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Die Frage nach der Identität

Ungewöhnlich gewöhnlicher Fußball

von Marc Basten

Mittwoch, 13. September 2017 - 12:23 Uhr

Für welchen Fußball steht Borussia Mönchengladbach in der Saison 2017/18? Die ersten drei Ligaspiele brachten keinen Aufschluss. Borussia spielt ungewöhnlich gewöhnlich. Mit durchwachsenem Erfolg.

Dieter Hecking muss sich was überlegen (Foto: Christof Stache / AFP / Getty Images)
Dieter Hecking muss sich was überlegen (Foto: Christof Stache / AFP / Getty Images)

Die Enttäuschung über den Auftritt der Gladbacher Borussen gegen Eintracht Frankfurt wog schwer. Es war überraschend, dass die Mannschaft eine ganze Palette an Unzulänglichkeiten präsentierte. Nach diesem Spiel stellt sich auch die Frage nach der Identität des Gladbacher Fußballs in dieser Saison. Für welchen Stil steht die Fohlenelf, welche Spielphilosophie verfolgt sie?

Richtig klar ist das nach vier Pflichtspielen nicht zu erkennen. Es gab Ballbesitzphasen, ein wenig Konterfußball, flügellastiges Aufbauspiel mit Flanken ohne Abnehmer, ganz seltenes Pressing und viele zufallsbasierte Einzelaktionen. Diese Mixtur stellte für die Gegner, die bei allem Respekt nicht zur Premiumklasse gehören, nur eine bedingte Herausforderung dar.

Im Derby sah es zumindest über weite Strecken noch ganz ordentlich aus. Doch die zweite Halbzeit in Augsburg und die kompletten neunzig Minuten gegen Frankfurt lassen einen eher ratlos zurück. In Augsburg ließ man sich, genauso wie in der ersten halben Stunde gegen Frankfurt, von einem recht limitierten Gegner den Schneid abkaufen. Die Mannschaft hatte keine Lösung parat, einem aggressiven und pressenden Kontrahenten zu begegnen und die Räume zu bespielen, die sich hinter der Pressinglinie ergaben.

Als Frankfurt sich verschanzte, suchte Borussia in der nun gänzlich veränderten Gemengelage wiederum vergeblich nach einer Lösung. Es gab viel Ballbesitz, der letztlich jedoch wirkungslos verpuffte.

Die Spielphilosophie bleibt rätselhaft. Sicher, Borussia ist offensiv aufgestellt, über die Flügel geht es oft bis zur Grundlinie, die Außenverteidiger rücken nach und überlaufen. Doch weil Flanken ohne Abnehmer wenig Sinn machen und der flache Rückpass als einzige Option relativ einfach verteidigt werden kann, verlaufen viele Angriffsversuche im Sande. Ansonsten versuchen es Raffael, Hazard oder Herrmann mit Einzelaktionen, bei denen sie die guten Wünsche der Kollegen begleiten. Doch richtige Kombinationen mit mehr als zwei beteiligten Borussen, sieht man immer seltener.

Herrmann mangelt es immer noch am letzten Zutrauen, Hazard muss erwachsener spielen, Raffael wirkt eigenartig gehemmt und Stindl fehlen definitiv die letzten 10 Prozent körperlicher und geistiger Frische, die für sein Spiel unabdingbar sind. Im Mittelfeld machen es Kramer und Zakaria als Balleroberer und -verteiler sehr ordentlich, aber beide sind nicht die Typen Spielmacher, um eine Betonformation auf Seiten des Gegners zu knacken. In Summe führte das gegen Frankfurt dazu, dass die Leichtigkeit im Kombinationsspiel auf der Strecke blieb und man sich keine nennenswerten Torchancen erspielte.

Die defensive Stabilität, die Hecking nach seiner Amtsübernahme in kürzester Zeit vermittelte, ist schon seit dem Hoffenheim-Spiel in der letzten Saison nicht mehr vorhanden. Vielleicht wäre es angebracht – gerade im Hinblick auf die kommenden Auswärtsaufgaben – einen Schritt zurück zu machen und sich wieder auf die Basics zu konzentrieren. Das würde auch den Innenverteidigern helfen, die in neuer Zusammenstellung noch nicht optimal harmonieren und durch mangelnde Kompaktheit des Teams oft in ‚Rettungseinsätze‘ außerhalb des Zentrums verwickelt werden. Was wiederum zur Folge hat, dass kräftige Angreifer wie Cordoba, Finnbogason oder Haller sich leichter durchsetzen können.

Aus einer gefestigten defensiven Grundordnung könnte dann der nächste Schritt hin zu einem Fußball gemacht werden, für den Borussia in dieser Saison steht. Aktuell ist es nur ein ungewöhnlich gewöhnlicher Fußball.

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