Mittwoch, 12. November 2008 - 19:57 Uhr
Nur wenige Spiele kickte der australische Nationalspieler Craig Moore im Borussia-Park. Unter dem ehemaligen Coach Dick Advocaat und dessen Assistenztrainer Pim Verbeek an den Niederrhein gelockt, wechselte der Verteidiger in der Winterpause 2004/2005 von den Glasgow Rangers in die Vitusstadt und bestritt insgesamt 13 Spiele im Trikot der Borussia.
Ein komplett auf links gedrehter VfL begann die Rückrunde gegen Arminia Bielefeld und zahlreiche Neuzugänge standen auf dem Grün. Unter ihnen der Australier Craig Moore. In der 52. Minute köpfte er sich für kurze Zeit in die Herzen der Fans und verwertete eine Eckballhereingabe von Jörg Böhme zum 1:0-Endstand.
Der Ruhm sollte nicht lange anhalten, denn schon wenige Partien später fiel Craig Moore durch seine kompromisslose, teils überharte Einstellung auf und wandelte von einem drohenden Platzverweis zum anderen.
Sein Engagement endete schließlich im Streit. Nach einer Alkohol-Eskapade und kurzzeitiger Suspendierung verschwand der mit privaten Problemen behaftete Australier und ließ das Team im Stich. Borussias damaliger Kapitän und jetziger Co-Trainer Christian Ziege war zu dieser Zeit außer sich vor Wut und Enttäuschung:
»Es ärgert mich total, dass ein Spieler uns einfach unter der Woche verlässt und damit die ganze Mannschaft in dieser Situation im Stich lässt. Ich möchte das jetzt nicht alles auf ihn abwälzen, aber das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann.«
Christian Ziege ging noch weiter und sprach – direkt wie er ist - von »verpissen«.
Nach den jüngsten Schlagzeilen dieser Tage bleibt einem der damalige Wutausbruch im Halse stecken. Hodenkrebs – so die Diagnose bei Craig Moore, der sich vor ein paar Tagen einem operativen Eingriff unterziehen musste.
Pim Verbeek, zu jener Zeit bei der Borussia Craig Moores Co-Trainer, mittlerweile sein Nationaltrainer in Australien, vermittelt derweil Mut:
»Es ist immer ein Schock, so eine Diagnose zu hören. Aber angesichts der Prognosen der Mediziner bin ich zuversichtlich. Im Namen des ganzen Teams wünsche ich ihm eine schnelle Genesung.«
Ben Buckley, Generaldirektor des australischen Verbandes, appelliert an Craig Moores Kampfgeist und gibt sich ebenfalls optimistisch.
»Ich bin sicher, dass mit Craigs legendärer Härte, der besten medizinischen Betreuung, seinem Alter und seinem generellen Fitnesszustand die Behandlung gut anschlagen wird.«
Jetzt, knapp drei Jahre nach Craig Moores Engagement beim VfL, scheinen andere Themen wichtiger, umso mehr erfreut es, dass die Anhängerschaft ihren einstigen Schützling nicht vergessen hat. In mehreren Foren gibt es viele aufmunternde Worte für den Australier.
Der Leitspruch, „einmal Borusse, immer Borusse“, scheint also aufzugehen. Insbesondere in solchen, tragischen Momenten des Lebens.