Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Real Madrid 2:2 (1:0)

Ein 2:2 gegen Real Madrid, das richtig wehtut

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Es war ein hartes Stück Arbeit für Lainer & Co - am Ende reichte es nicht zum Sieg. (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach stellte mit einer engagierten Leistung die Weichen auf Sieg gegen Real Madrid, doch in den letzten Minuten der Partie wurden sie auf der Ziellinie noch abgefangen. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: War von Beginn an als mitspielender Torwart gefragt, was er gut löste. Auch wenn ein Dribbling gegen zwei Madrilenen für kurzes Herzrasen sorgte, war es unter dem Strich eine kontrollierte Aktion des Schweizers. Bis auf einen verunglückten Ball ins Seitenaus und einer Ecke, die Sommer herschenkte und woraus im Nachgang der Pfostenschuss resultierte, machte es 31-jährige mit Ball am Fuß gut. Auf der Linie reagierte Sommer sicher bei den Distanzschüssen von Kroos oder Asensio und klasse im Eins-gegen-Eins bei der Großchance von Asensio. Ein entscheidender Wermutstropfen war die 87. Minute, als er bei der eher harmlosen Flanke auf der Linie kleben blieb, anstatt sich den Ball zu schnappen oder ihn zumindest aus der Gefahrenzone zu bugsieren. Casemiro konnte den Ball so am langen Pfosten nochmal scharf machen und die Reaktionszeit für Sommer beim Abschluss von Benzema war zu kurz. Beim Ausgleich war Sommer gegen die gut platzierte Direktabnahme von Casemiro machtlos. Note 3,0.

Stefan Lainer: War von Beginn an auf Betriebstemperatur und bearbeitete seine Seite mit großem Elan und hohem läuferischen Aufwand. Er setzte Vinicus Junior mehrfach gut unter Druck und lieferte sich auch mit Benzema bissige Duelle. Wenn es möglich war, suchte Lainer den Weg nach vorne, wenn auch zunächst ohne Erfolg. Eine Hereingabe des Österreichers in Richtung Thuram fing Keeper Courtois sicher ab. Nach dem Seitenwechsel leitete Lainer mit seiner Flanke auf Plea den zweiten Gladbacher Treffer mit ein. In der Schlussphase war der 28-Jährige hinten gefordert und da unterliefen ihm ein paar Unachtsamkeiten. Beim Anschlusstreffer war er bei Casemiro, rechnete aber wohl nicht damit, dass dieser den Flankenball noch erreichen konnte. In der Situation beim Ausgleich war Lainer zwar in der Nähe von Hüne Ramos, aber ohne Chance, diesen irgendwie zu stören. Note 2,5.

Matthias Ginter: Begann mit zwei Fehlpässen innerhalb weniger Sekunden, der dritte Pass klappte und Ginter leitete damit eine Halbchance für Hofmann ein. Defensiv gab es für die Innenverteidiger kaum eine Verschnaufpause, immer wieder musste Ginter eingreifen. Das erledigte der 26-jährige mit aufmerksamen Stellungsspiel, guten Zweikämpfen und der einen oder anderen wichtigen Grätsche. In der zweiten Halbzeit, als Madrid vermehrt hohe Bälle in den Strafraum schlug, räumte Ginter mit gutem Timing viele Kopfbälle ab. Beim Ausgleichstor versuchte er, gegen Casemiro noch zu retten, kam aber nicht mehr rechtzeitig hin. Note 2,5.

Nico Elvedi: Wie sein Nebenmann Ginter von Beginn an gefordert. Er hatte zwei, drei kleinere Unsicherheiten im Repertoire, doch der Schweizer war deutlicher fokussiert als zuletzt in Mainz. In der Anfangsphase funkte Elvedi mit einer gut getimten Grätsche dazwischen, kurz darauf half er Neuhaus aus der Bredouille, als sich dieser fast verdribbelt hatte. Ein Block gegen Vinicius Junior war eminent wichtig, genauso wie die Klärungsaktion gegen Asensio kurz nach dem Seitenwechsel. Im weiteren Verlauf mit mehreren guten Kopfbällen im eigenen Sechzehner. In der Schlussviertelstunde schienen Kräfte und Konzentration beim 24-jährigen etwas zu schwinden. Vor dem Außennetz-Schuss von Hazard ließ er sich von Benzema tunneln und in der absoluten Endphase reagierte Elvedi bei beiden Toren den berühmten Tick zu spät. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Lief nach seiner Pause in Mainz vom Start weg auf Hochtouren. Mehrfach suchte er den Weg nach vorne und bot sich im Stile eines Linksaußen an, so dass ihn Plea öfter mit einbezog. Richtig austoben konnte sich der 25-jährige vorne allerdings nicht, denn er musste hinten gegen den auffälligen Asensio ran und sah sich auch immer wieder dem nachrückenden Vazquez gegenüber. Mehrere Duelle entschied Bensebaini für sich, einige Male hatte er auch das Nachsehen. Eminent wichtig war der Algerier einmal mehr als Kopfballspieler im eigenen Strafraum. Bensebaini sah Gelb für ein unglückliches Foul nach einem unpräzisen Pass von Plea. In der Endphase der Partie leistete er sich ein paar Achtlosigkeiten - einen Freistoß aus guter Position verzog er völlig. Note 3,0.

Christoph Kramer: Beackerte mit einem riesigen Aktionsradius das defensive Mittelfeld, lief die Lücken zu und nervte die Madrilenen mit unzähligen ‘Stocheraktionen’. Bei eigenem Ballbesitz gefiel er mit vernünftigen Weiterleitungen und dem einen oder anderen halblangen Pass, um das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Nach einer halben Stunde verlor Kramer im Mittelfeld erst die Orientierung und dann den Ball - zum Glück konnte Neuhaus beim anschließenden Schussversuch eines Spaniers blocken. Kramer blieb auch im zweiten Durchgang die unermüdliche Arbeitsbiene, der um ein Haar ein Tor gelungen wäre. Nach einer starken Balleroberung dribbelte der 29-jährige in den Strafraum und ließ - wohl auch zu seiner eigenen Überraschung - zwei Gegenspieler stehen. Beim Abschluss kam Casemiro im letzten Moment dazwischen. Note 2,5.

Florian Neuhaus: An der Seite von Kramer in der Defensivzentrale hauptsächlich damit beschäftigt, gegen den Ball zu arbeiten. Das erledigte Neuhaus mit viel Einsatz und Laufbereitschaft. Am Ball hatte er zunächst ein paar Probleme gegen die früh attackierenden Madrilenen. Bei einem Risikodribbling am eigenen Sechzehner musste ihm Elvedi zur Hilfe kommen, etwas später verzockte er sich in ähnlicher Situation gegen Kroos und hatte Glück, dass der Schiedsrichter auf Foul entschied. In der Spielgestaltung wechselten Licht und Schatten. Einige Pässe des 23-jährigen versandeten, andere wiederum waren für die Gegenspieler überraschend und richtig gut. So der feine Lupferpass auf Plea zu dessen Großchance. Nach hinten raus fehlte Neuhaus im Verteidigungsmodus hier und da die Klarheit. Er sah Gelb für ein Ziehen gegen Modric. Beim Anschlusstreffer fehlten ihm die Körner, Flankengeber Valverde zu folgen. Note 3,0.

Jonas Hofmann: Spielte auf der rechten Seite, war aber wie gewohnt viel zwischen den Linien unterwegs und ließ sich auch immer wieder zum ‘Bälleschleppen’ fallen. Hofmann war fleißig, schnappte den Gegenspielern mehrfach den Ball weg und versuchte dann, das Spiel schnell zu machen. Das klappte jedoch nicht immer so wie vor dem 1:0, als er den direkten Doppelpass mit Assistgeber Plea spielte. Mehrfach startete der 28-jährige zu Läufen in die Tiefe, wobei er jedoch einige Male von den Kollegen übersehen wurde. Zwanzig Minuten vor Schluss, als Herrmann in die Partie kam, wechselte Hofmann auf die linke Seite. Seine Standards waren diesmal nicht so zwingend wie zuletzt, was aber auch an der erstklassigen Strafraumbesetzung von Real lag. In der 94. Minute unterlief ihm ein ärgerlicher Fehlpass - das hätte bei einem sauberen Zuspiel die Riesenchance zum 3:2 sein können. Note 3,0.

Lars Stindl: Zentral im Mittelfeld als Schaltstelle aufgeboten, brachte er neben Ballsicherheit auch eine gewisse Bissigkeit und Körperlichkeit mit, was der Struktur zugutekam. Stindl ging als Kapitän voran, rackerte und ackerte und teilte auch mal aus. Nach 66 Minuten hatte er die große Chance das Ergebnis auf 3:0 zu stellen, doch sein Flachschuss strich knapp am Tor vorbei. In der 79. Minute wurde der 32-jährige von Wolf abgelöst. Note 3,0.

Marcus Thuram: Hinterließ bei den Spielern von Real Madrid mit seiner körperlichen Präsenz richtig Eindruck. Mehrfach behauptete sich Thuram in engen Duellen und brachte den Ball zum Mitspieler. Thuram strahlte eine gewisse Drohung aus und er ließ sich nicht einfach vom Ball trennen. Der 23-jährige erzielte ein Traumtor zum 1:0, als er den wunderbaren Plea-Pass perfekt traf und versenkte. Den Angriff zum 2:0 leitete er mit einem Lauf durchs zentrale Mittelfeld und dem Zuspiel auf Lainer mit ein - am Ende vollstreckte er in Abstaubermanier nach dem abgewehrten Plea-Schuss. Nach 70 Minuten machte der Doppeltorschütze Platz für Herrmann. Note 2,0.

Alassane Plea: Nominell die zentrale Spitze, aber er wich immer wieder auf die Halbpositionen aus oder ließ sich ins Mittelfeld fallen. Fast alles, was der 27-jährige am Ball zeigte, hatte Hand und Fuß. Auch wenn längst nicht alles gelang, war immer eine Idee erkennbar. Klasse war der Doppelpass mit Hofmann, wodurch er Ramos aus dem Spiel nahm, und dann folgte die überragende Hereingabe auf Thuram zum 1:0. Besser konnte man so einen Pass nicht spielen. Vor dem 2:0 nahm Plea die Lainer-Flanke volley, doch Courtois entschärfte den Schuss. Zum Glück für Borussia lenkte der Keeper den Ball direkt vor die Füße von Thuram, der sich die Gelegenheit nicht nehmen ließ. Zwei Minuten später hätte Plea für die mögliche Vorentscheidung sorgen können, doch er scheiterte nach Neuhaus-Zuspiel unter Bedrängnis am stark reagierenden Courtois. In der 79. Minute kam Embolo für Plea in die Partie. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Kam in der 71. Minute für Thuram und sortierte sich auf der rechten Seite ein, während Hofmann nach links wechselte. Herrmann war engagiert und trieb den Ball einige Male gut nach vorne. In der Schlusssequenz war er hinten gefordert, was er mit Eifer erledigte, aber hier und da war der 29-jährige etwas hektisch. Beim 2:2 war Herrmann in der Nähe von Ramos, aber er hatte keine Chance, die Kopfballablage des Spaniers irgendwie zu verhindern. Ohne Note.

Hannes Wolf: Ersetzte Stindl in der 79. Minute, konnte aber an dessen Ballsicherheit nicht anknüpfen. Wolf versuchte es mit einem aussichtslosen Dribbling und verdaddelte danach mehrfach leichtfertig den Ball. Das war zu gewollt lässig und nicht die richtige Herangehensweise in der ‘Crunch-Time’ eines Champions-League-Spiels gegen Real Madrid. Ohne Note.

Breel Embolo: Löste Plea nach 79 Minuten ab. Brachte Körperlichkeit mit, agierte aber etwas kopflos und sicherte zu wenig Bälle in der Phase, als es nötig gewesen wäre. Vor dem 2:2 arbeitet Embolo zwar mit zurück, ließ dabei aber Modric in seinem Rücken unbeachtet, der dann in aller Ruhe die Flanke schlagen konnte. Ohne Note.

 


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