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TOURfabrik - Unterwegs in der Winterpause

Groundhopping in der Winterpause

Fabian Kirchhofer

Mittwoch, 06. Januar 2010 - 21:56 Uhr

Die Winterpause umfasst seit dieser Saison nur noch vier Wochen - aber auch diese Zeit möchte sinnvoll genutzt werden. Nach besinnlichen Tagen rund um das Weihnachtsfest haben Borussias Spieler und zahlreiche Fans für eine Woche ihr Quartier im Süden Spaniens bezogen. Doch in heimischen Gefilden lässt sich in der Winterpause trotz Eis und Schnee eine 'sportverbundene Zeit' verleben.

TOURfabrik - Unterwegs in der Winterpause (Foto: Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)
Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (Foto: Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)
TOURfabrik - Unterwegs in der Winterpause (Foto: Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)
Eishockey SC Riessersse gegen Dresdner Eislöwen (Foto:Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)
TOURfabrik - Unterwegs in der Winterpause (Foto: Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)
Skispringen am Bergisel in Innsbruck (Foto:Fabian Kirchhofer / TORfabrik.de)

Zum Auftakt der kleinen Wintersport-Tour geht es am 30.12. vom schneebedeckten Mönchengladbach ins nahezu schneefreie Garmisch-Partenkirchen, wo der heimische Eishoykeyclub vom SC Riesersee am vorletzten Tag des Jahres ein Heimspiel in der 2.Bundesliga gegen die Dresdner Eislöwen austrägt. Sicher, Eishockey kann mittlerweile fast das ganze Jahr über und an vielen Orten der Republik beigewohnt werden, aber gerade im winterlichen Ambiente entfaltet der 'Wintersport“ einen besonderen Reiz.

Von Winter ist im Alpenvorland allerdings wenig zu spüren, dafür sorgt bereits Stunden vor dem Spiel eine Horde Dresdner Eishockeyfans für Aufsehen in der Innestadt von Garmisch. Während tausende Touristen die Straßen der Markt-Gemeinde anläßlich des alljährlichen Promi-City-Biathlons säumen, marschieren rund 700 sächsische Schlachtenbummler samt bayrischer Musikkapelle singend durch den Ortskern Richtung Olympia-Eisstadion. Zur Partie einen Tag vor Silvester hatten die Dresdner eigens einen Sonderzug gechartert und sich auf die achtstündige Bahnfahrt begeben, pro Strecke.

Über Sportfans aus Dresden existieren in der Republik auch dank mehrerer ortsansässiger Fußball-Vereine unterschiedliche Ansichten, die rund 1.000 Eishockey-Fans aus der sächsischen Landeshauptstadt sind an diesem Abend aber ein friedlicher Gewinn für den SC Riesersee, der rund um den Jahreswechsel alljährlich besonders viele Zuschauer begrüßen darf.

Nicht nur, dass die zahlreichen Gäste die Kassen der Versorgungsstände in und um das Stadion klingeln lassen, freundschaftlich-verbunden sorgen die Dresdner gemeinsam mit den heimischen Zuschauern für eine stattliche Kulisse (3.666 Zuschauer) und einen stimmungsvollen Eishockey-Abend nahe der Zugspitze. 5:3 siegt der heimische Traditionsverein am Ende ein abwechslungsreiche Partie, die dem Fußballfan nur hin und wieder die Stirn runzeln lässt, wenn die Schiedsrichter Icing, Zwei-Linien-Pass oder Torraumabseits pfeifen.

Zwei Tage später steht wieder in Garmisch-Partenkirchen mit dem traditionellen Neujahrsspringen das nächste Highlight auf dem Programm. Rund 25.000 Zuschauer schaffen es am Neujahrstag irgendwie sich gegen Mittag aus dem Bett zu quälen und auf den Weg zur neuen Olympia-Schanze zu begeben. Hatte es sich zwei Tage zuvor beim Eishockey noch zumindest um einen Mannschaftssport gehandelt, der über gewisse Ähnlichkeiten mit dem Fußballsport verfügt, muss sich Fußballfan beim Skispringen gänzlich umstellen. Im dreißig-Sekunden-Takt segeln Springer von der Schanze gen Tal und untermalt von anhaltender Musik und einem auf die Dauer doch etwas anstrengendem 'Entertainer' geben die Zuschauer statt Gesängen nur ein lautes „aaaaaah“, „oooohhh“ und hin und wieder auch ein „ziehhhhhh“ von sich.

Pausenlos schwenken die Skisprungfans ihre mitgebrachten oder für teures Geld vor Ort erstandenen Fahnen und der Stadionsprecher versucht krampfhaft die Welle 'fürs Fernsehen' zu initiieren. Insgesamt ist die Stimmung an diesem Freitag in Garmisch aber etwas gedrückt. Die Zeiten, als deutsche Springer um Sven Hannawald und Martin Schmitt die internationale Szenerie beherrschten und die Zuschauer in Ekstase versetzten, sind lange vorbei. Der sechzehnte Platz für Jung-Talent Pascal Bodmer stellt an diesem Tag die beste Platzierung eines Deutschen dar. Da hilft es nur sich am Sieg des sympathischen Österreichschers Gregor Schlierenzauer und dem neuen Schanzenrekord des Schweizer Simon Ammann zu erfreuen, die vom ZDF verteilte Russenmütze aufzusetzen und die leckere Schokolade eines großen lilanen Hauptsponsors zu genießen.

Einen Tag später erlebt man zum ersten Mal eine Absage. Das Qualifikationsspringen am Bergisel in Innsbruck wird bei 'bestem Fußballwetter' wegen zu starkem Wind abgesagt und so bleibt es an diesem Tag beim schönen Ausblick vom Skisprung-Stadion auf das wenig winterliche Innsbruck. Weniger schön ist am Abend die Unterkunft in einer Pension, die sich in der unmittelbaren Einflugschneise des Innsbrucker Flughafens befindet. Da an diesem Samstag großer Anreisetag der russischen Gästen für die umliegenden Ski-Gebiete ist, rattern Maschinen im fünfzehn-Minuten-Takt wenige hundert Meter über der Pension. Gegen Mitternacht lernt man die Vorteile eines Nachtflugverbots kennen.

Einen Tag später entschädigt das Springen in Innsbruck für den Ausfall und den Lärmpegel des vergangenen Tages. Mehr als 20.000 Fans der österreichischen Adler verwandeln den Bergisel in einen wahren Hexenkessel und die Stimmung kocht über wenn sich 'Schlieri', 'Wuff' oder 'Morgi' gen Innsbruck stürzen. Die kleine Alpenrepublik scheint Kopf zu stehen und tausende Fahnen, Tröten und Kuhglocken sorgen selbst beim weitgereisten Fußballfan für etwas Gänsehaut. Am Ende bleibt ein gutes Gefühl mit etwas Wintersport die fußballfreie Zeit in der Heimat abwechslungsreich verkürzt zu haben. Es ist dennoch schön wenn am 16.Januar wieder der Ball im Borussia-Park rollt und die Winterpause Geschichte ist.

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