Montag, 09. November 2009 - 12:34 Uhr




Als im Jahre 1995 erstmals eine Frauen-Fußballmannschaft unter dem Namen Borussia Mönchengladbach antrat, da mussten die Spielerinnen noch Training und Spiele auf dem wenig erbaulichen Aschenplatz hinter der Nordkurve am Bökelberg austragen. Vereinsführung und sportliche Leitung hatten nur wenig für die Abteilung über und es mangelte nicht nur an den einfachsten organisatorischen Dingen sondern manchmal gar am Trikotsatz. Trotz widriger Verhältnisse gelang der Auswahl Borussias im Jahr 1997 der Aufstieg aus der Bezirksliga in die Landesliga.
Auch wenn die Trainingsbedingungen in der Folgezeit eher schlechter wurden und das Frauen-Team zeitweise eine Trainingsstätte am Volksgarten zugewiesen bekam, die temporär als Parkplatz des angrenzenden Freibades genutzt wurde, schaffte die Elf im Jahr 2000 ohne große finanzielle Unterstützung des Vereins den Aufstieg in die Verbandsliga, die damals Deutschlands dritthöchste Spielklasse war. Borussias Damen etablierten sich dort, aber stagnierten auch in dieser Spielklasse, die zwischenzeitlich durch eine zweigleisige 2. Bundesliga etwas an Stellenwert verlor.
Seit gut zwei Jahren betreibt der Verein die Abteilung mit zunehmender Professionalisierung. Mit der langsamen aber stetigen Fortentwicklung erkannte Borussias Führungsetage das Potential des Frauen-Fußballs und forciert fortan neben der ersten Mannschaft vor allem die Jugendarbeit. Aktuell umfasst die Frauen-Fußball-Abteilung bei Borussia schon vier Mädchen- und zwei Frauen-Mannschaften. Die erste Mannschaft wurde deutlich verjüngt und mit talentierten Spielerinnen aus der Region bestückt. Vor einem guten Jahr verpflichtete der VfL mit dem US-Amerikaner Kyle Berger einen hauptamtlichen 'Koordinator für Frauen- und Mädchen-Fußball', um die Abteilung auf einen professionelle Basis zu stellen.
Mönchengladbach bewarb sich als Austragungsort für die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 und mit Deutschland bekam auch die Heimatstadt der Borussia den Zuschlag für drei Spiele des größten Frauen-Fußball-Turniers. Im Gegenzug versprach die Borussia dem DFB die eigene Mannschaft zu fördern und bis 2011 zumindest die 2. Bundesliga erreichen zu wollen. Ein Trend, der derzeit im Frauen-Fußball massiv zu erkennen ist. Viele bekannte Vereine des Frauen-Fußballs verschwinden von der Landkarte und heißen nun Bayer Leverkusen, Alemannia Aachen oder Werder Bremen.
Schnell gab die Borussia in der letzten Saison also das Ziel Aufstieg aus, um 2011 die 2. Bundesliga - immerhin zwei Aufstiege in drei Jahren sind dafür nötig - zu erreichen. Das Ziel wurde souverän erreicht und die Vormacht in Mönchengladbachs Frauen-Fußball gegen den stadtinternen Dauer-Konkurrenten FSC Mönchengladbach wohl für längere Zeit an sich gerissen. Mit der gewachsenen Mannschaft plante Aufstiegs-Trainer Oliver Lörsch auch in der Regionalliga anzutreten. Doch die Pläne der Verantwortlichen um Koordinator Berger sahen anders aus und der Vertrag mit Lörsch, der über keine A-Trainerlizenz verfügte, wurde nicht verlängert. Mit Friedel Baumann wurde ein erstligaerfahrener Trainer verpflichtet, der beim FCR Duisburg an der Seite von Martina Voss Erfahrung sammelte und über die gewünschte A-Lizenz verfügt.
Wenig professionell (wenn auch im Einzelfall nachzuvollziehen) war allerdings, was nach der Bekanntgabe des Trainerwechsel zur neuen Saison bei den Spielerinnen aus der ersten Mannschaft und den Nachwuchsmannschaften passierte: 15 Spielerinnen meldeten sich nach vollzogenem Aufstieg bei der Borussia ab und folgten Trainer Oliver Lörsch zum Verbandsligisten Fortuna Dilkrath. Borussia reagierte und verpflichtete eine Vielzahl von neuen Spielrinnen und stellte eine nahezu komplette neue Mannschaft für die Regionalliga zusammen. Neben den talentierten Jung-Spielerinnen wurden mit Eyline Lupprich, Anne Bierbaum und Sabrina Weyers drei zweitligaerfahrene Kräfte verpflichtet. Auch die türkische Nationalspielerin Cansu Yag wechselte vom FSC Mönchengladbach zur Borussia.
Das Team von Friedel Baumann spielt als Aufsteiger eine hervorragende Saison und belegt zwei Runden vor Ende der Hinrunde den vierten Tabellenplatz. Mit 22 Punkten aus elf Partien bei 25 geschossenen Toren und nur acht Gegentoren ist man rund um das Haus Lütz, wo die Frauen-Abteilung der Borussia seit einigen Jahren beheimatet ist, nicht unzufrieden, selbst wenn es gegen die drei wichtigsten Konkurrenten aus Rheine, Recklinghausen und Bochum jeweils Niederlagen gab.
Die Sportanlage am Haus Lütz ist in den letzten Wochen zu einem Schmuckstück des Mönchengladbacher Fußballs herangewachsen. Dort wo Spieler wie Marcel Ketelaer, Marcell Jansen oder Tobias Levels ihre ersten fußballerischen Schritte noch auf staubiger Asche machen mussten, erstrahlt seit dieser Woche ein Kunstrasenplatz in prächtigstem Grün.
Borussia scheint an einer nachhaltigen Entwicklung des Frauen-Fußballs interessiert zu sein und auch das Interesse der Zuschauer hat in den letzten Jahren etwas zugenommen. Zwar verlieren sich immer noch nur ein- bis zweihundert Zuschauer bei den Heimspielen der Borussia, die bevorzugt sonntags um 12 Uhr ausgetragen werden, doch in der letzten Woche durfte die Borussia nun auch den ersten offiziell eingetragenen Fanclub der Frauen-Abteilung vermelden. Und obendrein sind die ersten Zahlen von bestellten Tickets für die drei Partien der WM 2011 in Mönchengladbach höchst erfreulich. Mit einem Vorrunden-Spiel der deutschen Mannschaft und einem Halbfinale finden zumindest zwei interessante Partien im großen Borussia-Park statt.
Nach der Winterpause wird die erste Mannschaft der Borussia mit bis zu vier weiteren Spielerinnen verstärkt, die in der Hinrunde nicht spielberechtigt waren, und hat sicher noch etwas zu zusetzen, um den Aufstieg in die 2. Bundesliga möglicherweise schon im nächsten Sommer feiern und nach Frankfurt vermelden zu können. Sollte der direkte Durchmarsch nicht gelingen, sollte es aber 2011 passende zur Weltmeisterschaft gelingen.
'Langfristig heißt das Ziel 1. Bundesliga' ist in der eigenen Rubrik des Frauen-Fußballs auf Borussias-Homepage zu entnehmen. Bis dahin aber ist es für Spieler, Trainer und den Koordinator noch ein langer Weg.