Mittwoch, 21. Oktober 2009 - 20:47 Uhr
Die angemessene Reaktion auf eine (mögliche) weitere Niederlage zeigt nicht nur Ihr Kommentar, sondern auch das "Aufgeschnappt"-Zitat von gestern (20.10.) auf borussia.de, in dem Jupp Heynckes über Michael Frontzeck sagt:
»Borussia hat einen Prozess begonnen, der Umwälzungen mit sich bringt und Zeit erfordert. Den Weg muss sie zu Ende gehen, auch wenn es mal schwierig wird. Michael Frontzeck ist der richtige Mann - jung, dynamisch, qualifiziert.«
Wie schwierig ein solcher Prozess einerseits ist und wie sich die im Moment wieder vom Verein viel beschworene Geduld langfristig auszahlen kann, hat Borussia selbst erlebt, als sie 1979 den völlig unerfahrenen Trainer-Novizen Jupp Heynckes damit beauftragte, aus den "Trümmern" der ehemaligen Fohlen-Elf eine neue Mannschaft aufzubauen. Die Parallelen zu aktuellen Situation sind dabei offensichtlich. Dass dabei auch Niederlagenserien im halben Dutzend (inkl. Derby-Heimniederlagen gegen den FC) dazugehörten, mag manchen Gladbach-Fan, der die 70er und 80er im Rückblick verklärt, verwundern, entspricht aber den Tatsachen.
Obwohl man zu Beginn der besagten Heynckes-Ära die Mannschaft (für damalige Gladbacher Verhältnisse) finanziell hochkarätig zu verstärken versuchte (vor allem durch den "Millionensturm" Pinkall-Mill-Wuttke), geriet der geplante Neuaufbau nach anfänglichen Erfolgen (Uefa-Cup-Finale 1980) im dritten und vierten Jahr gehörig ins Stottern. In den Saisons 1981/82 und 1982/83 verlor man nicht nur sechsmal in Folge, sondern schied auch gegen nicht gerade hochkarätige Gegner im DFB-Pokal aus:
In der Saison 1981/82 gab es zwischen den 22. und dem 27. Spieltag nicht nur sechs Niederlagen in Serie (inkl. Derby-Heimniederlage am 13.03.82), sondern passend dazu schied man auch im Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Nürnberg aus.
In der Folge-Saison 82/83 begann die Pleitenserie gegen mit einer 1:4(!) Derby-Niederlage am 15. Spieltag. Bis zum 21. Spieltag wurde die Serien von sechs Niederlagen in Folge zwar durch ein kümmerliches 0:0 zum Rückrundenauftakt gegen den späteren Absteiger Schalke unterbrochen, aber gleichzeitig brachte man in diesem Zeitraum das Kunststück fertig, im Pokal-Viertelfinale eine 2:0-Führung im Heimspiel gegen den Zweitligisten Fortuna Köln abzugeben, um dann das damals noch übliche Wiederholungsspiel in der Kölner Südstadt zu verlieren. Borussia beendete die Saison schließlich als 12., was die damals schlechteste Platzierung nach der Aufstiegssaison 1965/66 war.
In den folgenden vier Jahren, also der zweiten Hälfte der insgesamt achtjährigen ersten Heynckes-Ära, wurde der Verein für seine Geduld mit dem Trainer-Neuling mit Spitzenfußball und Spitzenplatzierungen belohnt.
Bereits in der direkten Folgensaison 1983/84 spielte die nahezu unveränderte Mannschaft die beste Saison der letzten 32 Jahre (wurde Dritter, punktgleich mit dem Meister Stuttgart), das heißt, die bis heute beste Saison nach dem letzten Meistertitel 1977! Außerdem zog man in dieser Saison ins Pokalfinale ein (mit dem bekannten unglücklichen Ausgang).
Obwohl die Mannschaft in den folgenden drei Jahren kaum nennenswert verstärkt wurde, sondern mit Lothar Matthäus (1984) ihren besten Spieler und mit Frank Mill (1986) ihren Top-Torjäger verlor, wurde man in der Bundesliga noch zweimal Vierter (1985 und 1986) und einmal Dritter (1987), zog zweimal ins Pokal-Halbfinale (1985 und 1987) und zum Abschluss noch einmal ins Uefa-Pokal-Halbfinale ein (1987).
Auch wenn diese Zeit leider ohne Titel blieb, würden wir uns doch heute nach solchen Platzierungen und Erfolgen die Finger lecken. Sie waren jedoch die offensichtlichen Früchte der Geduld, auch bei Niederlagenserien, die der Verein mit dem damaligen Trainer-Neuling (was Michael Frontzeck ja gar nicht ist) hatte.
Was wir also machen sollten, wenn wir am Samstag auch gegen Köln verlieren sollten, ist eigentlich klar. Nur ob dies die Mehrheit des Publikums im Borussia-Park auch so sieht, wenn wir in Rückstand geraten oder wirklich verlieren sollten, bleibt abzuwarten. Vielleicht können Sie im Rahmen Ihrer Vorberichterstattung für Samstag mal auf die Niederlagenserien der Saisons 1981/82 und 82/83 und ihre positiven Folgen eingehen.
Und außerdem: Wer sagt eigentlich, dass wir gegen Köln verlieren? In diesem Sinne hoffen wir das beste für Samstag.
Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Leserbrief von Thomas Wendland. Wir bedanken uns recht herzlich bei ihm für diesen Beitrag, weisen den Leser allerdings darauf hin, dass dieser Artikel nicht die Meinung der TF widerspiegeln muss.