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Montag, 19. Oktober 2009 - 21:46 Uhr



Seit mehr als 14 Jahren sind die Grenzen zwischen Deutschland in den Niederlanden geöffnet, dem Schengener-Abkommen sei dank, fallen die lästigen Grenzkontrollen seitdem in der Regel weg. Dennoch sind die Grenzen in den Köpfen beiderseits der Landesgrenzen noch vorhanden, auch wenn sich im letzten Jahrzehnt vieles diesbezüglich geändert hat. Der Besuch im Shopping-Outlet von Roermond, bei den zwei Brüdern von Venlo oder das Arbeiten in den Niederlanden ist bei vielen Deutschen zum Alltag geworden. Auch die Niederländer machen von der Grenzöffnung zahlreich gebrauch und freuen sich neben den günstigen Benzinpreisen über die Lebensmittelkosten, die spürbar unter denen der Niederladen liegen.
Im Fußball dagegen ist die gegenseitige Akzeptanz noch ausbaufähig, zumindest in der Region um Mönchengladbach und Venlo. Während zahlreiche Niederländer die Spiele der Borussia besuchen, sind es eher vereinzelte deutsche Fußballfans, die den Weg in die in die Jahre gekommene Spielstätte am 'Kaldenkerkerweg', die seit 1972 besteht und mittlerweile den offiziellen Namen 'Seacon-Stadion De Koel' trägt, finden. Dabei lohnt sich gerade in Zeiten der Darbietungen der heimischen Borussia ein Spielbesuch in der niederländischen Ehrendivision, die zwar sicher in der Breite nicht das Format der deutschen Bundesliga hat, dennoch den Fußballfreunden spannenden Mittage, Nachmittage oder Abende beschert.
Nur wenige hundert Meter entfernt vom Grenzübergang Schwanenhaus fasst das weite Rund des eigenwilligen Stadions nur 7.500 Zuschauer, auch wenn man vor Saisonbeginn gerade Geld in die Hand nahm und die Kapazität durch Renovierung und Umbauten um 1.500 Plätze erhöhte. Selbst wenn viele Zuschauer unüberdacht dem Wetter ausgesetzt sind und der Komfort zu wünschen übrig lässt, hat 'De Koel' bis heute seinen besonderen Charme nicht verloren. In Zeiten einer stark vereinheitlichen Stadien-Bauweise in den Niederlanden geht dem Fußballfans das Herz auf, wenn er die 1.000 Stehplätze betritt, die auf der Osttribüne in der Sommerpause entstanden sind, im sonst nahezu komplett versitzplatzten Fußball der Niederlande. Doch mit 7.500 Zuschauern kann ein Verein in der höchsten, niederländischen Spielklasse schwer bestehen und so plant VVV Venlo ein neues Stadion in einem ehemaligen Kasernen-Quartier nahe der Maas.
2012 soll die neue Heimspielstätte der 'Venlonaren' bezugsfertig sein, bis dahin gilt es mit dem knappen Budget hauszuhalten und sich in der Ehrendivision zu etablieren. Dass dieses Vorhaben für VVV schwer genug wird, zeigt ein Rückblick auf den Aufstieg 2007, der im direkten Abstieg 2008 endete. Der direkte Wiederaufstieg als souveräner Tabellen-Erster des niederländischen Unterhauses beweist aber auch, welches Potential im Klub aus der florierenden 65.000-Einwohner-Stadt steckt. Besonders der neuen Führung von VVV - unter Vorsitz von Hai Beerden, der VVV 2003 auf einem der letzten Plätze der Jupiler League (zwei Liga NL) übernahm - ist es zu verdanken, dass die damalige Zielsetzung, den Verein in der Ehrendivision zu etablieren, nun zumindest in greifbarer Reichweite erscheinen lässt. Auch abseits des Platzes begann der Verein unter Beerden zu wachsen und vernünftige Strukturen hielten in den Verein Einzug.
Der Start in die neue Liga ist dem Team von Trainer Jan van Dijk gut gelungen. Die mit zwei Routiniers (Patrick Paauwe kam von Borussia Mönchengladbach, Dennis Gentenaar wurde von Ajax Amsterdam ausgeliehenen) und zahlreichen jungen Spielern ergänzte Mannschaft ist durchaus konkurrenzfähig. Trotz einiger unglücklichen Auftritte belegt das Team aus Venlo einen ordentlichen 14. Tabellenplatz. Selten ist dabei die Verteilung der Resultate: Neben einem Sieg und zwei Niederlagen stehen nach zehn Spielen ganze sieben Unentschieden zu buche. Man könnte fasst meinen, die von Hai Beerden ausgegebene Marschroute „mindestens einen Punkt pro Spiel zu holen“ hätten sich die Spieler um den japanischen Nationalspieler und VVV-Kapitän Keisuke Honda zu sehr zu Herzen genommen. Doch so unglücklich die Unentschieden gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf zuhause zu bewerten sind, so erfreulicher sind die Punktgewinne bei Spitzenteams wie dem FC Utrecht oder dem PSV Eindhoven.
Auch das 'Limburger-Derby' gegen Roda Kerkrade an diesem Sonntag endete wieder unentschieden (1:1). Ein gewisser Morten Skoubo, derzeit von Vitesse Arnheim an die Gäste ausgeliehen, nutzte eine Unkonzentriertheit in der Venloer Defensive, an der Patrick Paauwe nicht unbeteiligt war, eiskalt aus und ließ die 600 mitgereisten Süd-Limburger über die frühe Führung jubeln. In der zweiten Spielhälfte aber konnte die Nord-Limburger von VVV noch einmal richtig aufdrehen und wurden vom Publikum zum Ausgleich gepusht, den Mittelfeldmotor Ken Leemans nach einer guten Stunde erzielte und seinem gerade verstorbenen Großvater widmete, dem er am Krankenbett versprechen musste, VVV zum Meister zu machen. Fast hätte man gar drei Punkte in 'De Koel' behalten, hätte Venlos Top-Scorer Sandro Calabro in der 90. Spielminute den Ball aus aussichtreicher Position nicht über den Querbalken des Kerkrader Kastens befördert.
So aber musste sich die Auswahl von VVV, bei der mit Robert Böhm auch ein Deutscher als Ersatztorwart im Aufgebot stand, mit dem einen Punkt begnügen. Da das Publikum - anders als auf der anderen Seite der Grenze - genügsam ist, ernteten die 'Venlonaren' auf der obligatorischen Runde durchs Stadion viel Applaus und Dank für ihre kämpferische Leistung. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Geschäftsstelle des Klubs sind sicher nicht unberechtigt, bis die Zugehörigkeit in der Ehrendivision 2010/2011 allerdings gesichert ist, sollte VVV neben den Unentschieden zumindest hin und wieder dreifache Punktgewinne einstreichen.
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