Freitag, 27. Januar 2012 - 08:03 Uhr

Als gerade ein 18-jähriger Stefan Effenberg aus Hamburg in die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach wechselte und Jörg Neun als Perspektivspieler vom SV Waldhof Mannheim an den Bökelberg gelotst wurde, ließ der VfL mit der Verpflichtung von Erik Willaarts international ein wenig aufhorchen.
Es schien ein neuer Stürmerstar am Niederrhein angekommen und sollte Tore versprechen. Eine schwere Last auf den Schultern, wie sich Erik Willaarts knapp 25 Jahre später erinnert.
»Damals dachte jeder, Borussia hätte einen neuen Marco van Basten verpflichtet.«
Zugegeben, die Vorzeichen standen gut...
»In meiner ersten Profisaison beim FC Utrecht traf ich 25-fach ins Schwarze und während der Play-Offs für ein Europapokal-Ticket war ich mit acht weiteren Toren erfolgreich. Aber der Unterschied zu Marco van Basten erwies sich als ungemein groß.«
Erik Willaarts bleibt selbst nach Jahren realistisch und schätzt sich kurz und knapp so ein:
»Ich bewegte mich weniger elegant über den Platz und agierte im Sturm eher als ein Abstaubertyp.«
Im eigentlichen Leben zeigte sich der Niederländer bodenständig und unterschied sich dadurch von seinen damaligen Teamkollegen.
»Nur 500 Meter vom Bökelberg entfernt wohnte ich und lief - naiv wie ich war - zu Fuß zum Stadion. Das war falsch. Ein Spieler fuhr im dicken Mercedes auf das Gelände, trug teure Kleidung und hatte eine Frau auf hohen Absätzen. Nichts von alledem hatte ich.«
Bei all diesen Erinnerungen blieb Erik Willaarts, dessen Autogrammkarten mit einem „C“ (Eric Willaarts) gekennzeichnet waren, noch eine wahrlich „schöne“ Anekdote haften.
»Einer meiner Konkurrenten hieß Günter Thiele - ein Playboy, der in der Truppe sehr beliebt war. Er ging bei Auswärtsspielen immer zuerst auf die Suche nach einer Steckdose für seinen Föhn. Wir waren längst schon auf dem Platz, er dagegen noch mit seinen Haaren beschäftigt.«
Dennoch – der Name Borussia Mönchengladbach ließ Erik Willaarts ins Schwärmen geraten und ruft gleichzeitig einen schlichten Grund für sein Scheitern hervor.
»Aus der Ehrendivision heraus landete ich plötzlich bei dem Verein, den ich früher immer bewunderte. Ich lebte in einem Traum, aber ich war zu normal.«
Nicht normal ist dagegen die Anerkennung, die Erik Willaarts seitens des Vereins heute noch entgegen gebracht wird. Dies überrascht den mittlerweile 50-Jährigen positiv.
»Obwohl ich nicht sonderlich in der Borussia-Ära aufgefallen bin, hat der Klub mich nicht vergessen. Vor zwei Jahren wurde ich von einem Redakteur des Fohlen-Echos angerufen. Ich sagte der Bitte zu, gerne einmal vorbeizukommen. Keine halbe Stunde später rief ein Offizieller vom Verein an. Solche Sachen regelt man in Deutschland gut.«
Aber eine letzte dafür schönste Erinnerung offenbarte der Onkel des Torjägers von Sporting Lissabon, Ricky van Wolfswinkel am Ende zusätzlich.
»Die Freitagabende waren immer fantastisch. Die hatten Tradition bei Gladbach. Hierbei trafen wir uns in einem Landhaus, in dem nur Vereinsleute Zugang hatten. In der glorreichen Erfolgszeit war das schon gang und gäbe. Das Essen wurde noch genauso zubereitet wie in den Siebzigern, als Günter Netzer dort seine Suppe auslöffelte.«