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Der 21. Spieltag

Debütantenball der Söldner

von Marc Basten

Sonntag, 04. Februar 2018 - 20:37 Uhr

Transfers in der Winterpause wurden in der Vergangenheit gerne als Flickschusterei für Versäumnisse in der Kaderplanung abgetan. Doch plötzlich machen sogar halbjährige Leihgeschäfte scheinbar Sinn.

Doppeltorschütze Michy Batshuayi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)
Doppeltorschütze Michy Batshuayi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Für die Schlagzeilen des 21. Spieltags in der Bundesliga sorgten zwei Spieler, die am letzten Wochenende wahrscheinlich selbst noch nicht wussten, für welchen Verein und in welcher Liga sie eine Woche später auflaufen würden. Michy Batshuayi wurde von Borussia Dortmund kurzfristig bis zum Sommer vom FC Chelsea ausgeliehen, nachdem Aubameyang mehr oder weniger zu Arsenal geflüchtet war.

Derweil holte RB Leipzig auf den letzten Drücker einen gewissen Ademola Lookman vom FC Everton. Ebenfalls nur auf Leihbasis, ebenfalls nur bis zum Saisonende. Beides sind keine strategisch langfristig ausgelegten Transfers - weder Dortmund noch Leipzig besitzen eine Kaufoption.

Noch vor wenigen Jahren hätte man den Verantwortlichen solche Transfers wohl um die Ohren gehauen, doch angesichts des ausufernden Markts werden die Profis scheinbar immer willkürlicher hin und her geschoben. Heute hier und morgen dort - egal. Fußballprofis sind mehr denn je glänzend bezahlte Söldner.

Doch wer schert sich eigentlich noch um Identifikation oder ähnlich verstaubten Quatsch? In Zeiten, wo sich Ultragruppierungen als Retter der Fußballtradition berufen fühlen, muss man sich über gar nichts mehr wundern.

Derweil feierten die Dortmundfans, die kurz zuvor den Söldner Aubameyang verfluchten, den Doppeltorschützen Batshuayi, der den BVB mit einem Doppelpack zum glücklichen 3:2-Sieg in Köln schoss. Und auch die Leipziger schüttelten begeistert ihre Getränkedosen, als Lookman in Mönchengladbach den Treffer zum Auswärtssieg erzielte.

Auch in Gladbach haben sie ein solches Leihgeschäft für ein halbes Jahr ohne Option getätigt. Reece Oxford kehrte aus London zurück, doch seine Heldengeschichte beim Debütantenball der Söldner blieb ungeschrieben. Er saß 90 Minuten auf der Bank.

In Wolfsburg durfte dagegen Mario Gomez für den VfB Stuttgart auflaufen. Im Winter hatte Gomez die Seiten gewechselt und natürlich traf er beim 1:1. Vor einem halben Jahr war dieser Gomez Kapitän, Führungsspieler und Gesicht des VfL. Aber bitte - ein halbes Jahr ist in diesem Geschäft eine halbe Ewigkeit.

Gefühlte Ewigkeiten ist es schon her, dass die Bayern in der Liga in Gladbach verloren haben. Seitdem setzen sie ihre Siegesserie fort und auch in Mainz gewannen sie wenig glanzvoll, aber letztlich doch souverän mit 2:0. Mainz steht mittlerweile auf dem Relegationsrang.

Von dem hat sich Werder Bremen verabschiedet, nachdem die Hanseaten mit dem Last-Minute-Sieg auf Schalke für die Überraschung des Spieltags sorgten. Die Schalker kamen diesmal mit ihrem pragmatischen Fußball nicht ans Ziel - der Fußballgott blinzelte zumindest mal vorsichtig durch den grauen Winterhimmel.

Bei Hertha gegen Hoffenheim (1:1) und Freiburg gegen Leverkusen (0:0) wurde Fußball gearbeitet und die Punkte geteilt. Die Prototypen der Fußballarbeiter aus Frankfurt wollten am Sonntag beim Gastspiel in Augsburg zur Abwechslung mal etwas mehr Fußball spielen und stießen prompt an ihre Grenzen. Augsburg gewann auch in der Höhe verdient mit 3:0 und schob sich aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Gladbach auf Rang 7.

Am späten Sonntagnachmittag beendeten der HSV und Hannover den Spieltag mit einem irgendwie wirren 1:1-Remis. Hannover führte lange und ließ erstklassige Kontermöglichkeiten zum entscheidenden 2:0 liegen. Andererseits hatten die Niedersachsen großes Glück, dass Hamburg ein klarer Foulelfmeter verweigert wurde. Trotz überdeutlicher TV-Bilder wollte auch der Videoschiedsrichter den Feldschiedsrichter nicht überstimmen. Ganz offensichtlich hat man beim DFB immer noch kein gesundes Mittelmaß für das Eingreifen des Videoschiedsrichters gefunden.

Und da es technisch angeblich nicht möglich ist, kalibrierte Linien zu ziehen um Abseitsstellungen definitiv zu erkennen, wurde der Ausgleichstreffer des HSV nicht annulliert. Nach den Fernsehbildern stand Torschütze Kostic hauchdünn im Abseits. Immerhin war es auch Kostic, der den Elfmeter zuvor nicht bekommen hatte. Ausgleichende Gerechtigkeit oder doppelte Unfähigkeit des VAR - man kann es sich aussuchen.

Abschließend bleibt nur eine Frage offen: Wie viele Dortmunder und Leipziger kaufen sich jetzt ein Batshuayi- oder Lookman-Trikot? Die werden zwar kaum einen emotionalen Wert haben, dürften aber ab Sommer echte Sammlerstücke werden.

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