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Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Hannover 96 2:1 (0:0)

Auf den letzten Drücker

Redaktion TORfabrik.de

Montag, 02. Oktober 2017 - 23:06 Uhr

Erst in der 94. Minute sicherte sich Borussia Mönchengladbach auf den letzten Drücker den Heimsieg über Hannover 96. Der dreifache Punktgewinn konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Spieler weiter nach ihrer Form suchen.

Startelfdebüt für Mikael Cuisance (Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts / Getty Images)
Startelfdebüt für Mikael Cuisance (Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts / Getty Images)

Yann Sommer: Verlebte bei seinem Comeback einen relativ geruhsamen Nachmittag. Einen Schuss auf sein Tor parierte er, einmal profitierte Sommer vom Ex-Kollegen Korb, der nicht durchzog, sondern fair über ihn hinweg sprang. Die Spieleröffnung war in Ordnung, manchmal hätte es etwas schneller gehen können. Beim Gegentor hätte er rauskommen können oder sogar müssen - Vestergaard fehlte und der Ball rauschte durch den Fünfer. Sommer blieb auf der Linie und hatte gegen den Kopfball aus kurzer Distanz keine Abwehrmöglichkeit. Note 3,5.

Nico Elvedi: An seinem Geburtstag mit einer durchwachsenen Vorstellung. Begann mit einem Annahmefehler, in dessen Folge Harnik den ersten Torschuss abgab. Vor dem Seitenwechsel war bei Ballbesitz eine gewisse Verunsicherung zu spüren, Elvedi traute sich nicht allzu viel zu. Nach der Pause agierte der Schweizer mit etwas mehr Entschlossenheit nach vorne. Die defensiven Aufgaben löste er bis auf wenige Ausnahmen solide. Note 4,0.

Matthias Ginter: Auch er strahlte keine große Souveränität aus, was sich in kleineren Ungenauigkeiten bemerkbar machte. Mit zunehmender Spieldauer erlangte er mehr Sicherheit, gewann einige wichtige Zweikämpfe und zeigte sich vor dem gegnerischen Tor. Ein Kopfball nach einer Ecke flog drüber, seine Ablage nach Cuisance-Freistoß war eigentlich ein perfekter Assist für Johnson. Im Spiel nach vorne mit einem schönen Schnittstellenpass auf Hazard. Machte das Führungstor, bei dem er Glück hatte, weil er den Ball nicht richtig traf. In der Schlussphase schob er sich mehrfach mit nach vorne und spielte vor der Elfmetersituation den Doppelpass mit Grifo. Note 3,0.

Jannik Vestergaard: Hatte zunächst einige Koordinationsprobleme, u.a. bei einer Annahme mit der Brust und zwei, drei weiteren Aktionen. Im Aufbauspiel ein wenig träge und mit dem einen oder anderen Pass ins Niemandsland. Den Großteil seiner Zweikämpfe konnte er für sich entscheiden. Beim Gegentor nicht im Spiel, weil er zuvor behandelt wurde. Vorne mit einem Kopfball ohne Druck, in der 90. Minute mit einer großen Kopfballchance, als der Ball über den Querbalken strich und auf dem Tornetz landete. Note 3,5.

Oscar Wendt: War laut Statistik der Borusse mit den meisten Sprints, was allerdings nicht wirklich ins Gewicht fiel. Er hatte in der Defensive einige Probleme mit Bebou und musste, untypisch für Wendt, gleich mehrfach grätschen. Beim Gegentor wurde er von seinem Gegenspieler angesprungen, was man durchaus auch abpfeifen konnte. Der Schwede war insgesamt sehr reserviert in der Vorwärtsbewegung und erst in der Schlussphase aktiver, als so etwas wie gemeinsamer Druck erzeugt wurde. Note 4,0.

Christoph Kramer: Wird heilfroh sein, die Maske beim nächsten Spiel nicht mehr tragen zu müssen. Kramer kümmerte sich um die Absicherung von Cuisance, lief wie gewohnt viel und betätigte sich als Balleroberer. Seine Zweikampfbilanz (33%) ließ allerdings zu Wünschen übrig. Im Spiel nach vorne drosselte er einige Male unnötig früh das ohnehin nicht hohe Tempo. Insgesamt sehr mannschaftsdienlich, aber ohne entscheidende Impulse geben zu können. Note 3,5.

Mikael Cuisance: Brachte bei seinem Startelfdebüt Phantasie in das ansonsten sehr vorhersehbare Spiel der Borussia. Seine Unbefangenheit, gepaart mit schon recht ›erwachsener‹ Physis und einer ausgezeichneten Technik, machte Spaß. Aber Vorsicht, es war nicht alles Gold, was glänzte. Der 18-Jährige übertrieb es hin wieder mit seiner Neigung zur Trickserei. Die Hackentrickvorlage im eigenen Sechzehner geriet fast zur Katastrophe, zudem erlaubte er sich den einen oder anderen leichten Ballverlust. Gleichwohl tat er dem Gladbacher Spiel gut. Er verlagerte sehr schnell und wusste vorher schon, wer sich wo freiläuft. Cuisance übernahm einen Großteil der Standards, auch die Freistoßhereingabe zum 1:0. Überragend der Steilpass auf Stindl, er selbst versuchte sich vor der Pause mit einem Schlenzer im Strafraum. Machte nach 79 Minuten Platz für Zakaria. Note 3,0.

Thorgan Hazard: Im ersten Durchgang mit einigen fahrigen Aktionen am Ball, aber insgesamt doch sehr agil. Das defensive Stellungsspiel passte, Hazard verzeichnete mehrere Balleroberungen. Wie schon in den letzten Spielen gelang eine Ballmitnahme im Lauf mit einem ›Hacken-Haken‹, in dessen Folge er Tschauner mit dem Linksschuss vor Probleme stellte. Seine Standards (Freistöße von halblinks) waren gefährlich. Beim Elfmeter in der Nachspielzeit blieb er cool - keine Selbstverständlichkeit nach der langen Wartezeit zwischen Pfiff und Ausführung. Note 3,0.

Fabian Johnson: Eine sehr blasse Vorstellung, mit der er sich wahrlich nicht für weitere Startelfeinsätze aufdrängte. In Topform macht er den Gegnern das Spiel schwer und dreht nach Balleroberungen auf, in der derzeitigen Verfassung macht er es sich nur selber schwer. Dennoch stand Johnson in vier Szenen im Brennpunkt: Einen Stindl-Schuss flipperte er auf Tschauner, nach der überlegten Kopfballablage von Ginter trat er sechs Meter vor dem Tor über den Ball. Dann war er Hauptdarsteller der ersten Video-Situation, als er den Ball an die Hand bekam und Glück hatte, dass es keinen Elfmeter gab. Schließlich kam er zu spät beim Ausgleich gegen Harnik - der Alibi-Sprung nutzte nichts. Wurde in der 78. Minute für Grifo ausgewechselt. Note 5,0.

Raffael: Der absolut klare Gewinner des Spiels, wäre es an diesem Nachmittag ums Versteckspiel gegangen. Aufgefallen ist Raffael nur mit einem Aufsetzer, der zur Ecke gelenkt wurde und als er nach der Pause einmal fast zur Stelle war mit einem Flugkopfball. Ansonsten fand der Brasilianer nicht statt, er hatte ganze 15 Ballkontakte in 64 Minuten. Bezeichnend, wie er hinter einem Hannoveraner hertrabte und dabei vom fleißigen, aber nicht für seine Schnelligkeit bekannten, Kramer überholt wurde. Raffael musste vor der Pause viel vorne anlaufen und verlor dadurch merklich Kraft, Lust und Laune. Note 5,0.

Lars Stindl: Hängte sich rein, blieb aber deutlich unter seinen Möglichkeiten. Er konnte den Ball nicht wie gewohnt behaupten, beging Stürmerfouls, lief ins Abseits - es klappte wenig. Sein Überraschungsvolley ans hintere Torgestänge sorgte für verfrühten Torjubel im Borussia-Park. Bei seiner Großchance nach dem tollen Pass von Cuisance brachte er nur einen kläglichen Roller zustande. Nach einem Foul an Stindl gab es den Freistoß vor dem 1:0 und trotz unglücklicher Aktionen blieb der Kapitän immer bereit und willig, der Mannschaft zu helfen. Note 4,0.

Raúl Bobadilla: Ersetzte Raffael und brachte körperliche Präsenz in den Angriff. Er holte eine Ecke raus, rackerte und ließ sich ins Mittelfeld fallen, um Bälle zu holen. Wirklich in Szene setzen konnte er sich, außer mit einer guten Flanke auf Vestergaard, nicht. Ohne Note.

Denis Zakaria: Kam für Cuisance und brachte neuen Schwung. Mit seiner draufgängerischen Art erzeugte er einen gewissen Druck, von dem sich die Hannoveraner verunsichern ließen. Ohne Note.

Vincenzo Grifo: Mit seiner Einwechslung für Johnson war plötzlich einer da, der mit zielgerichteten Aktionen etwas reißen wollte. Ein Schuss wurde zur Ecke geblockt, ein paar Mal zog er drohend nach innen, um in Schussposition zu kommen. Nach tollem Doppelpass und schlauem Einhaken holte er den Kann-Elfmeter heraus. Ohne Note.

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