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Noch viel Feinschliff nötig

Die ewige Suche nach der Balance

von Marc Basten

Montag, 04. September 2017 - 06:03 Uhr

Nach drei absolvierten Pflichtspielen liegt Borussia Mönchengladbach im Plan. Dennoch müssen die Gladbacher wachsam bleiben. Es ist einiges an Feinschliff nötig. Die Balance passt noch nicht.

Muss noch justieren - Dieter Hecking (Foto: Sebastian Widmann / Bongarts / Getty Images)
Muss noch justieren - Dieter Hecking (Foto: Sebastian Widmann / Bongarts / Getty Images)

Im Pokal die erste Runde bei einem nicht einfachen Gegner gemeistert, in der Liga das komplizierte Derby zum Auftakt daheim gewonnen und beim ›Angstgegner‹ Augsburg einen Auswärtspunkt geholt - der Start von Borussia Mönchengladbach kann als gelungen bezeichnet werden.

Auch wenn es sich nach drei Pflichtspielen verbietet, bereits irgendwelche Urteile abzugeben, so sind doch einige Tendenzen erkennbar, die vor allem eins klar werden lassen: Es wäre unangebracht, wenn sich die Beteiligten nun zurücklehnen und glauben, alles sei in Butter.

Das fängt schon damit an, dass sich die Personalsituation verschlechtert hat. Vincenzo Grifo wird zwar auf absehbare Zeit zurückkehren, bei Tony Jantschke sind die muskulären Probleme mysteriös, weil sie den Rechtsverteidiger außergewöhnlich lange ausbremsen. Josip Drmić spielt selbst in den theoretischsten Überlegungen keine Rolle, Tobias Strobl ist nach seinem Kreuzband-Unfall erst nächstes Jahr wieder ein Thema. Mamadou Doucouré macht keine sichtbaren Fortschritte und Ibrahima Traoré wird wegen des Muskelbündelrisses mehrere Monate ausfallen.

Die defensive Stabilität war die Basis der erfolgreichen Rückrunde

Da Timothée ‚Kolo‘ Kolodziejczak zudem noch abgegeben werden soll, ist der eigentlich breite Kader schon deutlich ausgedünnt. Und das nach drei Pflichtspielen. Nicht seriös beantwortet werden kann die Frage, ob die Umstrukturierung der medizinischen Abteilung bei Borussia etwas bewegt hat. Mit Blick auf Jantschke, Traoré oder Doucouré sieht es von außen betrachtet so aus, als ob sich zur Vorsaison nichts geändert hätte.

Aber auch auf dem Platz lief nicht alles so rund, wie es vier Punkte und der Einzug in die zweite Pokalrunde suggerieren. In Essen tat sich die Mannschaft lange schwer, gegen Köln gab es in der zweiten Halbzeit eine längere Phase, in der der Derbysieg am seidenen Faden hing. In Augsburg war es die komplette zweite Halbzeit, in der das Team schwach spielte.

Zwar wäre es vermessen zu erwarten, dass von Beginn an alles perfekt funktionieren muss, doch gerade die beiden Bundesligaspiele lassen erkennen, dass die Balance noch nicht stimmt. Dieter Hecking hatte dies nach seiner Amtsübernahme nahezu in Rekordzeit unter Kontrolle bekommen. Die defensive Stabilität im Frühjahr war die Basis für die erfolgreiche Rückrunde. Als die Mannschaft im Schlussdrittel der Saison mit weitaus offenerem Visier zu Werke ging, blieben die nachhaltigen Erfolge aus.

Die Außenbahnen als defensive Problemzone

Auch aktuell stellt sich die Frage, ob Borussia nicht zu offensiv ausgerichtet ist. Durch den Wechsel von Dahoud zu Zakaria hat man in der Zentrale mehr Stabilität gewonnen, dafür entpuppen sich die Außenbahnen als defensive Schwachpunkte. Auf der linken Seite setzte Hecking bislang auf das Duo Hazard und Wendt. Hazard ist zwar unheimlich laufstark, doch er hat in der Rückwärtsbewegung seine Schwächen. Wendt wiederum machte seine besten Spiele, wenn er mit Johnson einen ›Stabilitäts-Spieler‹ vor sich hatte, der so manche Türe schloss, die Wendt offenließ.

Die Stärken von Wendt liegen im Spiel nach vorne, ein klassischer linker Verteidiger war er noch nie. Bezeichnend das Gegentor in Essen und das 2:2 in Augsburg, als Wendt beide Male eher alibimäßig verteidigte. Die fehlende Kompaktheit auf der Seite gerät auch als Nachteil für Jannik Vestergaard, der öfter helfend nach links rausrücken muss, was wiederum in der Mitte Räume öffnet.

Auf der rechten Bahn sieht es nicht viel anders aus. Dort spielten Elvedi und Traoré, nach dessen Ausfall Herrmann. Sowohl Traoré als auch Herrmann machen wie auf der anderen Seite Hazard die Wege zurück, doch Rechtsverteidiger Elvedi ist ein anderer Typ als Jantschke, der in der Rückrunde dort seinen Stammplatz hatte. Den jungen Schweizer zieht es, ähnlich wie Wendt, in nahezu jedem Angriff mit über die Mittellinie. Das erweitert die Variationsmöglichkeiten bei Ballbesitz, gleichzeitig geht es zulasten der defensiven Stabilität.

Zu viele Torchancen gegen mittelmäßige Angriffsreihen zugelassen

Über weite Strecken der ›Ära‹ Schubert war Borussia auf der Suche nach der Balance. Aktuell sieht es so aus, als ob die ewige Suche weitergeht. Für eine so mutig ausgerichtete Mannschaft ist der Ertrag zu gering, um das damit verbundene Risiko abzufedern. Es ist gegen offensiv eher mittelmäßige Teams wie Köln und Augsburg noch relativ gut gegangen, dennoch muss alleine die Anzahl der zugelassenen Torchancen hellhörig werden lassen.

In der Länderspielpause gibt es aufgrund der Abwesenheit der Nationalspieler nicht viel Gelegenheit für Dieter Hecking, grundsätzliche Automatismen trainieren zu lassen. Es wird daher spannend sein zu beobachten, wie die Suche nach der Balance weitergeht. Schon gegen Frankfurt am nächsten Wochenende, aber vor allem in der Woche darauf in Leipzig. Es ist fraglos noch eine Menge Feinschliff nötig.

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