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Comeback

Jupp macht’s nochmal

von Marc Basten

Freitag, 06. Oktober 2017 - 16:01 Uhr

Jupp Heynckes kehrt zurück auf die Trainerbank. Der 72-Jährige unterbricht den Ruhestand und wird als eine Art Freundschaftsdienst bis zum Saisonende bei den Bayern übernehmen. Was ist davon zu halten?

Jupp Heynckes kehrt auf die Trainerbank zurück (Foto: Mathis Wienan / Getty Images)
Jupp Heynckes kehrt auf die Trainerbank zurück (Foto: Mathis Wienan / Getty Images)

Die Nachricht verbreitete sich am Mittwochabend wie ein Lauffeuer: Jupp Heynckes übernimmt den Trainerjob in München. Als Interimslösung für den gefeuerten Carlo Ancelotti soll ›Don Jupp‹ bei den Bayern bis zum Saisonende für Ordnung sorgen. Am Freitag gab es dann auch die endgültige Bestätigung durch die Münchener.

Am Donnerstag überschlugen sich bereits die Kommentatoren über die anstehende Rückkehr des Triple-Trainers. Die einen lobten es als weise und kluge Entscheidung der Bayern-Bosse, die anderen fragten sich entsetzt, wie Heynckes seinen Ruf so aufs Spiel setzen könne. Doch wie soll man das Heynckes-Comeback nun wirklich einordnen?

Eigentlich ist es ziemlich einfach. Aus Münchener Sicht ist es schlichtweg ein Armutszeugnis. Nicht die Tatsache selbst, dass man sich nach 2009 nochmals auf die Not- und Übergangslösung Heynckes besinnt, ist so erschreckend, sondern dass die Bayern sich überhaupt in diese Verlegenheit manövriert haben. Nach der Demission von Ancelotti kamen Details ans Licht, die deutlich erkennen ließen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft schon lange nicht mehr stimmte.

Dass die Verantwortlichen bei den Bayern nicht viel zeitiger dazwischen gegrätscht sind, spricht für eine deutliche Führungsschwäche. Uli Hoeneß ist in seiner Karriere zurecht als Bauchmensch und Stratege gleichermaßen gehuldigt worden, doch nach seiner Haftstrafe ist er angezählt. Vor allem Karl-Heinz Rummenigge hat sich in der Abwesenheit des bis dahin allmächtigen Hoeneß positioniert. Heute sehen sich beide in einer Führungsrolle, allerdings sprechen sie oftmals keine gemeinsame Sprache. Derartiges hat es in München in all den Jahren nicht gegeben.

Allein die Posse um den Sportdirektorposten zeigt, dass bei den Bayern der Masterplan irgendwo verschüttgegangen ist. Hasan Salihamidžić? Bei allem Respekt, aber das ist doch keine perspektivische Lösung für einen Verein wie Bayern. Die Transferpolitik wirkt wenig durchdacht, der hochgelobte Kaderplaner Michael Reschke verschwindet plötzlich nach Stuttgart und dass Ancelotti (der Vertrag wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen) nicht der Trainer für den notwendigen Umbruch sein würde, war auch klar. Doch einen langfristigen Plan hatten die Bayern offensichtlich nicht. Jetzt, wo der Baum brennt, stehen sie an der Säbener Straße ziemlich belämmert da.

Dabei wäre es die Gelegenheit gewesen, eine wirkliche Veränderung zu starten. Der Trainer dafür ist auf dem Markt: Thomas Tuchel. Doch diese naheliegende Lösung kam nicht zustande. Warum? Darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht war der angeknacksten Münchener Führungsebene ein Tuchel in all seiner Komplexität eine Nummer zu groß. Wenn man sich auf diesen Trainer einlässt, braucht man ein breites Kreuz. Aber es können auch ganz andere Gründe gewesen sein, wodurch dieses Engagement nicht zustande gekommen ist. Aus neutraler Sicht ist es ein wenig schade, weil es schon interessant gewesen wäre, Tuchels Herangehensweise in München zu verfolgen.

Nun soll es also Jupp Heynckes bis zum Sommer richten. Der Triple-Trainer von 2013, der im Nachhinein eine noch größere Aufwertung erfuhr, nachdem seine Nachfolger Guardiola und Ancelotti von den Bayern nie so wirklich geliebt wurden. Wie kann sich Heynckes jetzt nur darauf einlassen? Das war eine oft gestellte Frage. Kommentatoren meinten, der 72-Jährige setze sein Erbe und seinen guten Ruf aufs Spiel.

Das ist allerdings ziemlicher Blödsinn. Denn in diesem Alter hat Jupp Heynckes nun wirklich gar nichts mehr zu verlieren. Das Triple 2013 wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben, auch wenn er seinen vierten Job in München komplett in den Sand setzen sollte. Eher stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, sich dem ganzen öffentlichen Trubel nochmals auszusetzen. Die physische und psychische Belastung ist riesig und selbst wenn sich Heynckes als Rentner momentan ›topfit‹ fühlt, braucht es eine bestechende Konstitution, diesen Job mit all seinen Begleiterscheinungen zu meistern.

Insoweit darf man Jupp Heynckes alles Gute wünschen und hoffen, dass er sich nicht übernimmt. Aus Gladbacher Sicht gibt es noch eine weitere Ansage: Am 13. Spieltag im Borussia-Park wird keine Rücksicht auf ältere Herren auf der Trainerbank genommen ...

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