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Immer die gleiche Leier

»Richtig dämlich«

von Marc Basten und Jan van Leeuwen

Montag, 12. Februar 2018 - 05:57 Uhr

Borussia Mönchengladbach rutscht nach der vierten Niederlage im fünften Ligaspiel im Jahr 2018 endgültig in die Krise. Die Protagonisten wirkten auch in Stuttgart ratlos bei der Einordnung der erneuten Pleite.

Tony Jantschke vs Mario Gomez (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)
Tony Jantschke vs Mario Gomez (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Dieter Hecking saß angesäuert auf dem Podium im Stuttgarter Presseraum. »Es ist die gleiche Leier wie seit ein paar Wochen«, grummelte er, weil er wieder einmal von »fehlender Durchschlagskraft« und »mangelnder Konsequenz« im Abschluss sprechen musste.

Tatsächlich sind die Aussagen fast schon deckungsgleich, was sie allerdings in der Konsequenz keineswegs besser macht. Die Missstände sind längst bekannt, sie werden aber nicht behoben. In der Summe führt das zu der bedenklichen Krise, in der sich Borussia Mönchengladbach befindet.

»Das ist katastrophal«, fand Tony Jantschke bei der Einordnung der Gesamtsituation deutliche Worte. »Über Europa brauchen wir mit solch einer Punktausbeute nicht zu reden. Vier Niederlagen aus fünf Spielen ist natürlich für unsere Ansprüche viel zu wenig. Aber wenn man ehrlich ist, haben wir momentan auch nicht mehr verdient.«

Die Gladbacher haderten mit der verschlafenen Anfangsphase und dem frühen Gegentor. »Wir haben ganz schlecht ins Spiel gefunden«, sagte Jantschke und schloss sich dabei ausdrücklich ein. »Ich habe zwei, drei Situationen, wo ich den Ball schlecht annehme«. Auch deshalb folgte nach 25 Minuten der Seitenwechsel mit Elvedi.

»Die ersten zwanzig Minuten waren wir alle nicht richtig da und haben die verschlafen«, ergänzte Jonas Hofmann, der erstmals in der Rückrunde in der Startelf stand. »Nach fünf Minuten auswärts in einen Konter reinzulaufen, darf nicht passieren«, ärgerte sich Hecking über das Gegentor, bei dessen Entstehung Hofmann sich quasi selbst ausgetrickst hatte.

Warum die Borussen derart zaghaft an die Sache herangingen, blieb, wie schon in Köln, ein ungelöstes Rätsel. »Natürlich strotzen wir nicht so vor Selbstvertrauen«, grübelte Matthias Ginter. »Aber wenn man Stuttgart gesehen hat - die eigentlich auch nicht«.

Weil sich Stuttgart immer mehr zurückzog, erlangten die Borussen nach und nach eine deutliche Feldüberlegenheit. »In der ersten Halbzeit hatten wir einige gute Flankenwechsel, aber der erste Kontakt war nicht sauber«, sagte Lars Stindl. Tony Jantschke wurde deutlicher: »Unsere Annahmen waren katastrophal, dadurch haben wir uns viele Chancen versaubeutelt. Richtig dämlich.«

»Wir hatten viele technische Fehler, wodurch wir uns einiges kaputt gemacht haben«, bestätigte Dieter Hecking. Derartige Aussetzer, noch dazu in dieser Häufung, hat es bislang nicht gegeben.

Nach der Pause bekamen die Borussen dieses Problem zwar in den Griff und dominierten gegen immer passivere Stuttgarter eindeutig. »Trotzdem fehlten uns wieder Durchschlagskraft und Konsequenz, aus der optischen Überlegenheit mehr zu machen«, sagte Hecking. Stindl wiederholte seine Aussagen der letzten Wochen: »Da muss dann auch mal einer rein gehen.«

Ging er aber nicht, wobei die Borussen sich auch nicht wirklich große Chancen erspielten. Vor allem in der Schlussviertelstunde fehlte im Offensivspiel jegliche Ordnung. »Zum Schluss waren wir kopflos«, sagte Hecking. »Wir haben versucht, aus der Mitte die langen Bälle zu schlagen, was am ungeeignetsten ist. Ich hätte mir gewünscht, dass die Spieler mehr aus dem Halbfeld flanken, damit es schwieriger ist zu verteidigen und dann kannst du auch mit der Präsenz im Strafraum gefährliche Situationen kreieren.«

So aber verpufften die Einwechslungen sämtlicher Stürmer wirkungslos. Am Ende schlichen die Borussen erneut geschlagen vom Platz. In der Rückrundentabelle rangiert der VfL auf einem Abstiegsplatz, in den letzten drei Partien gab es kein eigenes Tor. Was bleibt, sind die üblichen Parolen. »Zusammenrücken, den Kopf hochnehmen und Zähne zusammenbeißen«, zählte Jantschke auf. Angesprochen auf eine mögliche Trainierdiskussion konnte er sich ein Lachen kaum verkneifen. »Eine Trainerdiskussion erscheint mir sehr verrückt.«

Fakt ist jedoch, dass Dieter Hecking jetzt auch als Krisenmanager gefordert ist. »Es gilt daran zu arbeiten, dass der Kopf jetzt nicht die Oberhand über alles gewinnt«, sagte der Trainer. Wie er das angehen wird, wollte Hecking in der Öffentlichkeit nicht darlegen. Dass etwas geschehen muss, ist spätestens seit diesem trostlosen Sonntag in Stuttgart klar. Ein ›weiter so‹ funktioniert nicht. Die gleiche Leier will niemand mehr hören.

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