Montag, 30. März 2009 - 22:25 Uhr
Wir schreiben den 7. Oktober 2001 und soeben hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) verkündet, man werde als eine Reaktion auf das schlechte Abschneiden ein Jahr zuvor bei der Europameisterschaft in Belgien und der Niederlande ein Perspektivteam gründen. Als Ziel wurde sich gesteckt, in diesem „Team 2006“ gezielt Spieler an die Nationalmannschaft heranzuführen und sie optimal auf dem Weg zur WM im eigenen Land zu fördern.
Die Angst vor einer Blamage bei der WM 2006 muss groß gewesen sein. Zumindest war die EM 2000 kurz zuvor dermaßen schlecht verlaufen, dass man sich das ehrgeizige Ziel gesteckt hatte, den Nachwuchs, der nach der U-21 nicht den direkten Anschluss an den A-Kader schaffte, in einer Art Zweitvertretung der Nationalmannschaft weiter zu fördern. Aus heutigem Blickwinkel betrachtet (und vor allem NACH der WM 2006) hatte dieses Vorhaben sogar einigermaßen Erfolg. Das erste Spiel des Teams fand am 6.9.2002 in Mönchengladbach unter Trainer Uli Stielike statt. Gegner damals war die A2-Nationalmannschaft der Türkei.
Mit 1:2 ging die Partie verloren, nachdem ein gewisser Bernd Korzynietz nach der Pause nur noch den Anschlusstreffer erzielen konnte. Vor rund 9500 Zuschauern auf dem ehrwürdigen Bökelberg stand so manch ein Spieler im Kader, der auch heute noch dem erlesenen Kreis der Nationalelf angehört. Timo Hildebrand, Clemens Fritz oder auch Tim Borowski zählen auch heute noch unter Joachim Löw zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft, wobei für Spieler wie Benjamin Weigelt, Daniyel Cimen, Benjamin Auer oder auch Michael Delura das Team 2006 kein Sprungbrett in die A-Elf war.
Am 8. April 2003 übernahm Erich Rutemöller das Amt von Stielike und schickte sich an, bis zum 15. November 2005 das Team zu führen. Schottland, Russland, Polen und Österreich hießen die Gegner, wobei hier die Bilanz mit vier Siegen, vier Unentschieden und zwei Niederlagen ganz okay ausfiel. Doch nach dem letzten Spiel gegen Österreich an eben jenem 15. November war dann Schluss und die Mannschaft wurde ein Jahr vor der WM vom DFB aufgelöst. Von den bis dato eingesetzten Spielern schafften lediglich Tim Borowski, Arne Friedrich, Mike Hanke und Timo Hildebrand die Teilnahme an der WM unter Jürgen Klinsmann.
Das die Mannschaft durchaus ein gutes Fahrwasser für einige Talente war, zeigen andere Beispiele: Namen wie Patrick Helmes, Mario Gomez, Stefan Kießling und Simon Rolfes spielten schon damals eine gewichtige Rolle im Team 2006 und gehören heute zum Kader der Nationalmannschaft. Doch dass nicht jeder Spieler die gesteckten Erwartungen erfüllte bzw. nicht das in ihm geglaubte Talent bestätigen konnte, zeigen Personalien wie Alexander Voigt und Markus Daun. Das Team war gerade für sogenannte ewige Talente wie Benjamin Auer oder Marco Engelhardt ein gefragter Platz.
Nach knapp vier Jahren wurde das Projekt also vorzeitig eingestellt. Die WM 2006 wurde bekanntlich alles andere als eine Blamage und auch die darauf folgende Zeit geriet zu einer Erfolgsgeschichte. Den Einfluss, den das Perspektivteam darauf hatte, lässt sich natürlich nicht genau beziffern, aber ein wenig darf sich diese Idee auch rühmen, am „Sommermärchen“ mitgewirkt zu haben. Die EM 2008 wurde auch ohne solch eine Mannschaft ein Erfolg und so bleibt diese Aktion einmalig in der Geschichte des DFB. Talente haben heutzutage frühzeitig die Chance in der A-Elf Fuß zu fassen und werden nicht alleine gelassen. Das Team 2006 bleibt also nur noch eine nette Anekdote im deutschen Fußball, die sich so wohl nicht noch einmal wiederholen wird.