Montag, 19. Mai 2008 - 10:28 Uhr

Für die Fußballpuristen ist es ein Albtraum. Traditionsklubs dümpeln massenweise in der 2. oder 3. Liga vor sich hin, kommen nicht mehr auf die Beine. Mehr als einen einstmals klangvollen Namen haben die meisten nicht zu bieten, doch immerhin war da mal was. Solche Vereine gehören in die Bundesliga, aber doch nicht ein Retorten-Dorfverein wie Hoffenheim! Der nur dank der Millionen von Dietmar Hopp, diesem ‚Möchtegern-Abramowitsch’, über die Bezirksliga hinaus gekommen ist. Gekaufter Erfolg, Wettbewerbsverzerrung – diese Begriffe hört man immer wieder, wenn von der Geschichte der TSG Hoffenheim die Rede ist.
Doch das ist deutlich zu kurz gedacht. Denn das ‚Projekt Hoffenheim’ ist mehr, als nur das sündhaft teure Hobby eines gelangweilten Milliardärs. Anstatt sich bei einem abgehalfterten Traditionsklub einzukaufen, diesem ein Dutzend satter Stars zu spendieren und in der Loge den ‚dicken Max’ zu machen, ist Dietmar Hopp einen anderen Weg gegangen. Er hat quasi einen neuen Verein erschaffen, ihn auf ein felsenfestes Fundament gestellt, hochqualifizierte Fachleute geholt und einen strukturierten und durchgeplanten Aufbau betrieben.
Heute steht Hoffenheim als Bundesligaaufsteiger fest. Nicht mit einer zusammengekauften Truppe von Altstars, sondern mit einer zwar teuren, doch extrem jungen und entwicklungsfähigen Mannschaft. Es ist davon auszugehen, dass das Team dem Konzept folgend mit weiterer Qualität angereichert und sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase in der Bundesliga festsetzen wird.
Es wird interessant sein zu verfolgen, wohin das ‚Projekt Hoffenheim’ noch führt. Die Zielstrebigkeit und Umsetzung des bisherigen Weges lässt es nicht als utopisch erscheinen, dass Hoffenheim in einigen Jahren tatsächlich im ‚Konzert der Großen’ mitspielt, selbst wenn die Luft bekanntlich immer dünner wird, je höher man kommt.
Neid und Missgunst sind in Bezug auf Hoffenheim jedenfalls unangebracht. Denn selbst wenn das Kapital von Dietmar Hopp der Grundstein für den Erfolg ist, so ist dieser dennoch nicht selbstverständlich. Diejenigen, die sich jetzt über Hoffenheim echauffieren sollten überlegen, wie viel Millionen ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern in den letzten Jahren sinnlos verbrannt hat. Letztlich mit Steuergeldern wird dort eine unglaubliche Misswirtschaft subventioniert, um einen Klub über Wasser zu halten. Hat ein solcher Verein nur wegen seiner Tradition einen Platz im Profifußball mehr verdient als Hoffenheim? Wohl kaum.
Gute Voraussetzungen gibt es nicht nur in Hoffenheim. Aus diesen Gegebenheiten etwas zu machen, ist die Kunst. Und dafür verdienen Hoffenheim und seine Macher aktuell ein uneingeschränktes Kompliment ...