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Kolo wechselt nach Mexiko

Vom Hoffnungsträger zum Fehlgriff

von Marc Basten

Mittwoch, 06. September 2017 - 10:11 Uhr

Er wurde als Gewinner-Typ verpflichtet, doch nach 98 Pflichtspielminuten ist Timothée ‚Kolo‘ Kolodziejczak bereits wieder Geschichte in Mönchengladbach. Der Franzose wechselt nach Mexiko. Es ging nur noch um Schadensbegrenzung.

Timothée Kolodziejczak (Foto: TORfabrik.de)
Timothée Kolodziejczak (Foto: TORfabrik.de)

Timothée Kolodziejczak verlässt Borussia Mönchengladbach. Der Franzose wechselt zum mexikanischen Erstligisten UANL Tigres, wo er einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat. Über die Ablösemodalitäten wurde offiziell nichts bekannt gegeben. Borussia soll für den Franzosen geschätzt knapp 8 Millionen Euro an Sevilla gezahlt haben, der Kontrakt des Abwehrspielers in Gladbach hatte eine Laufzeit bis 30.06.2021.

Soweit die Fakten. Was bleibt ist die Frage, warum die Sache mit Kolo und Borussia komplett schiefgegangen ist. Als er im Winter verpflichtet wurde, kam er als Hoffnungsträger an den Niederrhein. Die Fohlenelf befand sich im ungebremsten Sinkflug in Richtung Abstiegsplätze, Trainer André Schubert wurde entlassen, dessen Nachfolger Dieter Hecking gerade offiziell vorgestellt. Der Mannschaft fehlte die defensive Stabilität und diese versprach man sich vom Neuzugang aus Sevilla.

Als der Franzose am 5. Januar der Presse präsentiert wurde, freute sich Sportdirektor Max Eberl über einen vermeintlichen Transfercoup. Seit der U17 habe man den Spieler beobachtet, man sei hartnäckig geblieben und habe jetzt die Chance genutzt, als Kolo in Sevilla nicht mehr so gefragt war. »Wir holen keinen Holzhacker«, sagte Eberl damals. »Er ist ein Fußballer, der einen richtig guten Ball spielen kann. Kolo kann Linksverteidiger oder linker Innenverteidiger spielen, hat eine gute Schnelligkeit und Aggressivität. Er ist ein Typ, der Spiele gewinnen will und eine klare Verstärkung unseres Kaders.«

Auf den Tag genau acht Monate später ‚flüchtet‘ Kolo nach Mexiko. In Mönchengladbach gab es niemanden, der ihn aufhalten wollte, im Gegenteil. Schon lange wurde kommuniziert, dass man einer Trennung offen gegenüberstehen würde, wenn die (finanziellen) Bedingungen akzeptabel seien. Bei Borussia und Kolo ging es nicht mehr um eine sportliche Perspektive, sondern lediglich um Schadensbegrenzung.

Timothée ‚Kolo‘ Kolodziejczak hat in Mönchengladbach allenfalls wegen seines sperrigen Namens Eindruck hinterlassen. Auf dem Fußballplatz ist ihm dies nicht gelungen. Wobei man dem Franzosen zugutehalten muss, dass er auch viel Pech hatte. Zu Beginn war er dran am Startplatz, als ihn eine Verletzung zurückwarf. Dann spielten Christensen und Vestergaard stark und als im Sommer die Karten neu gemischt wurden und sich vielleicht die Möglichkeit der zweiten Chance geboten hätte, verletzte sich Kolo erneut und verpasste den Großteil der Vorbereitung.

So bleiben letztlich nicht viele Arbeitsnachweise, die auf seine wirklichen Qualitäten schließen lassen. Im Training mischte er mit, fiel aber nicht auf. Weder positiv, noch negativ. Letzteres ist durchaus erwähnenswert, weil er sich trotz seiner persönlich unbefriedigenden Situation professionell verhielt. In den vereinzelten Testspielen verfestigte sich der Eindruck, den man auch in den insgesamt 98 Pflichtspielminuten gewinnen konnte, die Kolo im Trikot der Borussia auf dem Platz stand: Es gab durchaus Ansätze, doch für einen, der bei Sevilla Stammspieler war, fehlte einiges.

Am 4. März absolvierte Kolo seinen ersten und einzigen Bundesligaeinsatz – für acht Minuten im Heimspiel gegen Schalke. Fünf Tage später folgte in der Euro-League, diesmal auf Schalke, sein zweites und letztes Pflichtspiel für die Borussia. Die Einzelkritiken sprechen für sich:

Kolo: Debüt für den Franzosen, der acht Minuten vor Schluss für Christensen eingewechselt wurde. Er köpfte unter dem Beifall der Zuschauer einen Ball aus dem Zentrum, daraus resultierte allerdings die Flanke zum Goretzka-Tor. Am Ende verschätzte er sich auf dem tiefen Rasen und spielte einen deutlich zu knappen Rückpass auf Sommer, den di Santo mit seiner Peinlich-Schwalbe nicht nutzte. Ohne Note.

Kolo: Hatte bei seinem Startelfdebüt große Schwierigkeiten. Nicht nur beim Gegentor reagierte er den entscheidenden Tick zu spät und konnte Burgstaller nicht stellen. Die Versuche, rauszurücken und vor den Gegner an den Ball zu kommen, missrieten vor der Pause nahezu komplett. In den Laufduellen fehlt ihm die Endgeschwindigkeit eines Christensen, auch wenn der Vergleich vielleicht etwas ungerecht sein mag. Beim Passspiel sehr unsicher - schon zu Beginn wurde Strobl genötigt, einen Kolo-Fehlpass auf Kosten einer frühen Gelben Karte auszubügeln. Selbst bei einfachen Querpässen musste man die Luft anhalten, weil Kolo sie lasch spielte. Zugutehalten muss man dem Franzosen, dass er sich nach einer wirklich schlechten ersten Halbzeit nach dem Wechsel deutlich stabilisierte. Wendt war nun näher bei ihm und über gewonnene Zweikämpfe kam auch mehr Sicherheit ins Passspiel. Drei, vier gute Eröffnungen passten, ein krasser Fehlpass unterlief ihm dennoch. Es war unverkennbar, dass Kolo in dieser Saison kaum Spielpraxis hatte. Deshalb darf man nach seinen ersten 90 Minuten nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen. Steigern muss er sich allerdings deutlich. Note 4,5.

Steigern konnte sich Timothée ‚Kolo‘ Kolodziejczak nicht mehr, das Kapitel ist seit heute auch offiziell beendet. Im Fußball gibt es keine Garantien und manchmal passt es einfach nicht. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Verantwortlichen bei der Einschätzung der Qualitäten des Spielers ziemlich danebengelegen haben. Für künftige Transfers müssen daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden. Derartige Irrtümer kosten nicht nur Geld, sie mindern auch die sportliche Substanz.

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