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Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Bayern München 2:1 (2:0)

Eine leidenschaftliche Mannschaftsleistung

Redaktion TORfabrik.de

Dienstag, 28. November 2017 - 06:14 Uhr

Borussia Mönchengladbach hat Bayern München vor allem aufgrund einer geschlossenen und leidenschaftlichen Mannschaftsleistung geschlagen. Alle Akteure arbeiteten am Limit und belohnten sich letztlich selbst.

Team-Unterstützung für Zakaria gegen Martinez (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)
Team-Unterstützung für Zakaria gegen Martinez (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Yann Sommer: Hatte zu Beginn nicht sonderlich viel zu tun, allerdings ging er unnötiges Risiko nach Rückpässen, als er den Ball mehrfach erst im letzten Augenblick vor dem heranstürmenden Lewandowski wegschlug. Eine Kimmich-Flanke packte er sicher, eine James-Hereingabe wischte Sommer nach vorne weg und parierte im Anschluss den Rudy-Schuss. Nach der Pause beim Hummels-Kopfball nach einer Ecke zur Stelle, kurz darauf beim Coman-Schuss mit Fortune. Sommer war mit den Fingern am Ball, der durchrutschte und am Pfosten landete. Den Abpraller bekam er zum Glück zu fassen. Erwähnenswert, weil selten: In der 70. Minute pflückte Sommer einen Eckball herunter. Bei einem weiteren Abschluss von Coman aufs kurze Eck war der Schweizer zur Stelle, das Gegentor muss er sich allerdings ankreiden lassen. Der Schuss von Vidal war spät zu sehen, doch Sommer war rechtzeitig unten und ließ den Ball unter dem Handschuh durchflutschen. In der Nachspielzeit klärte er nach einer hohen Hereingabe mit gelungener Faustabwehr. Note 3,0.

Nico Elvedi: Musste nach der Verletzung von Kramer und der damit verbundenen Umstellung früh seine Rechtsverteidigerposition gegen die des Innenverteidigers eintauschen. Hier zunächst mit schlechtem Kopfballtiming bei der ersten Bayern-Chance durch Tolisso nach ruhendem Ball. Darüber hinaus verteidigte Elvedi es gut. So gewann er einen wichtigen Kopfball gegen Vidal und kam am Boden rechtzeitig vor Lewandowski an den Ball. Den Bayern-Torjäger stoppte er unmittelbar darauf nochmals im Sechzehner. Überhaupt gab es einige interessante Begegnungen mit dem Polen, bei denen Elvedi seinen Mann stand. In der 65. Minute kam er hinter der Mittelline allerdings zu spät gegen Lewandowski und sah zurecht Gelb. In der zweiten Halbzeit gab es mehrere brenzlige Situationen im Strafraum, bei denen auch Elvedi das nötige Quäntchen Glück hatte. Note 3,0.

Matthias Ginter: Auch er war von Kramers Verletzung betroffen und musste dessen Rolle als zweiter Sechser übernehmen. Dort führte er sich mit einer fulminanten Grätsche gegen Bernat ein, was mit stürmischem Applaus gewürdigt wurde. In der folgenden spielerisch starken Phase der Borussen war Ginter in mehrfach im Kombinationsspiel involviert, was er auf engstem Raum technisch durchaus ansprechend löste. Bei seinem Tor aufmerksam mit aufgerückt - den Ball brachte er mit leicht zittrigem Fuß über die Linie. Nach der Pause fast nur im Verteidigungsmodus. Vor dem Pfostenschuss von Coman ließ er sich vom Franzosen austanzen. In der Schlussphase spielte Ginter den guten Pass auf Raffael vor der strittigen Aktion von Hummels. Note 2,5.

Jannik Vestergaard: Machte keine Gefangenen, was auch Christoph Kramer schmerzhaft erfahren musste. Vestergaard räumte den Kollegen unfreiwillig ab und knallte mit der Schulter an dessen Kopf. Aber auch mit den Gegenspielern ging er kompromisslos um und räumte vieles weg. Im Spielaufbau mit einer starken Verlagerung auf Elvedi und dem Klasse-Pass auf Hazard vor dem Elfmeter. Als er in einer Situation früh angelaufen wurde, unterlief ihm ein leichter Panik-Fehlpass. Nach einer Stunde klärte Vestergaard mit langem Bein und hätte fast ein Eigentor erzielt. Bei der daraus resultierenden Ecke verlor er das Kopfballduell gegen Hummels. Vor dem Gegentor köpfte der Däne den Ball zwar ordentlich aus dem Strafraum, doch leider genau vor die Füße von Vidal. In der Schlussphase warf er sich zweimal in höchster Not in Schüsse der Münchener und blockte sie erfolgreich. Note 2,5.

Oscar Wendt: Der Fokus beim Schweden lag in seinem 150. Bundesligaspiel berechtigterweise auf der Defensive. Dort machte er es über weite Strecken mehr als ordentlich, auch wenn er bei zwei, drei Flanken wieder nur seine unzureichende ›Bein-Hoch-Haltung‹ einnahm. Aber Wendt besetzte aufmerksam die Halbräume auf seiner Seite und klärte einige Male mit für seine Verhältnisse bemerkenswerter Bissigkeit. Das bekam vor allem Rudy zu spüren. Im Spiel nach vorne weniger stabil und mit einigen Fehlpässen zu viel (nur eine Passquote von 58 Prozent). Defensiv blieb Wendt über die gesamte Zeit wachsam, in einer Situation behielt er gegen gleich drei Münchener die Ruhe und letztlich auch die Oberhand. Weit in der Nachspielzeit rettete er gegen Wriedt kurz vor der Torlinie den Sieg. Note 3,0.

Christoph Kramer: Ihm bleibt das Verletzungspech treu. Er wurde in der achten Minute von Vestergaard in der Luft unfreiwillig heftig am Kopf getroffen und musste nach dem Knockout vom Platz getragen werden. Zum Glück war es ›nur‹ eine Schädelprellung. Ohne Note.

Denis Zakaria: Wartete mit einer sehr disziplinierten Leistung auf und hatte augenscheinlich verinnerlicht, dass der Fokus gegen die Bayern vor allem auf einer geordneten Defensive liegen muss. Er bearbeitete Räume und Gegenspieler aufmerksam und intensiv, ohne dabei zu überdrehen oder sich zu dummen Fouls hinreißen zu lassen. Auch von Martinez ließ er sich nicht provozieren, der sich an ihn klammerte und bei Zakarias ›Befreiungsdrehung‹ die Hand ins Gesicht bekam. Dass der Spanier anschließend einen Aufstand machte, war ungerechtfertigt. Zakaria ließ sich jedenfalls nicht locken und behielt auch in mehreren engen Situationen gegen Vidal die Oberhand. Gegen Ende des Spiels bekam er nochmal die zweite Luft und eroberte einen Ball großartig zurück und holte clever eine Ecke heraus. Nach dem Abpfiff ging der Zoff mit Martinez noch weiter. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Nach längerer Zeit mal wieder in der Anfangself. Sorgte auf der rechten Seite für ein paar ›Drohsituationen‹, vor denen die Bayern durchaus Respekt hatten. Doch viel wichtiger war die ungeheure Bereitschaft, die Herrmann an den Tag legte. Bei eigenem Ballbesitz ging er immer mit nach vorne, um dann sofort mit Highspeed wieder seine Position in der Defensive einzunehmen. Am Ende der 90 Minuten - Herrmann spielte tatsächlich durch - war er mit 13 Kilometern nach Stindl der laufstärkste Spieler auf dem Platz. Einige Male spitzelte er in der Rückwärtsbewegung den Ball gut weg, mehrfach rückte er mittig mit ein um die Räume im Zentrum zu verknappen. Schade, dass er nach einer knappen halben Stunde eine lange gute Ballstafette beendete, weil ihm der Ball über die Seitenlinie rutschte. Nach der Pause mit einem gelbwürdigen taktischen Foul gegen Coman, in der Schlussphase rang er den jungen Friedl nieder und hatte auch hier Glück, nicht verwarnt zu werden. Herrmanns einziger Torabschluss war eine Direktabnahme nach einer abgewehrten Ecke, die er mit vollem Risiko hoch ins Fangnetz knallte. Note 3,0.

Thorgan Hazard: Nach etwas holprigem Beginn (einmal rutschte er aus und dann spielte er einen zu steilen Pass auf den mit aufgerückten Wendt) fand der Belgier immer besser in die Partie. Wie Herrmann auf der anderen Seite machte er ständig die Wege mit zurück. Offensiv war er für die Nadelstiche zuständig. Stark, wie er vor der Raffael-Chance den Verlagerungsball abfing und direkt auf Stindl weiterspielte. Mit gutem Laufweg und gelungener Ballmitnahme holte er den Handelfmeter heraus, den er mit etwas Glück verwandelte - Ulreich hatte die Finger noch am Ball. Klasse die Vorarbeit vor dem 2:0, als er zielstrebig in den Strafraum stieß und Stindl einsetzte. Nach der Pause vor allem mit seiner glänzenden Defensivarbeit auffällig. Imposant seine Ballgewinne gegen Lewandowski oder Kimmich, bärenstark war die Balleroberung gegen Lewandowski vor dem eigenen Sechzehner in der Schlussphase. In den letzten Minuten noch mit der Kraft, sich an den Entlastungsangriffen zu beteiligen. Bei der Drmić-Chance war er einschussbereit mitgelaufen. Note 2,0.

Raffael: Hatte die Großchance in der Anfangsphase, als er den Ball völlig falsch traf und weit neben das Tor setzte. Er stellte sich vorbildlich in den Dienst der Mannschaft und verteidigte mit bemerkenswertem Engagement. Vor allem entwickelte er in den Zweikämpfen eine Wehrhaftigkeit, die man bei ihm sonst nicht so sieht. Seine Dribblings brachten Zeit und Entlastung. Das 2:0 leitete Raffael mit guter Ballbehauptung an der Eckfahne ein. Nach der Pause gab es zwar weniger Entlastungsangriffe, Raffael war dennoch ein Faktor. Vor allem nach dem Anschlusstreffer, als die Borussen die sich ergebenden Räume wieder besser bespielten, war Raffael dabei. Nach dem kurzen Halten von Hummels geriet er auf dem Weg in den Strafraum entscheidend ins Straucheln. Wohl weil er auf den Beinen blieb, ließ der Schiedsrichter weiterlaufen. Note 3,0.

Lars Stindl: Man kann nur den Hut ziehen vor der Bereitschaft des Kapitäns, sich selbstlos für das Team reinzuhängen. Er spulte mit 13,2 Kilometern die größte Distanz aller Akteure ab, war eigentlich überall zu finden und lief unermüdlich die Gegenspieler an. Mit vielen Störaktionen erschwerte er den Münchenern den einfachen Spielaufbau. In den Phasen, wo Borussia aufrückte, war Stindl vorne mit dabei. Mit seinem gescheiten Pass ebnete er Raffael den Weg zu dessen Großchance, das 2:0 von Ginter bereitete er mit seinem energischen Dribbling vor. Defensiv war Stindl auch als Kopfballspieler wichtig. Zum Ende der Partie lief er deutlich auf Reserve, biss sich aber vorbildlich durch. Note 2,5.

Tony Jantschke: Musste nach 12 Minuten kalt ins Spiel und hatte auf der rechten Seite einige Probleme. Im Spiel nach vorne war der eine oder andere ›Panikpass‹ dabei, im Defensivzweikampf blieb er mehrfach zweiter Sieger. Rasselte dann mit James zusammen und musste behandelt werden. Danach schlug er vorne zwei Flanken hinter das Tor. Wurde zur Halbzeit wieder ausgewechselt - Diagnose Schädelprellung. Ohne Note.

Fabian Johnson: Nach Elvedi und Jantschke der dritte Rechtsverteidiger des Abends. Aufgrund der Einwechslung von Coman sicher nicht die schlechteste Wahl, da Johnson zumindest einige Male den Schnelligkeitsvorteil des Franzosen eliminieren konnte. Vorne trat er nur einmal in Erscheinung, als er die erste Ecke herausholte. Im eigenen Sechzehner klärte er gleich mehrfach - einmal vor Lewandowski in höchster Not. Misslungen war eine zu kurze Kopfballabwehr auf Coman. Note 3,0.

Josip Drmić: Hätte sein Comeback vor heimischen Publikum mit einem Tor krönen können. Nachdem er in seiner ersten Aktion mit einem unfreiwilligen ›Flipperball‹ fast eine Bayern-Chance eingeleitet hatte, lief er beim anschließenden Konter von halbrechts frei aufs Tor zu, setzte den Ball aber am langen Pfosten vorbei. Ein Abspiel auf Hazard wäre die bessere Entscheidung gewesen. Ohne Note.

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