Sonntag, 04. Februar 2007 - 16:22 Uhr

Zuzuschreiben ist dieser Sinneswandel nicht nur dem erstarkten Selbstbewusstsein und der Einsicht, dass selbst der Letzte in der Mannschaft den Ernst der Lage verstanden zu haben scheint. Ob es ein im Vergleich zur Hinrunde stark verbesserter Spielmacher Insua ist, der sich für die Mannschaft schindet und jetzt obendrein auch noch die aus Argentinien schon zu Anfang der Saison vermeldete Torgefahr offenbart. Oder ein Eugen Polanski, der endlich auf seine Lieblingsposition beordert andeutet, warum er in allen Jugendnationalmannschaften als Ausnahmetalent galt. Bis hin zu einer erneut sicher stehenden Viererabwehrkette, diesmal ohne Abstriche, mit einem immer sicherer werdenden Steve Gohouri und einem Marvin Compper, der wie ausgewechselt erscheint und in dieser Form sicherlich mit Jansen auf der linken Seite noch für viel Wirbel sorgen wird.
Was obendrein auffiel, war ein stark verändertes Spielsystem. Nach langer Zeit führte der Weg zum Ziel weg von der Raute (die haben wir ja eh alle im Herzen) hin zum 4-2-3-1 oder vereinfacht 4-5-1. Die Wahl dieses System war ein ebenso logischer wie genialer Schachzug des neuen Trainers. So wirkte die Aufstellung mit nur einem Stürmer zwar zu Beginn des Spiels sehr defensiv und es stand zu befürchten, dass die Borussia ihr Heil erneut in der Verteidigung suchen würde.
Diese Befürchtung stellte sich jedoch als nichtig heraus. Es fand nur eine Verlagerung der Schwerpunkte vom Sturm zum Mittelfeld hin statt. Die Überlegung hierbei war, aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn man nämlich ein Resümee aus den letzten Spielen, vor allem jenes gegen Nürnberg, ziehen kann, dann dass unser Sorgenkind Nummer Eins sicherlich die Offensive, insbesondere der Sturm ist.
Ohne Neuville und Sonck blieben mit Kahe und Rafael nur zwei nominelle Angreifer, die sich beide zuletzt, um es nett zu formulieren, nicht gerade als Topstürmer präsentierten. Und das Neuzugang Thygesen kein Knipser ist, hat er selbst eindrucksvoll in den ersten beiden Spielen der Rückrunde unter Beweis gestellt. Um es auf den Punkt zu bringen: wer einen Kahe auf dem Platz hat, braucht keinen Rafael mehr und umgekehrt.
Und so beließ es Luhukay bei Kahe und stärkte stattdessen das Mittelfeld, weil er nach kurzer Zeit verstanden hat, was eingefleischten Borussen-Fans seit langem auffiel. Zwar spielte auch das Mittelfeld seit langem unter Potential, aber im Umkehrschluss heißt „unter Potential“ – mit Luft nach oben!
Während ein Kahe oder Rafael zurzeit mit einem vernünftigen Spiel sicherlich schon an ihre spielerischen Grenzen stoßen, zeigte das Mittelfeld gestern, dass es Fußball spielen kann. Allen voran ein Peer Kluge, der nach zwei Spielen Pause, eine „Fußballgeilheit“ präsentierte, die wir im Anstiegskampf dringend brauchen werden. Dass er nicht spielte, hatte allerdings sicherlich Vertragspoker-technische Gründe. Jedenfalls harmonierte er mit Insua wesentlich besser als zuletzt Bernd Thijs. Ebenso erwies sich durch die Doppel-6 die Flügelzange als entlastet und deutlich effektiver.
Und wenn Marcel Jansen endgültig zu seiner alten Form zurückfindet, dann wird er sicherlich auch weniger Chancen versieben. Und mit einem Neuville im Sturmzentrum wird demnächst auch wieder unser einziger Knipser zurückkehren und ein schneller Mann für Konter zur Verfügung stehen.
Es bleibt zwar abzuwarten, ob die Mannschaft die positive Entwicklung aufnimmt und fortführt. Es scheint aber seit gestern eins klar: Es besteht seit Langem endlich wieder berechtigte Hoffnung auf Besserung.