu verteidigen. In einer Szene rannte er kopflos in einen Gegner hinein und verlor das Gleichgewicht – da musste man fast Mitleid haben. Ullrich müsste sich dringend darauf beschränken, erst mal gut zu stehen und dann dosiert nach vorne zu gehen. Aber offensichtlich ist die Vorgabe für die Außenverteidiger eine andere. So kam es, dass Ullrich offensiv wenig Produktives beisteuerte und defensiv hauptsächlich durch Stellungsfehler auffiel. Bezeichnend die Szene vor dem zweiten Elversberger Tor, als der 22-Jährige im falschen Moment aufrückte und vergeblich versuchte, zu attackieren, während er gleichzeitig hinter sich den Raum öffnete, den Petkov für den Flatterball auf Nicolas ausnutzte. Ullrich schlug Ecken von rechts, aber ohne Erfolg. In der 81. Minute machte er Platz für Herold. Note 4,5.
Philipp Sander: Machte viel, lief viel, war aber wenig da, wo ein Sechser eigentlich hingehört. Nach dreißig Sekunden schlug er eine Flanke von rechts auf Kleindienst, und auch vor dem 1:1 war Sander auf rechts noch vor Honorat postiert, dessen Halbfeldflanke dann in die Mitte geklärt wurde, wo Itakura auf verlorenem Posten stand. Wie Reitz im vergangenen Jahr scheint nun Sander der irrigen Annahme zu unterliegen, überall sein zu müssen, und dabei seine eigentliche ordnende Rolle vor der Abwehr aus den Augen zu verlieren. Sander spielte den einen oder anderen guten Ball aus der tieferen Position und war mit an der Balleroberung vor dem 3:1 beteiligt. Beim Anschlusstreffer von Elversberg unterschätzte er die Situation und überschätzte die Konzentration von Scally. Ein Führungsspieler, der Sander sein will, muss einen jungen Nguefack an die Hand nehmen, aber »Papa Sander« war selten zu Hause. Note 4,5.
Mathieu Nguefack: Durfte wie gefordert sein Startelfdebüt in der Bundesliga geben und gab mit seiner leicht abgefälschten Schuss-Flanke für Bolin zum 1:0 einen Assist. Kurz darauf unterlief ihm ein schlimmer Ballverlust am eigenen Strafraum, der zum Glück nur einen Pfostenschuss zur Folge hatte. Nguefack deutete an, dass er über Technik und Spielverständnis verfügt, konnte das aber nicht ganz so wie erhofft einbringen. Zwei weitere Fehler resultierten aus einer gewissen Sorglosigkeit, und nach einer Stunde schien seine Auswechslung angebracht. Doch Nguefack blieb und leistete sich dann einen Fehlpass im Aufbau, den er selbst korrigieren wollte, dabei aber unglücklich in die Hacken des Gegenspielers lief und so den Freistoß verursachte, der Elversberg den Ausgleich brachte. Der 18-Jährige war der laufstärkste Borusse an diesem Tag, aber der Kräfteverschleiß war ihm in der Schlussphase deutlich anzumerken. So kam er beim Gegenangriff zum 3:4 auch nicht mehr rechtzeitig zurück, um noch helfen zu können. Note 4,5.
Franck Honorat: War aktiv auf der rechten Seite und schlug insgesamt sechs Flanken, von denen eine gezielt auf dem Kopf von Kleindienst landete. Eine abgewehrte Halbfeldflanke von Honorat war der Ausgangspunkt für das erste Elversberger Tor. Beim 2:1 war er wachsam und legte gut für Bolin auf, und auch beim 3:1 war er als uneigennütziger Doppelpasspartner der Assistgeber für Scally. Eigentlich war der 30-Jährige (schnellster Spieler auf dem Platz mit 35,4 km/h) ganz ordentlich im Spiel, musste aber in der 69. Minute für Kühn weichen. Note 3,0.
Hugo Bolin: Wieder Borussias auffälligster Offensivspieler – nicht nur wegen seiner beiden Tore. Beim 1:0 war er aufmerksam und reaktionsschnell, beim 2:1 vollendete er sehr beherrscht. Bolin kam relativ oft und anscheinend mühelos an den Gegenspielern vorbei. Der 23-Jährige hatte Zug zum Tor, nur manchmal fehlte ihm etwas der Blick für die Mitspieler. Beim Tor zum 3:1 war Bolin mit dem schnellen Zuspiel auf Scally ebenfalls beteiligt. In der wilden Schlussphase wäre Bolins leicht abgefälschte Flanke von links fast im Tor gelandet. Er machte auch viele Wege weit zurück in die eigene Hälfte und hatte am Ende weit über 11 Kilometer auf dem Tacho. Note 2,5.
Wael Mohya: War viel unterwegs und konnte das eine oder andere Mal das Tempo anziehen (33,9 km/h). Allerdings vermochte Mohya kaum etwas wirklich Zwingendes zu erzeugen. Im Zweikampfverhalten war er stabil und hielt gut dagegen. In der Rückwärtsbewegung fehlte es etwas an der Abstimmung, vor allem wenn Ullrich aufrückte. Mohya schloss einen schnellen Konter zum vermeintlichen 2:0 ab, aber Bolin stand in der Entstehung im Abseits, und das Tor fand keine Anerkennung. Im zweiten Durchgang hatte der 17-Jährige links im Strafraum die große Chance auf das 4:2, doch sein Schuss geriet zu zentral auf den Torwart. In der 69. Minute übernahm Hack. Note 4,0.
Tim Kleindienst: Nach einer halben Minute setzte er einen Kopfball nach Sander-Flanke über das Tor, später köpfte er nach einer starken Flanke von Honorat ebenfalls über den Kasten – da war deutlich mehr möglich. Im zweiten Durchgang war Kleindienst nach einer Ecke am zweiten Pfosten ebenfalls zur Stelle, doch der Torwart reagierte noch rechtzeitig. Mit dem geschickt schnell ausgeführten Einwurf – auch wenn es diesen nicht hätte geben dürfen – leitete der 31-Jährige das 2:1 ein. Im Spiel am Boden zeigte sich Kleindienst mit zwei, drei guten Weiterleitungen und einem öffnenden Pass. Es unterliefen ihm allerdings auch mehrere Fehlpässe, sodass er letztlich nur auf eine Passquote von 40% kam. Einer dieser schlechten Pässe stand an der Basis des Elversberger Angriffs zum 3:2. In der 77. Minute wurde Kleindienst von Lidberg abgelöst. Note 4,0.
Nicolas Kühn (69. Minute für Honorat): Gab sein Debüt für Borussia, kam aber nur auf sechs Ballkontakte. Dazu gehörten zwei nicht schlecht geschlagene Ecken. Die Hiobsbotschaft gab es am nächsten Tag: Beim Training zog sich Kühn einen Muskelbündelriss zu und wird lange ausfallen. Ohne Note.
Robin Hack (69. Minute für Mohya): Hatte 10 Ballkontakte, konnte sich aber überhaupt nicht in Szene setzen. Ohne Note.
Isac Lidberg (77. Minute für Kleindienst): Wühlte ein paarmal mit am und im gegnerischen Strafraum, ohne aber in Abschlussposition zu kommen. Ohne Note.
Jan Leszczyński (77. Minute für Scally): Ging in die Innenverteidigung, während Diks nach rechts auf die Scally-Position rückte. Schob mit an, klärte zweimal und gewann seine drei Kopfballduelle. Beim Siegtreffer von Elversberg hätte er dem Torschützen etwas überzeugender entgegentreten können und wurde letztlich getunnelt. Ohne Note.
David Herold (81. Minute für Ullrich): Sorgte vorne links immerhin für mehr Wirbel als der eigentlich dafür vorgesehene Hack, konnte letztlich aber auch nichts mehr retten. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

