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Bobadilla offiziell vorgestellt

»Ich will zeigen, dass ich da bin«

von Marc Basten und Nadine Basten

Donnerstag, 17. August 2017 - 20:48 Uhr

Borussia Mönchengladbach holt Raúl Bobadilla zurück. Diese Nachricht traf die meisten am Donnerstagmittag unerwartet, am frühen Abend wurde der gebürtige Argentinier bereits offiziell vorgestellt. Er ist eine Option fürs Derby.

Raúl Bobadilla ist zurück (Foto: TORfabrik.de)
Raúl Bobadilla ist zurück (Foto: TORfabrik.de)

Es ist fraglos ein Coup, den die Gladbacher Borussen mit der Verpflichtung von Raúl Bobadilla gelandet haben. Zumindest in Bezug auf die Gerüchteküche, in der dieser Wechsel überhaupt kein Thema war. Offensichtlich ist es auch heute noch möglich, Transfers hinter verschlossenen Türen abzuwickeln.

Andererseits hätten wohl auch die meisten derartige Spekulationen als viel zu abwegig beiseitegeschoben. Es ist schließlich schon eine recht kühne Rückholaktion, auf die sich Borussia und Bobadilla einlassen. »Wenn wir was machen, dann muss es für uns Sinn machen«, sagte Max Eberl bei Bobadillas Präsentation. »Ob das für Außenstehende einen Sinn macht, ist dann eine andere Bewertung.«

Dass bei Borussia im Angriff Handlungsbedarf bestand, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. »Es ist bekannt, dass wir vorne im Sturm zu Hazard, Stindl und Raffael einen anderen Typ brauchen«, bestätigte Dieter Hecking. »In den letzten Wochen haben wir über die verschiedensten Modelle diskutiert. Wir haben abgewogen und probiert, was dann aber nicht umsetzbar war.«

»Für meine Innenverteidiger war es immer sehr schmerzhaft, gegen ihn zu spielen«

»Wir wollten was machen, was anders ist, was uns direkt hilft«, führte Max Eberl aus. »Und dabei möglichst wenig Risiko eingehen. Bei diesen Faktoren ist der Markt entweder unbezahlbar, oder er gibt eine Chance her. Diese Chance haben wir bei Raúl gesehen und umgesetzt.«

»Wenn wir über einen anderen Typ sprechen, dann kann das der große kopfballstarke Stürmer sein«, so Eberl weiter. »Oder der robuste und kräftige, der sowohl Fußballspielen kann, als auch Schnelligkeit hat und unangenehm sein kann. Das ist das, was Raúl immer ausgemacht hat.« »Für meine Innenverteidiger war es immer sehr schmerzhaft, gegen ihn zu spielen«, so Hecking. »Ich hatte immer Respekt vor seiner Art Fußball zu spielen.«

Gegen Bobadilla spielen mag niemand, des Weiteren hat er eine »großartige Statistik«, wie Eberl es ausdrückte. »108 Spiele, 29 Tore und 10 Assists - das ist für mich ein außergewöhnlicher Wert in Augsburg«. Doch Bobadilla hat auch eine Vergangenheit, nicht nur in Gladbach. »Natürlich macht man sich noch mehr Gedanken, wenn der Spieler schon mal bei dir war und man die Vorgeschichten kennt«, räumte Eberl ein.

Die Anekdoten über die Kapriolen des jungen Bobadilla sind längst legendär

Bei Borussia sind die Anekdoten über die Kapriolen des jungen Bobadilla längst legendär. In der Schweiz, wo er nach seiner Zeit in Gladbach war, stand Bobadilla mit einem Bein im Gefängnis. Und auch in Augsburg, wo es zwar insgesamt ruhiger um den heißblütigen Südamerikaner wurde, gab es Vorfälle außerhalb des Platzes, u.a. wurde ein Strafbefehl wegen der Verwicklung in eine Schlägerei erlassen.

So ganz klar ist nicht, ob Bobadilla mit mittlerweile 30 Jahren tatsächlich als gereifter Mann nach Gladbach zurückkehrt. In Augsburg jedenfalls liebten ihn die Fans wegen seiner emotionalen Art, andererseits wurde er von intensiven Beobachtern des FCA auch als ›äußerst launisch‹ beschrieben. Auf den ersten Blick ist das kein Profil für einen Spieler, der in Gladbach möglicherweise erst mal die Geduld eines Einwechselspielers aufbringen muss.

»Wir haben uns letzten Samstag in Düsseldorf getroffen und ein intensives Gespräch geführt und auch über die Situation gesprochen, die er vorfindet«, erzählte Hecking. »Nicht jeder nimmt die Konkurrenzsituation, wie sie in Gladbach ist, an. Viele haben gesagt, warum soll ich nach Gladbach kommen, wo kriege ich bei Hazard, Raffael und Stindl meine Einsatzzeiten? Raúl hat sofort gesagt, dass er weiß, wo er steht und wer vor ihm steht. Aber für ihn ist das Ansporn und er will zeigen, dass er den Dreien auch richtig Feuer geben kann. Und wenn er gut spielt, komme ich nicht an ihm vorbei. Das ist genau das Argument, das ich hören wollte. Dass er die Situation kennt, sie einzuschätzen weiß, sich aber nicht hinten anstellen will.«

Herzblut und Emotionen

»Wir haben jetzt jemanden, der mit Herzblut kämpfen und Emotionen bringen wird in eine Mannschaft, die vielleicht auch mal Probleme haben wird, wenn der Gegner hinten massiv steht. Dann hätte der Trainer eine Option, jemanden auf den Platz zu bringen, der sich zerreißen wird«, sagte Eberl.

Durchaus möglich, dass diese Alternative schon am Sonntag im Derby gegeben sein wird. »Raúl kann morgen voll ins Training einsteigen«, so Hecking. »Für Köln habe ich jetzt eine weitere Option.« Das wird man in der Domstadt nicht so gerne hören, schließlich ist Bobadilla so etwas wie ein FC-Experte, nicht nur wegen seiner zwei Tore seinerzeit im Derby mit Borussia. »Mit dem FCA habe ich auch ein paar Mal gegen Köln getroffen«, sagte Bobadilla. »Ich weiß ganz genau, was ein Derby für Borussia bedeutet.«

Bobadilla, der noch am Mittwoch das Training in Augsburg wegen Knieproblemen abbrechen musste, präsentierte sich gut gelaunt und offensichtlich startklar. »Ich weiß ganz geanu, wo ich stehe und was ich tun muss«, sagte er. »Ich freue mich, zurück in meiner alten Heimat zu sein und die Chance bekommen zu haben, zu Borussia zurückzukommen. Es war meine Entscheidung, nach Gladbach zu gehen und ich weiß, dass ich viel Konkurrenz von Top-Spielern habe. Aber ich bin bereit zu kämpfen. Wenn der Trainer entscheidet, dass ich spiele, bin ich bereit.«

Große Sprüche wollte Bobadilla nicht klopfen. »Mein Ziel ist es, nicht so viel zu sagen, sondern zu machen. Ich will meinem Trainer und meinen Kollegen zeigen, dass ich da bin. Ich möchte helfen und ein Teil dieser Mannschaft sein.«

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