Borussias Trainer Alexander Blessin nahm gegenüber dem torlosen Remis gegen Paderborn eine Veränderung in der Startelf vor: Hashioka (mit muskulären Problemen nicht im Kader) wurde durch Itakura ersetzt. Diks und Honorat gehörten wieder zum Aufgebot, nahmen aber zunächst auf der Bank Platz.
Die Borussen kamen gut in die Partie und waren in der Anfangsphase das dominierende Team. Die erste Torchance gab es in der 4. Minute, nachdem sich Hack gut durchgesetzt und auf Machino abgelegt hatte. Dessen Schuss aus 16 Metern flog jedoch am Tor vorbei. Auch danach gab es weitere gute Ansätze der Gladbacher.
Früher Schock durch Muheim
Den ersten Schreckmoment mussten die Borussen in der 8. Minute überstehen. Da leistete sich Scally einen Patzer und köpfte Daka den Ball mustergültig in den Lauf. Batz verhinderte den Rückstand im Eins-gegen-eins mit einem starken Reflex. Im Gegenzug zielte Ullrich knapp am Hamburger Tor vorbei. Drei Minuten später war Borussias Keeper dann machtlos: Muheim konnte 30 Meter vor dem Tor Maß nehmen und setzte einen perfekten Flachschuss in das von ihm aus gesehen rechte Eck – Batz streckte sich vergebens (11.).
Das Tor beflügelte den HSV, der nun mehrfach mit Tempo anlief und den Gladbacher Defensivverbund vor Probleme stellte. Batz bewahrte seine Mannschaft mit einer Parade gegen Adeline vor einem höheren Rückstand (14.). Aber auch die Borussen hatten ihre Aktionen im gegnerischen Sechzehner: Nach einer Flanke von Ullrich kam Itakura zum Kopfball, den Bornauw von der Linie kratzte (19.). Dann lenkte Heuer Fernandes im Tor der Gastgeber einen Schuss von Uno über die Latte (21.), vier Minuten später hielt er einen Schuss von Hack.
Wildes Spiel, später Ausgleich
Es war ein sehr unruhiges, teilweise wildes Spiel, geprägt von Fehlern auf beiden Seiten. Die nächste Chance hatte Uno, dessen Schuss von der linken Seite mit rechts knapp am langen Pfosten vorbeistrich (33.). Danach war Batz wieder gefragt, der gegen Möller Wolfe die nächste Glanzparade zeigte (36.). Wenig später war Borussias Schlussmann erneut zur Stelle, nachdem Itakura getunnelt worden war (43.).
Als eigentlich niemand mehr damit gerechnet hatte, gelang den Gladbachern doch noch der Ausgleich. Mohya spielte auf links zu Ullrich, dessen Flanke in Richtung Hack abgewehrt wurde. Der Ball landete bei Scally, der aus 17 Metern mit links schoss, und der Ball trudelte, leicht von Hack abgefälscht, am verdutzten Hamburger Torwart vorbei ins linke Eck (44.).
Itakura fliegt vom Platz
Damit war zu Beginn der zweiten Halbzeit wieder alles offen. Doch bereits nach vier Minuten war alles Makulatur, was sich die Borussen für den zweiten Durchgang vorgenommen hatten. Der bereits verwarnte Itakura hielt Grönbaek außen in Höhe der Mittellinie etwas fest, und der Hamburger nutzte die Gelegenheit für eine Flugeinlage. Schiedsrichter Jablonski schickte Itakura daraufhin mit Gelb-Rot vom Platz. Es war äußerst dumm von Itakura und darf einem erfahrenen Spieler nicht passieren. Jablonskis Entscheidung war jedoch auch sehr kleinlich, da er bis dahin sehr viel hatte laufen lassen und weitaus schwerere Vergehen nicht einmal mit einem Freistoßpfiff geahndet hatte.
Die Borussen mussten also fast die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl spielen, wodurch sich die Statik des Spiels natürlich komplett veränderte. Der HSV übernahm das Kommando, und den Gladbachern wurden einmal mehr ihre Schwächen im Defensivverhalten zum Verhängnis. Obwohl man mit fast allen Spielern am und im eigenen Strafraum war, wurde ein Steckpass auf Grönbaek nicht verhindert. Der legte quer, und am zweiten Pfosten überwand Nandja den machtlosen Batz zum 2:1 für den HSV (60.).
Das Spiel ist gelaufen
Doch die Gladbacher, bei denen mittlerweile Diks für Hack im Spiel war, hatten noch eine große Gelegenheit zum Comeback. Machino profitierte von einem Fehlpass und legte im Strafraum ab auf Scally, der sechs Meter vor dem Tor Bornauw anschoss und die Riesenchance zum Ausgleich liegen ließ (66.). Vier Minuten später war die Messe im Volksparkstadion dann endgültig gelesen.
Sander klärte einen Ball in die Mitte zu Grönbaek, der aus über 25 Metern abzog und den Ball mit dem zweiten Sonntagsschuss am Freitagabend unhaltbar für Batz in den Winkel setzte (70.). Die beiden Weitschusstore des HSV waren zweifelsohne sehr sehenswert, aber sie trafen die Gladbacher bis ins Mark. Und nach diesem dritten Gegentor war klar, dass die Borussen in Unterzahl nicht mehr zurückkommen würden.
Batz verhindert Schlimmeres
In der Schlussphase rettete Batz nach einer Unsicherheit von Chiarodia nochmals hervorragend gegen Daka (78.), ehe sich auf der anderen Seite Neuhaus mit einem Schüsschen von der Strafraumgrenze probierte (79.). Kurz darauf versuchte es Mohya mit einem Schlenzer, der über das Tor flog (80.), und dann war es erneut Neuhaus, der nach einem Zuspiel des eingewechselten Lidberg am HSV-Keeper scheiterte (88.).
Am Ende stand eine extrem bittere 1:3-Niederlage für die Borussia. Man hatte gegen einen defensiv anfälligen HSV genügend Chancen, um mindestens einen Punkt mitzunehmen, aber es fehlte die Effektivität. In der Defensive boten die Borussen ihrerseits viel zu viel an und durften sich bei Batz bedanken, der eine höhere Klatsche verhinderte. Entscheidend war neben den Hamburger Traumtoren aus der Distanz letztlich der Platzverweis von Itakura.
Kurzstatistik zum Spiel:
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Nandja (63. Rössing-Lelesiit), Bornauw (89. Bissi-Mouelle), Omari - El Ouahdi, Sambi Lokonga (80. Amoako), Muheim, Möller Wolfe, Adeline (63. Moffi), Grönbaek (80. Poulsen) - Daka
Borussia Mönchengladbach: Batz - Sander, Itakura, Chiarodia - Scally, Uno (81. Castrop), Neuhaus, Ullrich (81. Lidberg) - Hack (56. Diks), Mohya - Machino (81. Honorat)
weiter im Kader: Olschowsky (ETW), Herold, Konoplia, Nguefack, Stöger
Tore: 1:0 Muheim (11.), 1:1 Scally (44.), 2:1 Nandja (59.), 3:1 Grönbaek (70..)
Gelbe Karten: Omari, Sambi Lokonga - Castrop
Gelb-Rote Karte: Itakura (49.)
Schiedsrichter: Sven Jablonski
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
von Marc Basten

