Donnerstag, 31. Januar 2013 - 18:55 Uhr
Mehmet Scholl ist mittlerweile 42 Jahre alt. Nach seiner aktiven Karriere hat ‚Scholli‘ den Weg des Fußballlehrers eingeschlagen. Seine Fachkenntnis, sein Name und seine Bayern-Vergangenheit öffneten ihm viele Türen. Eben auch bei den Münchenern, deren zweite Mannschaft er aktuell betreut.
Der großen Öffentlichkeit ist Scholl aber nicht als Trainer der Regionalligamannschaft der Bayern präsent, sondern in seiner Eigenschaft als ‚Experte‘ in der ARD. Dort unterstützt er bei Länderspielen und sonstigen Live-Partien die Moderatoren der Sendung. Wie einst Netzer als kongenialer Partner von Delling ist es nun Scholl, der mit Fußballsachverstand die Sendungen belebt.
Mit manch flottem Spruch sorgt Scholl für Unterhaltung. Doch er ist nicht (nur) für die flapsigen Einlagen zuständig, sondern spricht auch fachlich manche Dinge unverblümt an.
Diese ‚Nebentätigkeit‘ für die ARD hat Scholl nun in Gewissenskonflikte gebracht. Spätestens seit seiner abwertenden Äußerung über Mario Gomez zu Beginn der EM 2012 kollidierte er mit den Interessen seines eigentlichen Arbeitgebers Bayern München. Dies habe er »völlig falsch eingeschätzt«, sagte Scholl kürzlich.
Also zieht er die Konsequenzen. Doch anstatt er den Nebenjob sausen lässt, steigt er aus seinem Trainervertrag aus. Das erstaunt auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen wird allerdings deutlich, dass Scholls Entscheidung nachvollziehbar ist. Wie der „Kicker“ in seiner Ausgabe vom 28. Januar berichtet, soll „Scholls Engagement in der ARD dem Ex-Nationalspieler im Gesamtpaket rund zwei Millionen Euro im Jahr einbringen“.
„Mit dieser Summe würde er selbst als Bundesliga-Coach zu den Spitzenverdienern zählen“, heißt es weiter im Kicker.
Von daher verwundert es nicht, dass Scholl seinen ARD-Job gerne behalten möchte und dafür lieber seine Trainertätigkeit aufgibt.
Auf der anderen Seite bleibt dem braven Gebührenzahler angesichts solcher Summen die Luft weg. Zwei Millionen im Jahr! Wer bitte verantwortet solche Honorarzahlungen für diese gelegentlichen Auftritte?
Nicht, dass Mehmet Scholl das Geld nicht verdient hätte. Es gibt offensichtlich einen Markt dafür, dass solche Honorare gezahlt werden. Andererseits bleibt es fragwürdig, wie die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten (das ZDF dürfte Oliver Kahn sicher nicht viel weniger zahlen) mit den Gebühren umgehen.
Mehmet Scholl hat sich also gegen den Trainer-Job und für das Motto „Reden ist Gold“ entschieden. Damit lässt’s sich leben. Zumindest wenn man bei der ARD unter Vertrag steht.