Montag, 09. Mai 2005 - 22:35 Uhr
So stufen 13 Prozent der Teilnehmer Borussia als sympathisch ein. Auf den ersten beiden Plätzen rangieren die Vereine, die in den Medien gerne als ein anderer Typ Bundesligaklub charakterisiert werden: FSV Mainz 05 und der SC Freiburg. Bei der Frage, welcher Verein unsympathisch ist, belegt Borussia mit 6 Prozent (minus 7 Prozent zur Vorsaison!) den sechstletzten Platz. Unangefochtener Spitzenreiter in dieser Kategorie bleibt Bayern München mit 63 Prozent.
Erstaunliches bringt die Frage nach dem Stadion, das bei Auswärtsspielen am Liebsten besucht wird: obgleich der Nordpark ja erst seit dieser Saison besucht werden kann, geben immerhin 15 Prozent der Teilnehmer den neuen Tempel der Borussia an. Wie schwammig diese Aussage ist sieht man jedoch daran, dass fast 5 Prozent der Anhänger von Hertha BSC Berlin den Nordpark am Liebsten besuchen, obgleich ihr eigener Verein dort noch nicht zu Gast war. Zu dieser Aussage passt auch, dass 22 Prozent der Meinung sind, dass bei der Borussia die beste Atmosphäre vorzufinden sei. Zudem geben jeweils 14 Prozent der Befragten an, dass es bei Borussia die besten Choreos (5. Platz) und originellsten Fangesänge (3. Platz) gibt.
Borussia Mönchengladbach ist insgesamt gesehen bei den Anhängern vom FSV Mainz 05 am beliebtesten. Immerhin fast 41 Prozent bescheinigen der Borussia, sympathisch zu sein. Diese Einschätzung teilt jeder fünfte Anhänger des SC Freiburg. Den geringsten Sympathiewert erlangt Borussia bei den Anhängern von Hannover 96 mit etwa 6 Prozent – immerhin ein dreimal höherer Wert, als im Vergleich zur Sympathiebekundung der Fans der wahren zur falschen Borussia (1,8 Prozent). Nicht unerwähnt bleiben sollte bei diesen Aussagen, dass den Machern dieser Umfrage bei der Aufschlüsselung auf einzelne Vereine der kleine Fehler unterlaufen ist, die Anhänger des Hamburger SV unter den Tisch fallen gelassen zu haben.
Im Vergleich zu den Trainern der anderen Bundesligisten schnitt Dick Advocaat recht schlecht ab: lediglich 58 Prozent der Anhänger Borussias haben Gefallen am ehemaligen Trainer gefunden (jedoch nicht nur 5 Prozent, wie im Frühjahr ein Fanklubvertreter in einem Zeitungsinterview meinte). Im Vergleich zu den 99,3 Prozent Zustimmung zu Jürgen Klopp unter den Mainzer Anhängern und den 97,4 Prozent Zustimmung zu Thomas Schaaf seitens der Bremer Anhängerschaft ein magerer Wert. Sportdirektor Christian Hochstätter schnitt mit einem Wert von 68,3 Prozent eindeutig besser in der Anhängerschaft Borussias ab. Auf die Frage, welcher Manager einen guten Job verrichten würde, landete Hochstätter immerhin auf Platz 5 (10,8 Prozent) von insgesamt 12 aufgelisteten Managern - jedoch mit deutlichem Abstand zu Uli Hoeneß (56 Prozent) und Klaus Allofs (49,4 Prozent).
Die eigenen Fans sehen Borussia eher als einen traditionellen, sehr wenig arrogant wirkenden Klub. Borussia wird aus ihrer Sicht gut geführt, ist professionell und nimmt sich bescheiden aus, wobei der Erfolgshunger stark ausgeprägt erscheint. Borussia wird zwischen den Polen „provinziell“ und „international“ angesiedelt. Die Freude am Spiel wird höher bewertet als die Ergebnisorientierung. Die eigenen Fans sehen die Spieler eher als Malocher, denn als Millionäre. Die Anhänger der anderen Bundesligaklubs hingegen sehen in Borussia einen traditionellen, provinziellen, eher schlecht geführten und nur mittelmäßig professionellen Fußballverein, der jedoch nur wenig arrogant wirkt.
Die Fangemeinde sieht sich selbst als einen sehr treuen, sehr lautstarken, kreativen, friedlichen sowie durchaus fairen Tross. Jedoch konstatieren sie, dass sie selbst nicht unbedingt die lockersten Fans seinen, wobei sie sich dem Geschehen um Borussia nicht verbissen widmen. Naturgemäß sehen die Anhänger anderer Vereine die Fangemeinschaft der Borussia nicht so herausragend, wie sich die Fanszene Borussias gerne sieht: so finden nur etwa 31 Prozent, dass diese kreativ bis sehr kreativ ist. Schätzen sich fast 70 Prozent der Anhänger Borussias lautstark bis sehr lautstark ein, wird dieses jedoch von den Anhängern der übrigen Bundesligavereine nur zu 13,5 Prozent bekräftigt. Auch werden die Fans der Borussia in Bezug auf ihre Friedfertigkeit durchaus kritischer gesehen: so stimmen nur 44,5 Prozent der Aussage zu, dass Borussias Anhänger friedlich bis sehr friedlich ist – immerhin fast 40 Prozent weniger, als die eigenen Fans bekunden. Im Vergleich zu anderen Fangruppierungen ist dieser Wert jedoch recht gut.
Die Marke Borussia scheint demnach nicht die schlechteste Adresse im Profifußball in Deutschland zu sein. Der Verein und die Fans schneiden durchweg überdurchschnittlich gut ab, wobei die Werte bei der eigenen Anhängerschaft verständlicherweise bei weitem besser sind, als die Bewertungen der übrigen Fußballanhänger. Dass die Aussagen dieser Umfrage nicht nur eine Momentaufnahme sind, kann man gut an den Ergebnissen der ersten, nicht ganz so umfangreichen Umfrage erkennen, in der Borussia ebenfalls überdurchschnittlich gut beurteilt worden ist. Die teilweise schlimme Außendarstellung des Vereins in dieser Saison hat bisher keine negative Auswirkung auf dieses Ergebnis gehabt. Wollen wir hoffen, dass die Marke Borussia mitsamt der großen Anhängerschaft weiterhin diesen Weg beschreitet.
Die ausführliche Auswertung der Umfrage ist übrigens hier zu finden.