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Borussen enttäuschen in allen Bereichen

»Keine Lösungen gefunden«

von Marc Basten und Nadine Basten

Sonntag, 10. September 2017 - 12:51 Uhr

Eine gewisse Ratlosigkeit war bei den Gladbacher Borussen unverkennbar, als sie die verdiente 0:1-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt analysieren sollten. Egal was die Fohlenelf machte, es war in allen Bereichen unzureichend.

Hängen geblieben (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)
Hängen geblieben (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)

Ganz kurz grinste Niko Kovac nach der Pressekonferenz über das ganze Gesicht. Zuvor hatte er den Gegner aus Mönchengladbach über den grünen Klee gelobt und von der Borussia geschwärmt, als ob er sich für den Trainerjob am Niederrhein bewerben wollte. Doch in diesem kurzen Augenblick setzte Frankfurts Trainer zu einem innerlichen ›High-Five‹ mit sich selbst an. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate verließ er den Borussia-Park als Triumphator - mit deutlich verändertem Personal, aber mit den gleichen Mitteln.

Derweil blickten die Borussen relativ ratlos in die Weltgeschichte. Wie schon im Pokal im April ließ man sich von der Frankfurter Bissigkeit in der Anfangsphase überrumpeln. »Wir sind wieder mal schlecht ins Spiel gekommen«, monierte Dieter Hecking. In Augsburg vor zwei Wochen setzte es nach einer halben Minute den Gegentreffer. »Heute hätte es nach 45 Sekunden auch schon 0:1 stehen müssen, das schmeckt mir überhaupt nicht«, ärgerte sich der Trainer. Nur dem Übereifer von Boateng war es zu verdanken, dass der bereits sichere Treffer noch wegen Abseits zurückgepfiffen wurde.

»Eigentlich haben wir uns gut auf die Frankfurter eingestellt«, sinnierte Lars Stindl. »Auf die langen Bälle, die zweikampfstarken Spieler, gerade im Zentrum. Wir haben aber gar nicht gut reingefunden. In der Vergangenheit hat es uns ausgezeichnet, dass wir zu Beginn immer hellwach waren und vom Punkt an immer da sind. Da hatten wir heute und vor zwei Wochen deutliche Probleme.«

Frankfurt kaufte den Borussen erneut den Schneid ab

Die Eintracht kaufte den Borussen - genau wie im Pokalspiel - mit körperlich robustem Spiel den Schneid ab. »Frankfurt war aggressiv und hat uns das Leben schwer gemacht«, sagte Jannik Vestergaard. »Wenn wir versucht haben, weiter vorne Druck zu machen, haben sie das sofort überspielt.« »Wir hatten Probleme mit den langen Bällen, die Boateng und Haller sehr gut festgemacht haben«, ergänzte Hecking. »Das war im Vorfeld besprochen, aber wir haben nicht die richtigen Lösungen gefunden.«

Der Führungstreffer durch Boateng, der damit seinen Fauxpas in der Anfangsminute ausbügelte, war folgerichtig. »Dass sie nach einem Einwurf in Führung gehen, darf natürlich nicht sein«, ärgerte sich Vestergaard. »Wenn der Gegner ein Tor macht, dann wenigstens ein ordentliches. Aber nach unserem Anfang war es trotzdem verdient für Frankfurt.«

Die Eintracht zog sich im Verlauf der ersten Halbzeit zwei Linien zurück und verdichtete den Raum vor dem eigenen Tor. »Wir hatten zuvor schon die eine oder andere Möglichkeit, gerade aus dem Konter heraus«, sagte Stindl. »Aber wir waren da nicht zielstrebig genug.« Räume für Kontersituationen ergaben sich keine mehr, als Frankfurt nach einer halben Stunde Beton anrührte und sich bereits im gepflegten Zeitspiel übte.

Zu viele Schnörkel und nicht zielgerichtet

»Es ist nicht einfach, Torchancen gegen einen Gegner herauszuspielen, der so kompakt verteidigt«, nahm Vestergaard die Kollegen in Schutz, die sich zwar mühten, aber bei Einzelaktionen die Zähne ausbissen. Zur Pause stellte Hecking auf Dreierkette um, was an der grundsätzlichen Situation nichts änderte. »Wir haben viel Aufwand betrieben, unser System umgestellt und hatten viele Ballbesitzphasen«, analysierte Stindl. »Aber uns unterliefen auch einige technische Fehler. In den 50-50 Situationen haben wir uns nicht durchgesetzt, der letzte Pass hat gefehlt. Im letzten Drittel müssen wir zielstrebiger und kreativer werden.«

»Wir haben heute nicht genug Chancen kreiert«, sagte Thorgan Hazard. »Auch mir fehlte der gute finale Schuss.« Der Belgier knallte den Ball nach einem guten Move in den Strafraum hoch in die Nordkurve. Es war dennoch bemerkenswert, weil es einer der wenigen Abschlüsse war, den die Borussen zustande brachten. »Wir haben in der zweiten Halbzeit viel investiert, da kann ich überhaupt keinen Vorwurf machen«, ergänzte Stindl. »Aber es ist natürlich am Ende zu wenig dabei herausgekommen. Wir sind einfach zu wenig in den Sechzehner reingekommen.«

»Wir haben viel probiert, aber oft nicht die richtigen Entscheidungen getroffen«, führte Hecking aus. »Du brauchst auch mal einen Brustlöser.« 13 Ecken verpufften, genau wie einige Distanzschüsse. »Die hätten wir mal öfters ansetzen können«, beanstandete der Coach. »Vieles war zu kompliziert. Es ist eben so bei einer spielerisch veranlagten Mannschaft, dass sie am Sechzehner nochmals den Doppelpass versucht. Wir haben Kreativkräfte, die alle Fußball spielen können. Im Endeffekt geht es aber darum, dass der Ball irgendwann im Tor ist. Und heute haben wir in vielen Situationen mit zu vielen Schnörkeln und nicht zielgerichtet gespielt. Das muss einfach besser werden.«

Auch die Mega-Nachspielzeit verpuffte

Auch die konsequent lange Nachspielzeit von sechs Minuten, die der Schiedsrichter wegen weiterer Verzögerungen sogar auf acht Minuten ausdehnte, half den Borussen nichts. »Selbst wenn es uns am Ende nichts gebracht hat, war es die richtige Entscheidung vom Schiedsrichter«, sagte Vestergaard. »Hut ab, dass er das gemacht hat. Es gab viele Auswechslungen und dazu kamen gefühlte zehn Verletzungen, wo sie behandelt werden mussten und nach zehn Sekunden wieder spielen konnten.«

Am Ende konnten die Gladbacher bei der Ursachenfindung nur an die eigene Nase fassen. Frankfurt stellte die erwarteten unangenehmen Aufgaben und die Borussen wirkten trotzdem erschreckend hilflos. »Trotz der zweiten Halbzeit, wo ich das Gefühl hatte, dass nur wir auf dem Platz waren, hat es nicht gereicht«, sagte Vestergaard. »Wir müssen einsehen, dass wir nicht genug aus dem vielen Ballbesitz gemacht haben.« Während die Borussen weiter rätselten, schlenderte Niko Kovac entspannt zum Mannschaftsbus. Ein Plan kann aufgehen, wenn der Gegner keine Lösungen parat hat, selbst wenn er genau weiß, was auf ihn zukommt. So wie an diesem Samstag im Borussia-Park.

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