Montag, 26. Oktober 2009 - 08:38 Uhr
Die Stimmung vor dem Stadion ist angespannt, Hubschrauber kreisen und Hundertschaften der Polizei sorgen für Ordnung. Noch sind nicht alle Plätze eingenommen, eine Vielzahl der Fans fehlen – auf dem Platz laufen sich die Protagonisten beider Mannschaften warm und an der Linie, direkt an den Trainerbänken, beobachten die Vereinsangehörigen das Spektakel.
Borussias Ex-Keeper Jörg Stiel steht zusammen mit Teammanager Steffen Korell und Pressesprecher Markus Aretz nur wenige Millimeter von der Seitenlinie entfernt. Die Köpfe schweifen von links nach rechts – links die Nordkurve, in der Mitte die vielen Spieler und rechts die Anhängerschaft aus Köln.
Jörg Stiel grinst und freut sich fast schon diebisch auf das 75. Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.
»Herrlich – für so etwas lebt ein Profi, das ist es, was er erleben will. Also wer das jetzt nicht kapiert, dem ist auch nicht mehr zu helfen...«
Kaum beim VfL angekommen, warteten auf ihn zwei Partien gegen den 1. FC Köln.
»Zu Null haben wir sie weggehauen – erst 2:0 im Müngersdorfer Stadion, dann daheim auf dem Bökelberg mit 4:0 deklassiert. Es war einfach nur geil!«
Das große Grinsen ist unübersehbar – Köln stieg nach dieser Saison ab, Borussia Mönchengladbach hielt die Klasse.
»... und heute bekommen sie hoffentlich auch wieder einen drauf!«
Jörg Stiel ist optimistisch und stimmte als »fußballspezifischer, integrativer Consulter« seine Süd-Amerikaner auf die Partie ein. Ob sie wissen, was so ein Derby für den VfL bedeutet?
»Sie sind genauso heiß darauf, wie jeder andere Gladbacher. Sie spüren es im Vorfeld, merken es beim Training und kapieren es ganz sicher beim Einlaufen. Ein jeder Fußballer lebt für solche Momente und saugt sie auf. Ich brauchte weder Arango noch Bobadilla viel über die Historie erzählen...«
In diesem Moment kommt Raul Bobadilla an die Seitenlinie, schnürt seine Schuhe neu zu und spritzt etwas Wasser über den rechten Schuh. Jörg Stiel lacht...
»Hey, ist ja ganz was neues - wenn das hilft, dann für jeden!«
Das „Spritzen“ half am Ende wenig und so blieben die Erinnerung an die Siege von damals, fast alle am ehrwürdigen Bökelberg eingefahren. Nach dem 0:0-Unentschieden warten die Borussia-Anhänger weiter auf die alte Atmosphäre, die laut Jörg Stiel »einmalig war. Der Bökelberg ist das Größte!«
Und blieb es auch im Oktober 2009.