Sonntag, 11. Dezember 2005 - 12:11 Uhr
Die WM wirft ihre Schatten voraus. Auch in Hannover – wo bis zur WM noch erhebliche Baumaßnahmen notwendig sind – sorgte die Auslosung vom Freitag für Gesprächsstoff.
»Natürlich habe ich die Auslosung gesehen«, sagte Marcell Jansen. »Aber für mich ist erst mal die Rückrunde wichtiger, damit ich überhaupt die Chance habe, die Weltmeisterschaft zu spielen«. Von einer leichten Gruppe will Jansen nichts wissen: »Bei der WM ist es ohnehin egal, gegen wen man spielt. Man muss jeden Gegner so angehen, als wenn es gegen Brasilien ginge. Sonst hat man keine Chance. Die Gruppengegner sind ja auch nicht unberechtigt in der Endrunde und von daher finde ich das Gerede vom „Glückslos“ nicht korrekt«.
Ob es seiner Nationalmannschaftskarriere abträglich ist, wenn er im Verein wie in Hannover als Linksaußen eingesetzt wird, ist für Jansen momentan kein Thema: »Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Borussia steht erst einmal im Vordergrund«.
Das gilt auch und gerade für Eugen Polanski. Denn für ihn wird die WM noch zu früh kommen, es sei denn, er rutscht noch in das WM-Team von Deutschlands Gruppengegner Polen. Der polnische Nationaltrainer Pavel Jonas soll jedenfalls in der AWD-Arena gewesen sein. »Davon weiß ich nichts«, sagt Polanski. »Ich habe für Deutschland in all den U-Mannschaften gespielt, da kam Polen nicht auf mich zu und deshalb habe ich bis jetzt noch nicht mit dem Gedanken gespielt. Ich denke es sind dann eher Gerüchte, dass er mich nach ein paar Bundesligaspielen direkt beobachtet. Das glaube ich nicht«.
Erst wenn tatsächlich eine Entscheidung ansteht, »würde ich mir darüber Gedanken machen«, sagt Polanski. »Polen ist mein Heimatland, da bin ich geboren. Aber ich habe seit dem dritten Lebensjahr die deutsche Staatsangehörigkeit, deshalb bin ich ganz klar für Deutschland«. Und daher wäre es für ihn auch keine Genugtuung, für Polen einen Oliver Kahn aus der WM zu schießen: »Nein, ich will ihn nicht rausschießen. Es ist ja mein Land. Ich will lieber irgendwann mal mit ihm zusammen spielen – wenn er solange noch hält«.
Bis zur WM halten wird auf jeden Fall Kasey Keller. Der Keeper zeigte sich in Hannover noch immer beeindruckt von der schweren Gruppe, die die USA erwischt hat: »Was für eine Monstergruppe. Vielleicht ist die Argentiniengruppe noch ein wenig schwerer, aber dennoch – drei Top-Ten-Teams sind in unserer dabei«. Aber Kasey sieht auch die Möglichkeiten, die solch eine Zusammenstellung bietet: »Hier kann jeder jeden schlagen. Wenn du ein Spiel verlierst ist es nicht so dramatisch weil du weißt, dass Ghana zum Beispiel Italien schlagen kann. Es wird ein Rennen um vier Punkte geben«. Seinen Humor behält Keller jedenfalls bei: »Oder es wird ganz eindeutig mit neun Punkten und fünfzehn Toren plus für uns...«
Bedanken dürfen sich die Amerikaner bei Lothar Matthäus für sein „glückliches“ Händchen bei der Auslosung. »Dafür gehört Matthäus in den Arsch getreten«, sagt Kasey grinsend. »Er hatte so eine „schöne“ Zeit in New York und da hat Lothar wohl gedacht, ich gebe ihnen dafür etwas zurück…«
Ob Keller besser Deutsch spricht als Matthäus Englisch, wollte er nicht beurteilen und es auch nicht auf einen Vergleich ankommen lassen. »Er ist dumm genug, dass er versucht hat Englisch zu sprechen«, lacht Keller. »Er ist selbst zu dumm, sich wie ein Idiot anzuhören. Andere hätten es gleich gelassen«.
Getreu dem Motto »Schuster bleib’ bei deinem Leisten« spricht Kasey weiter Englisch und konzentriert sich lieber darauf, gute Leistungen im Tor zu bringen. Und dass Amerikas Fußballer des Jahres in Hannover eine starke Leistung gezeigt hat, sieht auch Amerikas Nationaltrainer Bruce Arena so, der seinen Schützling vor Ort beobachtete: »Der Schiedsrichter hat viele Freistöße gepfiffen und das brachte Kasey unter einigen Druck. Er hat gut gehalten, vor allem diesen Freistoß von Tarnat hat er hervorragend pariert. Beim Tor war er schuldlos, auch wenn ich die Situation nicht ganz richtig sehen konnte. Ein gutes Spiel und ein gerechtes Resultat, denke ich«.
Die Gruppenauslosung schätzt der Nationalcoach realistisch ein: »Es ist schon ein bisschen schwierig, aber bei einer WM ist es nie leicht. Es ist nicht viel anders, als bei der WM 2002 und da sind wir ja bis ins Viertelfinale gegen Deutschland gekommen«.