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Sandro Wagner

Agent Provocateur

von Marc Basten

Samstag, 10. Dezember 2016 - 13:33 Uhr

Was war das für eine Keilerei bei der Partie Eintracht Frankfurt gegen TSG Hoffenheim? Ein Spitzenspiel sollte es sein, es wurde eine schwer verdauliche Treterei. Und Sandro Wagner war wieder mittendrin.

Sandro Wagner provoziert am Rande der Legalität (Foto: Daniel Roland / AFP / Getty Images)
Sandro Wagner provoziert am Rande der Legalität (Foto: Daniel Roland / AFP / Getty Images)

In den letzten Jahren hat Atlético Madrid einen Spielstil in Europa etabliert, mit dem Fußballästethen wenig anfangen können. Doch der Zerstörungsfußball der Spanier ist erfolgreich und das legitimiert letztlich auch die fehlende Attraktivität.

In der Bundesliga schickt sich in dieser Saison Eintracht Frankfurt an, im Atlético-Stil die Liga aufzumischen. Eintracht-Coach Niko Kovač hat, wenn man es positiv interpretiert, den ›Männerfußball‹ beim Traditionsklub eingeführt. Die Multikulti-Truppe geht knallhart und mit teils grenzwertiger Aggressivität zu Werke, zermürbt den Gegner und beißt dann zu. 26 Punkte hat die Eintracht nach 14 Spielen auf dem Konto, in der letzten Saison waren es zum gleichen Zeitpunkt 12 Zähler weniger. Am Ende musste Frankfurt in die Relegation.

Kovač hat in der Mainmetropole fraglos einiges bewegt. Dennoch war das vermeintliche Spitzenspiel am 14. Spieltag, bei dem der Tabellenvierte Hoffenheim zu Gast bei den fünftplatzierten Frankfurtern war, eine ganz schwer verdauliche Angelegenheit.

Hoffenheim hatte sich auf den Frankfurter Stil eingestellt und versuchte, die Hessen mit deren Mitteln zu schlagen. Von Anfang an gingen da zwei Teams aufeinander los, die nur eins im Sinn hatten: Das Spiel des jeweils anderen zu zerstören. Es entwickelte sich eine wilde Treterei, auch weil Schiedsrichter Christian Dingert komplett neben sich stand.

Die Hoffenheimer beklagten sich anschließend lautstark über die dreckige Spielweise der Frankfurter. »Ich bin stolz auf das Verhalten unserer Spieler, denn es war alles andere als leicht, den permanenten Tritten und Provokationen Stand zu halten und sich nicht darauf einzulassen«, sagte Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen.

Dabei verdrängte er allerdings, dass seine Spieler durchaus ihren Beitrag zu der unschönen Abendveranstaltung im Waldstadion leisteten. Allen voran ›Agent Provocateur‹ Sandro Wagner. Was der 29-Jährige für eine Show abzog, war Oscar-reif. Sicher, im Laufduell rammte Frankfurts Abraham ihm den Ellenbogen ins Gesicht und der hätte dafür Rot sehen können oder müssen. Aber selbst in dieser Szene war Wagner nicht unschuldig, weil er unsauber agierte und letztlich sogar das Foul gegen sich gepfiffen bekam.

In nahezu jeder Aktion agiert Wagner dreckig, provoziert, schauspielert und gibt sich dann als besonnener Schlichter, wenn das von ihm inszenierte Chaos um sich greift. Das hat durchaus System, Wagner hat diese Spielweise in Darmstadt kultiviert und verfeinert sie nun in Hoffenheim. »Wenn er so spielt, muss er auch damit rechnen, wenn er mal einen abkriegt. Er spielt am Rande der Legalität«, umschrieb es Frankfurts Stürmer Alex Meier.

Niko Kovač wollte Wagner während des Spiels nach einer theatralischen Einlage fast an den Hals gehen, nachher gab der Trainer zu: »Er hat seine Spielweise, das macht ihn auch stark. Wenn man Wagner nicht in seiner Mannschaft hat, ist es unangenehm. Wenn man ihn in seiner Mannschaft hat, ist es schön«. Und tatsächlich: Wagner wäre für den Frankfurter Stil eigentlich die Idealbesetzung.

Für den neutralen Zuschauer waren weder die wilde Treterei, noch die Wagner-Schauspiele erbauend. Mit Spitzenfußball hatte das nichts zu tun. Nur eins stimmte an diesem Abend: das Ergebnis von 0:0.

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