Sonntag, 05. Juni 2011 - 21:30 Uhr




An die Leichtathletik-Anlage am Ruhrstadion in Bochum hatten die Frauenfußballerinnen der Borussia nicht die besten Erinnerungen. Unter anderem durch ein 0:0 gegen die Bochumerinnen, die damals noch unter dem Namen 'TuS Harpen' spielten, hatte das Team von Trainer Friedel Baumann in der vergangenen Saison den direkten Durchmarsch von der Verbandsliga in die 2.Bundesliga um einen Punkt verpasst.
Nach dem Aufstieg des 1.FFC Recklinghausen im vergangenen Sommer entwickelte sich in dieser Spielzeit schon früh ein Zweikampf zwischen der Borussia und dem VfL Bochum um den Aufstieg. Die erste Frauen-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach wurde zur neuen Saison punktuell verstärkt und wuchs als Team mehr und mehr zusammen. Mit neun Siegen und drei Unentschieden ging die Borussia am Ende der Hinrunde in den letzten Spieltag, an dem der Ansetzer mit dem Aufeinandertreffen der beiden Aufstiegskontrahenten ein gutes Händchen bewiesen hatten.
Bei winterlichen Platzverhältnissen setze sich die junge Mannschaft der Borussia 2:1 gegen die Bochumerinnen durch und ging mit einem Punkt Vorsprung in die Rückrunde. Eine schmerzliche 7:3-Niederlage bei der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen und zwei Unentschieden der Borussinnen ließen die Bochumerinnen nach der Winterpause zunächst wieder in der Tabelle an den Frauen der Borussia vorbeiziehen. Als die Saison jedoch auf die Zielgerade einbog, zeigten die Frauen aus Bochum Nerven und verloren in zwei Spielen fünf Punkte gegenüber Borussia.
Zwei Punkte Vorsprung nahmen die Gäste aus Mönchengladbach also mit zum entscheidenden Schlagabtausch nach Bochum an diesem Sonntag. Mit Stammtorhüterin Jasmin Hamann sowie Janina Vogt und Nadja Pfeiffer fehlten gleich drei wichtige Stützen des Teams verletzungsbedingt. Doch der Vorsprung war schnell aufgebraucht und Borussia geriet bereits nach sechs Spielminuten in Rückstand. Bei immer stärker werdendem Regen verfiel die junge Mannschaft der Borussia aber nicht in Panik und nahm das Spiel fortan selbst in die Hand.
Mit dem ersten gelungenen Spielzug konnten die Borussinnen in Person von Leonie Zellmann den Ausgleich erzielen und schon dreizehn Minuten später legten sie zum 2:1-Führungstreffer durch Sturmführerin Eyline Lupprich nach. So ging es mit einem beruhigenden Vorsprung in die Kabine. Nach dem Wechsel präsentierte sich auch die im ersten Durchgang zeitweise etwas instabil wirkenden Defensive Borussia merklich sicherer und ließ die Gastgeberinnen nur noch selten zu gefährlichen Torgelegenheiten kommen.
Spätestens als wiederum Eyline Lupprich gute zehn Minuten vor Spielende in Folge eines perfekt vorgetragenen Konters das 3:1 für die Borussia erzielte, brach die Freude aus Spielerinnen, Verantwortlichen und den rund 200 mitgereisten lautstarken Borussen-Fans heraus. Als rund zehn Minuten später der Abpfiff ertönte, knallten die ersten Sektkorken und Trainer Friedel Baumann wurde das erste 'Opfer' seiner erfolgreichen Spielerinnen.
Zwei Jahre nachdem sich die Borussia mit dem Aufstieg in die Regionalliga von Oliver Lörsch als Trainer getrennt hatte, schaffte Nachfolger Baumann, der früher für den FCR Duisburg tätig war, mit der Mannschaft nun den Aufstieg in die 2.Bundesliga. Zwanzig Siege, fünf Unentschieden und nur eine einzige Niederlage sind am Ende der Saison zu verbuchen. 103 Tore erzielte die Borussia in 26 Spielen und kassierte nur 24 Gegentore.
Und wieder waren es die Fans der Borussia, welche an der Castroper Straße in Bochum, den entscheidenden Sieg ihrer Mannschaft feierten und gerne den oft als Schmähruf bekannten Klassiker 'Zweite Liga – Gladbach ist dabei' anstimmten. »So klar war das nicht zu erwarten«, berichtet derweil eine überglückliche Leonie Zellmann den anwesenden Journalisten. »Wir haben aber immer an den Aufstieg geglaubt.«
Trainer Baumann, dessen Hemd früh nach Abpfiff mit Sekt getränkt worden war, zollte seiner Mannschaft viel Lob. »Dafür,dass uns drei Leistungsträgerinnen über Wochen gefehlt haben, hat die Mannschaft eine sensationelle Saison gespielt. Hier ist richtig was zusammengewachsen und die Mechanismen haben hervorragend ineinander gegriffen.«
Neben dem Aufstieg der ersten Mannschaft kann am Haus Lütz, wo die Frauenfußballabteilung von Borussia Mönchengladbach beheimatet ist, auch der Aufstieg der zweiten Mannschaft gefeiert werden. Ebenfalls mit 3:1 setzen die zweite Mannschaft sich im letzten Saisonspiel gegen ihre Gegner aus Holzheim durch und sicherte sich damit den Aufstieg in die Verbandsliga (4.Liga).
Der Kurs der Borussia, auf Spielerinnen aus der eigenen Jugend zu setzen und die Mannschaften zusätzlich mit externen Zugängen zu ergänzen, hat sich nicht nur mit diesen beiden Aufstiegen absolut bewährt. Statt, wie diverse andere Herren-Bundesligisten, bestehende Vereine aufzukaufen und unter dem eigenen Namen spielen zu lassen, hat Borussia eine gewachsene Struktur, auf die aufgebaut werden kann.
»Es werden sicher einige Verstärkungen kommen«, weiß Leonie Zellmann. »Wir wollen nicht den gleichen Fehler machen wie Recklinghausen, die direkt wieder abgestiegen sind. Wir wollen uns in der 2.Bundesliga etablieren.« Mit Trainer Friedel Baumann, dem gewachsenen Stamm an eigenen Nachwuchsspielerinnen und einigen punktuellen Verstärkungen dürfte die Erfolgsgeschichte des Frauenfußballs bei Borussia auch in der kommenden Saison nach der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land seine Fortsetzung finden.