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Einzelkritik: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:0 (1:0)

Die Verunsicherung greift um sich

Redaktion TORfabrik.de

Dienstag, 13. Februar 2018 - 06:13 Uhr

Bei der 0:1-Niederlage in Stuttgart wurde deutlich, dass die Probleme bei Borussia Mönchengladbach tiefer liegen. Die Misere entwickelt sich zu einem ernsthaften Problem, was sich auch in der Einzelkritik widerspiegelt.

Kein gutes Spiel von Nico Elvedi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)
Kein gutes Spiel von Nico Elvedi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Tobias Sippel: Zum dritten Mal vertrat er Yann Sommer, zum dritten Mal setzte es eine Niederlage, zum dritten Mal traf ihn dabei keinerlei Schuld. Beim präzisen Abschluss von Ginczek hatte Sippel keine Abwehrchance, ansonsten wurde er kaum ernsthaft geprüft. Nach der ersten Stuttgarter Ecke verunglückte eine Faustabwehr, was die einzige Unsicherheit blieb. Nach einem langen Ball an den Strafraum spielte er gut mit und klärte, seine Abschläge waren okay, auch wenn ein paar davon im Seitenaus landeten. Note 3,0.

Tony Jantschke: Begann auf seiner Stammposition als Rechtsverteidiger, wo er im Spiel nach vorne weder mit dem reichlich vorhandenen Raum, noch mit dem Ball etwas anfangen konnte. Bei der Entstehung des Gegentors mit dem Pass auf Hofmann involviert. Das Anspiel war jedoch ordentlich und wurde nur durch Hofmanns ›Übersteiger‹ zum Bumerang. Im weiteren Verlauf mit Ungenauigkeiten und schon fast peinlichen Flankenversuchen. Nach 25 Minuten folgte der Seitenwechsel mit Elvedi. Jantschke machte es auf links defensiv vernünftig, war im Spiel nach vorne aber weiterhin selten ein Faktor, weil er mit links überhaupt keine vernünftigen Bälle vors Tor bekam. Note 5,0.

Matthias Ginter: War mit einem Fehler zu Beginn an der ersten Stuttgarter Chance durch Gentner beteiligt. Danach in seinem Kerngeschäft sicher und gefestigt, wobei der VfB nun wahrlich kein Offensivfeuerwerk abbrannte. Ginter wartete mit einer starken Zweikampfquote auf und auch die Passquote (86%) konnte sich sehen lassen. Allerdings war Ginter im Aufbau kein Ideen-Entwickler, sondern wählte in fast allen Fällen den Sicherheitspass. Im Verlauf der Partie schob er sich ein paar Mal über die Mittellinie, ohne dass er wirkliche Impulse setzen konnte. Note 3,5.

Jannik Vestergaard: Beim Gegentor orientierte er sich kurz in Richtung des durchstartenden Insua und hatte so keine Möglichkeit, den Pass von Gomez auf Ginczek zu unterbinden. Ankreiden kann man das Vestergaard nicht - es war einfach gut gespielt von den Stuttgartern. Ansonsten war der Däne sehr stabil im Zweikampf, einmal klärte er formschön per Hacke. Auffällig gut war sein Passspiel, mehrere weite Verlagerungen kamen punktgenau an. Dass die Abnehmer überfordert waren, lag nicht an Vestergaard. In der Schlussphase als Brechstange mit vorne drin, aber ohne Chance. Note 3,0.

Nico Elvedi: Fand sich auf der linken Seite nur schwer zurecht, was sich in schlechtem Positionsspiel und vielen kleinen technischen Schwierigkeiten ausdrückte. Nach dem Seitentausch mit Jantschke auf seiner angestammten rechten Seite zwar im Offensivspiel aktiver, dennoch weiter mit Problemen bei der Ballbehandlung. Nahezu jede Annahme geriet holprig und dadurch bremste er das ohnehin kaum vorhandene Tempo noch weiter herunter. Richtiggehend kläglich geriet der Versuch, das perfekte Zuspiel von Grifo mitzunehmen. Hier hätte sich eine Riesenchance ergeben. Auch defensiv nicht frei von Wacklern. So senste er bei einem Klärungsversuch im Strafraum am Ball vorbei, wovon Gomez fast profitiert hätte. Nach der Pause insgesamt etwas gefestigter, die Verunsicherung blieb jedoch spürbar. Note 5,0.

Christoph Kramer: Versuchte beim Gegentor noch mit einer Grätsche den Pass auf Ginczek zu verhindern, kam jedoch knapp zu spät. Kramer war wie gewohnt fleißig (mit 12,4 Kilometern laufstärkster Borusse) und als Abräumer und Balljäger nützlich. Im Aufbauspiel ließ er sich oft weit nach hinten fallen, bekam aber keinen Fluss in die Aktionen und spielte oft quer oder rückwärts. Nach der Auswechslung von Zakaria fast nur noch als Absicherungsspieler unterwegs, auch weil nicht selten mehrere Kollegen gleichzeitig versuchten, aus dem Mittelkreis das Spiel zu gestalten. Auffällig wurde Kramer nur noch in der Nachspielzeit, als er von der rechten Seite eine Flanke ins Nirwana beförderte. Note 4,0.

Denis Zakaria: Wirkt in den letzten Wochen etwas gehemmt, was sich auch in Stuttgart bemerkbar machte. Am fehlenden Spielfluss und dem einen oder anderen Annahmefehler hatte der Schweizer zu knabbern. Er ließ sich, wie Kramer, im Aufbau oft zwischen die Innenverteidiger fallen, beschränkte sich aber zumeist auf den Sicherheitspass. Nur selten trat er mal so an wie bei der Vorbereitung der Hofmann-Chance. In der Viertelstunde nach der Pause, als es insgesamt besser lief, gewann auch Zakaria an Zutrauen und kam zu einigen Vorstößen. Seine Auswechslung in der 63. Minute war daher etwas überraschend. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Startelfdebüt im neuen Jahr, was mit der ungewollten Einleitung des Gegentors höchst unglücklich begann. Er wollte das Jantschke-Zuspiel durchlaufen lassen, unterschätzte dabei aber die Reaktionsschnelligkeit von Insua. Danach war Hofmann durchaus agil und lauffreudig, aber ohne die letzte Griffigkeit. Das zeigte sich auch bei seiner Chance, als Zieler zwar Probleme hatte, der Schuss dennoch nicht gut war. Hofmann zeigte Ansätze, wie einen Steilpass auf Stindl oder ein gutes Zuspiel zu Hazard, mehr aber nicht. In der Rückwärtsbewegung ware seine Laufwege verbessert, direkten Duellen wich er dennoch immer aus, wenn es irgendwie möglich war. Rückte nach der Drmić-Einwechslung in die Rolle des zentralen offensiven Sechsers und wurde 13 Minuten später von Bobadilla ersetzt. Note 4,0.

Vincenzo Grifo: Musste schnell feststellen, dass er auf der linken Seite weder mit Elvedi noch Jantschke wirklich kombinieren konnte und er weitestgehend von der Versorgung abgeschnitten war. So ließ er sich öfter fallen um - mit wechselndem Erfolg - mit aufzubauen. Immerhin versuchte er mal etwas, um das statische Passspiel aufzubrechen. Nicht von ungefähr war es Grifo, der mit dem schönen Zuspiel auf Stindl erstmals die Lücke fand. Überragend sein reaktionsschneller Außenristpass auf Elvedi - besser kann man einen solchen Ball nicht spielen. Auch die Ecken des Italieners waren gefährlich. Zur Pause wies der ›Tacho‹ eine Strecke von 6,1 km auf, was für Grifos Laufbereitschaft spricht. Dass ausgerechnet Grifo zur Pause ausgewechselt wurde, war nicht nachvollziehbar. Note 3,5.

Thorgan Hazard: Die ewig gleiche Leier auch beim Belgier: Er lief viel, versuchte einiges, blieb aber in zentraler Rolle deutlich unter seinen Möglichkeiten. Fast schon sinnbildlich war die Aktion nach dem Hofmann-Schuss, als Hazard zwar wachsam auf den Rebound spekulierte, sich dann aber dabei verhaspelte, überhaupt an den Ball zu kommen. Nach der Pause über links unterwegs und mit einer starken Phase, als er mehrfach mit viel Tempo anlief und u.a. die Stindl-Chance vorbereitete. Nach den Umstellungen immer weniger involviert und letztlich kein Faktor mehr. Note 4,0.

Lars Stindl: Hatte auch diesmal wieder ein paar ›unforced errors‹ dabei, wirkte insgesamt jedoch gefestigter als in der Vorwoche. Er hatte Borussias erste Chance, als er nach Grifo-Zuspiel unter Bedrängnis an Zieler scheiterte. Direkt nach der Pause mit einem guten Distanzschuss, kurz darauf verfehlte er nach Hazard-Zuspiel das Tor. Stindl ließ sich schon nach der Drmić-Einwechslung vermehrt zurückfallen und als Bobadilla für Hofmann kam, mutierte er zum dritten (Offensiv-)Sechser. Stindl setzte stets bissig nach und ging mit großem Einsatz zu Werke. Dass es nicht mehr zum Ausgleich reichte, lag wohl auch daran, dass Stindl überall war - nur nicht da, wo er vom Papier her ursprünglich spielen sollte. Note 3,5.

Raffael: Brachte Belebung und Bewegung ins Spiel, auch weil nun jemand da war, der mal aus dem Stand zwei Gegenspieler überspielen konnte. Sein Volleyschuss war gut - leider in einer dankbaren Höhe für den Keeper. Raffael ließ sich wie gewohnt weit zurückfallen, um in Ballbesitz zu kommen und etwas zu kreieren. Das hatte wiederum eine Häufung an Möchtegern-Spielgestaltern im zentralen Mittelfeld zur Folge. Note 3,5.

Josip Drmić: Übernahm nominell die Hofmann-Position auf rechts, wo er aber so gut wie gar nicht in Erscheinung trat. Es zog ihn zeitig in die Mitte, wo er nur wenig Land sah. Pech hatte Drmić bei seiner Schusschance nach einer abgewehrten Freistoßflanke, als der Ball knapp am langen Pfosten vorbei flog. Ohne Note.

Raúl Bobadilla: Kam in der letzten Viertelstunde auf den Platz, wo er ganze vier Ballkontakte hatte. Zumindest die Frisur hinterließ Eindruck. Ohne Note.

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