Freitag, 26. Oktober 2012 - 20:07 Uhr

TF: Filip, kannst du dich an deinen ersten Strafstoß erinnern?
Filip Daems:: Mein erstes Mal, das müsste in der Türkei gewesen sein. Dort habe ich während meiner Zeit bei Gençlerbirliği die Elfmeter geschossen. Sowohl in der Meisterschaft als auch im Europapokal.
TF: Elfmeterschießen ist deine Spezialität. Wie ist es dazu gekommen?
Filip Daems:: Nachdem wohl jemand verschossen hatte übernahm ich fortan diese Verantwortung. Bis heute ohne Fehlschuss, egal ob in der Liga, im UEFA-Cup oder Pokal. Oft werde ich nach einem Erfolgsgeheimnis gefragt. Gibt es aber keins. Der Schiedsrichter pfeift Strafstoß und dann ... bumm!
TF: Moment, das geht zu schnell. Nach dem Pfiff läufst du zum Elfmeterpunkt. Was geht dir auf dem Weg dorthin durch den Kopf? Entscheidest du dich dann schon dafür, wohin du schießen wirst?
Filip Daems:: Ja, das ich habe schon im Kopf und bei dieser Wahl bleibe ich. Konzentriert bleiben und kräftig schießen ist am allerwichtigsten. Die Umgebung versuche ich auszublenden. Ich lasse mich auch nicht auf Psychospielchen ein, schaue dem Torhüter nicht in die Augen. Dann lege ich den Ball hin und laufe bis kurz vor den Sechzehner.
TF: Viele Elfmeterschützen ziehen sich in dem Moment die Stutzen zurecht. Du auch?
Filip Daems:: Ich weiß, dass auch ich manchmal ein wenig an den Stutzen rumfummele, eine merkwürdige Gewohnheit. Und ich mache die Schuhsohlen zwischen den Stollen sauber. Das ist ja noch halbwegs funktionell. Dann folgt schon der Anlauf.
TF: Nervös?
Filip Daems:: Nein, nicht mal wirklich groß angespannt. Dann anfangen zu denken oder zu zweifeln wäre nicht gut.
TF: Ist der Ablauf bei einem Elfmeterschießen im Pokal anders?
Filip Daems:: Nicht wesentlich. Nach dem Münzwurf würde ich mich, wenn möglich, dafür entscheiden als erster anzutreten.
TF: Wie würdest du dich als Torwart verhalten?
Filip Daems:: Der hat die Wahl zwischen stehen bleiben und versuchen zu reagieren oder sich für eine Ecke entscheiden. Wenn der Schuss gut ins Eck geht und der Schlussmann zu lange wartet, dann kommt er mit Sicherheit zu spät. Wenn er dahingegen spekuliert, hat er eine größere Chance wenn er die richtige Ecke wählt. Die meisten legen sich vorher fest. Ich würde es auch so machen. Irgendwie ist es eine Lotterie.
TF: Eine altbekannte aber nicht belegte Fußballweisheit sagt, dass der Gefoulte nie selbst antreten sollte. Was hältst du von diesem Aberglauben?
Filip Daems:: Nichts, ich trete auch in dem Fall an. Selbst wenn ich mal verschießen würde ...'klopf, klopf'. Wenn es der Trainer mir danach noch erlaubt. Wir gehen aber davon aus, dass ich weiterhin treffe.
TF: Sagt dir der Name Rik Coppens was?
Filip Daems:: Selbstverständlich, ein Landsmann von mir, ein großer Name im belgischen Fußball. Er war ein hervorragender Spieler.
TF: Im WM-Qualifikationsspiel 1957 gegen Island schob er bei einem Strafstoß den Ball ganz kurz schräg nach vorne, ein heranstürmender Mitspieler legte zurück und Coppens traf. Fünfundzwanzig Jahre später kopierte Johan Cruijff in einem Meisterschaftsspiel für Ajax diese Idee. Die ist aber eine belgische. Was hältst du davon?
Filip Daems:: Regeltechnisch ist es erlaubt, ich würde dies jedoch nie machen. Auch nicht, wenn wir hoch führen würden. Einerseits aus Gründen der Fairness, es ist ja ziemlich erniedrigend für den Gegner. Andererseits weil ich eben der Meinung bin, dass man das Ding schnellstmöglich reinhauen sollte. Kurzen Prozess!
TF: Dann ist also ein Panenka-Heber wohl ebenfalls ausgeschlossen?
Filip Daems: (grinst) Ja, obwohl ... jetzt fange ich an ein wenig zu grübeln. Sag' niemals nie!