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Freitag, 18. Dezember 2009 - 20:37 Uhr




Freitag 04.12.09, 20:30 Uhr
Bayern München – Borussia M'gladbach 2:1
KM-Stand: 4.950
Punkt 4:30 Uhr schrillte an diesem Morgen im heimischen Bett der Wecker. Auch wenn die Partie in der Münchener Allianz-Arena erst 16 Stunden später beginnen sollte, war bereits eine frühmorgendliche Anreise in den Süden der Republik nötig, um den vollen Zügen und entsprechend hohen Bahnpreisen an Freitag Nachmittagen zu entgehen. So ersparte sich der Kenner des Preisdschungels auf dieser Tour über zwei Wochenenden jegliche Fahrten, die teurer als 34 € pro Strecke sind, einer zeitigen Planung sei dank. Statt mit 300 km/h über die Hochgeschwindigkeitsstrecke „tuckert“ der Intercity an diesem Morgen durch das Rheintal und lässt nostalgische Gefühle aufkommen an Zeiten, wo die Schnelligkeit nicht das Maß aller Dinge war.
Gegen Mittag war die Metropole München erreicht und Quartier sollte wieder im Stadtteil Laim bezogen werden. Auf das Hotel Tessin war schon im vergangenen Jahr die Auswahl gefallen, da Preis, Leistung und Lage in diesem Haus eigentlich stimmen. Hatten wir beim ersten Besuch der Hotelleitung noch geglaubt, dass „aus Versehen“ das Hotel überbucht war und ein Teil der Gruppe mit einer unmöglichen Behausung leben musste (bestochen mit einem Kasten Bier), so konnte bei der Ankunft an diesem Freitag der Aussage, das Haus sei „ausnahmsweise“ überbucht, nur noch wenig Glauben geschenkt werden. Das Argument „haben ein Partnerhotel in Innenstadtnähe“ wurde erfolgreich abgewehrt und so konnte endlich das schicke Zimmer bezogen werden.
Nach einer Jogging-Runde durch den Schloßgarten des nahen Schloß Nymphenburg, die zur Abwechslung dringend nötig war, wurde das sich bereits am Nachmittag fest in Schwarz-Weiß-Grüner Hand befindliche Augustiner-Brauhaus betreten. Einige Maß später quetschten sich die gut 5.000 Borussen durch das volle München, wo wie (fast) immer, wenn Borussia in der Stadt gastiert, mal wieder Weihnachtsmarkt war. In Halbzeit Eins präsentierte sich die Elf der Bayern in vorweihnachtlicher Stimmung und verteilte mit passivem Spiel und vielen Unzulänglichkeiten Geschenke, die Borussia nur in Halbzeit Eins zu nutzen wusste. Nach der Pause schien sich die Elf von Michael Frontzeck dann entschieden zu haben, keine Geschenke der Münchener annehmen zu wollen und stellte nach gut einer Stunden die Offensivbemühungen ein. Das Ende des Spiels ist bekannt, bis Fan aber in München von der Arena im Hotelbett liegt, vergehen gerne noch einmal eineinhalb Stunden. Aber in Mönchengladbach meckert halb Deutschland über die Shuttle-Busse...
Samstag 05.12.09, 17:30 Uhr FC Wohlen – FC Winterthur 4:4
KM-Stand: 5.450
Von München wurde am Samstag Morgen die Fahrt in die Zentralschweiz fortgesetzt. Doch statt des direkten Intercitys bot die Deutsche Bahn die ICE-Verbindung über Stuttgart, Singen und Zürich günstiger an und der kostenbewusste Fußballreisende „freute“ sich auf weitere sieben Stunden Bahnfahrt nach Luzern, wo für die kommende Nacht das Quartier bezogen wurde. Die Stadt am Vierwaldstätter See begrüßte ihre Gäste an diesem Samstag mit strahlendem Sonnenschein und einem tollen Panorama über See und schneebedeckte Berge. Nicht ganz so schön anzusehen war jedoch das Zimmer im Hotel, hatte der Fußballreisende sich doch schon auf das „Sportstudio“ im TV am Abend gefreut, musste dann aber feststellen, dass bei einem Einzelzimmer für 60 € pro Nacht, nicht zwingend ein Fernsehgerät erwartet werden kann.
Von Luzern führte die Reise am Nachmittag weiter ins südliche Aargau, wo in der zweiten Schweizer Liga an diesem frühen Abend die Partie des FC Wohlen gegen den FC Winterthur auf dem Programm stand. Die nette Sportanlage am Stadtrand zog an diesem Abend zwar keine Zuschauermassen an (695 Besucher offiziell), doch das Spiel wurde ein Fußballfest mit acht Toren und einem am Ende verdienten 4:4-Unentschieden. Weder die Gäste aus der Ostschweiz (begleitet von etwa 100 Fans), die nach 54 Minuten mit 3:1 auswärts geführt hatten, noch die heimische Elf aus „Wohle“, die binnen zwanzig Minuten das 1:3 zu einem 4:3 gedreht hatte, konnten am Ende mit der Punkteteilung wirklich zufrieden sein.
Zufrieden sein kann man in der Schweiz dagegen mit der Versorgung der Fans an den großen und kleinen Bahnhöfen des Landes. Nahezu an jedem Bahnhof befindet sich ein Supermarkt, der täglich und lange geöffnet hat und im Gegensatz zu völlig überteuerten deutschen Bahnhofskiosken Getränke zu günstigen Preisen bietet. So konnte sich auf der Bahnfahrt mit einem „Feldschlösschen“ für umgerechnet 70 Cent auf einen Spaziergang durchs herrliche beleuchtete, abendliche Luzern eingestimmt werden. Luzern empfahl sich mit seiner vor-weihnachtlichen Beleuchtung ebenso wie der Fernsehraum des Hotels, an dem am späten Abend dann doch noch die Dosis samstäglicher Fußball aus der Heimat konsumiert werden konnte, nachdem eine rund 15 € teure Pizza den Bauch gefüllt hatte.
Sonntag 06.12.09, 16:00 Uhr FC Luzern – FC Aarau 6:0
KM-Stand: 5.500
Endlich ein Tag zum Ausschlafen – endlich eine Übernachtung, bei der das Frühstück im Hotelpreis inkludiert war. Das Frühstück fiel zwar weitaus spärlicher aus als erwartet, war aber dennoch eine gute Grundlage für einen langen Spaziergang um den Vierwaldstätter See, der an diesem Mittag auf dem Programm stand. Von vielen Menschen belächelt, kann ein ruhiger Spaziergang in toller Landschaft auch dem „gestressten Groundhopper“ eine schöne Gelegenheit geben einmal innezuhalten und die Gedanken abschweifen zu lassen.
Von Luzern führte die Reise am Nachmittag nach Emmenbrücke, wo der FC Luzern in dieser und der folgenden Saison seine Heimspiele im Stadion Gersag austrägt, da das heimische Stadion Allmend an gleicher Stelle komplett neu gebaut wird. Die vorübergehende Heimstätte des FCL beheimatet sonst den Drittligisten FC Emmenbrücke und bedurfte einer deutlichen Erweiterung um zumindest gut 8.500 Zuschauern Platz bieten zu können. Hierzu wurden die Stehplätze mit Stahlrohr-Stufen erweitert und auf der Gegengerade entstand aus gleichem Material eine komplett neue Gegentribüne.
Zum letzten Spiel der „Herbstrunde“ gegen den Lokalrivalen vom FC Aarau hat sich die Schweizer Polizei scheinbar mächtig gerüstet, ein Wasserwerfer und eine optisch auf Krieg vorbereitete Hundertschaft sichern das kleine Örtchen in der Peripherie von Luzern, da es bei vorherigen Aufeinandertreffen beider Mannschaften häufig 'Ärger' gegeben hatte. Als die rund 250 Gästefans dann aber per Bahn in Emmenbrücke ankommen, lässt sich die Polizei von einem „Haufen Jugendlicher“ an der Nase herumführen und verhindert erst in allerletzter Sekunde eine Konfrontation der beiden 'verfeindeten' Fangruppen vor dem 'Match'. Auf dem grünen Rasen hat der FC Luzern klar die Oberhand und vergibt gegen den Tabellenletzten fünf 'Hunderprozentige' bereits in den ersten zehn Minuten.
Die Mannschaft aus dem Aargau um den ehemaligen Cottbusser Francis Kioyo hat gegen die von Rolf Fringer trainierte Luzerner Elf nicht den Hauch einer Chance und darf sich am Ende glücklich schätzen 'nur mit 0:6' untergegangen zu sein. Das erkennen auch die Gästefans und verlassen bereits nach dreißig Minuten mehrheitlich das nahezu ausverkaufte Stadion. Sie verpassen noch eine Reihe sehenswerte Treffer und noch mehr vergebene Chancen des FC Luzern, der zu Beginn der Winterpause den dritten Platz der Rangliste belegt und damit nach längerer Abstinenz von Spielen auf europäischem Niveau träumen darf.
Während die Rückfahrt aus Genf am vorangegangenen Wochenende noch zwölf Stunden gedauert hatte, wurden aufgrund günstiger Verbindungen diesmal nur sechs Stunden für die 600 km Rückfahrt vom Vierwaldstätter See bis in die Heimat benötigt. Mit rund 6.100 Kilometern in den Knochen wurde kurz nach Mitternacht wieder Mönchengladbach erreicht und fand die Tour durch drei Ländern an zwei Wochenenden mit über 70 Stunden an Bord diverser Eisenbahnen ein Ende. Keine 'Urlaubsreise' aber, zumindest für den 'Fußballsüchtigen', eine nette Abwechslung zu Studium und Arbeit.
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