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Nico Schulz

Am Ende im Fokus

von Marc Basten und Nadine Basten

Donnerstag, 06. Juli 2017 - 19:51 Uhr

Nico Schulz galt für viele bereits als Fehleinkauf, nachdem er anderthalb Jahre bei Borussia kaum in Erscheinung trat. Erst im April rückte er durch die Verletzung von Oscar Wendt in den Fokus und wusste durchaus zu gefallen.

Nico Schulz machte auf sich aufmerksam (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)
Nico Schulz machte auf sich aufmerksam (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)

Nico Schulz und Borussia Mönchengladbach - diese Beziehung stand lange Zeit unter keinem guten Stern. Der Last-Minute-Einkauf der Saison 2015/2016 zog sich im Frühherbst 2015 einen Kreuzbandriss zu und fiel damit praktisch die komplette Spielzeit aus. Die turbulenten Monate nach dem Abgang von Lucien Favre und der Aufholjagd unter André Schubert erlebte der gebürtige Berliner nur als interessierter Zuschauer.

Im letzten Sommer sollte ein Neustart erfolgen, doch André Schubert fand nicht wirklich Verwendung für den Linksfuß. Mit Oscar Wendt gab es einen Platzhirsch auf der linken Seite, zudem gab es im 3-5-2 noch einige weitere Kandidaten, die auf der linken Bahn die Nase vorn hatten. So wurde die Hinrunde für Schulz zu einer frustrierenden Angelegenheit.

Obwohl die Verletzungssorgen parallel zur steigenden Belastung immer größer wurden, blieb Schulz bis in den Dezember hinein so weit außen vor, dass er nicht in die Startelf rotierte. Sechs mickrige Kurzeinsätze verzeichnete er, ehe er ausgerechnet im undankbaren Champions-League-Spiel beim FC Barcelona sein Comeback in der Anfangsformation geben durfte. Eine Stunde wirkte er mit und machte seine Sache ohne Spielpraxis und in einer total überforderten Mannschaft recht ordentlich. Dennoch reichte es bis zur Winterpause nur zu einem weiteren Drei-Minuten-Einsatz in der Bundesliga.

Die Chance genutzt

Der Trainer- und Jahreswechsel kam für Nico Schulz wie gerufen. Dieter Hecking ging unbefangen an die Sache heran und Schulz hängte sich in der Vorbereitung richtig rein. Er hinterließ Eindruck und wurde von vielen Beobachtern als einer der Gewinner der ersten Hecking-Wochen eingeordnet. Vermutlich wäre er beim ersten Pflichtspiel in Darmstadt auch aufgelaufen, wenn ihn nicht ein grippaler Infekt ausgebremst hätte. Hecking setzte auf Wendt und der Schwede spielte sich als linker Außenverteidiger in den nächsten erfolgreichen Wochen fest.

Der wiedergenesene Nico Schulz durfte sich das Ganze wieder nur von draußen aus ansehen - er stand mehrfach nicht mal im 18er-Kader. Erst in den letzten fünf Saisonspielen rückte der 24-Jährige in den Fokus. Oscar Wendt brach sich im Pokalhalbfinale gegen Frankfurt den Ellenbogen, Schulz übernahm kurz vor der Pause die Position des Schweden. Obwohl die Partie ein so unglückliches Ende nahm, wusste Schulz als Wendt-Vertreter zu gefallen. ›Er war ein belebendes Element mit viel Dynamik‹, hieß es in der Einzelkritik.

Vier Tage später beim Auswärtsspiel in Mainz wurde er zum Mann des Tages. Beim Startelfdebüt unter Dieter Hecking bereitete er zunächst den Führungstreffer durch Stindl mit einem zielstrebigen Tempolauf vor und erzielte kurz nach der Pause selbst den vorentscheidenden zweiten Treffer. Zum ersten Mal in seinen knapp zwei Jahren in Mönchengladbach stand Nico Schulz an diesem Tag im Fokus der Öffentlichkeit.

Schulz wird als Wechselkandidat gehandelt

In den verbleibenden drei Partien zeigte er, dass die Leistung von Mainz keine Eintagsfliege war. Auch wenn Borussia sich zu drei Remis ›würgte‹, machte Schulz seine Sache sehr ordentlich und wurde so zum ›Gewinner des letzten Monats‹. Vor allem im Spiel nach vorne brachte er eine gehörige Portion Schwung und Unbefangenheit mit. Während die Kollegen allzu oft vor lauter Schnörkeln den Abschluss verpassten, agierte Schulz gradlinig und zielgerichtet. Manche Aktion geriet zwar etwas blauäugig, insgesamt war es dennoch erfrischend, was der ehemalige U21-Nationalspieler zeigte.

So wurde das allgemein eher zähe Ende der Saison für Nico Schulz zu einem kleinen ›Happy-End‹. Die Frage, wie es mit dem Ex-Herthaner bei Borussia weitergeht, bleibt gleichwohl offen. Er wird auch nach dem Trainingsauftakt Anfang Juli als einer der Kandidaten gehandelt, der noch abgegeben werden soll. Die letzten Wochen haben jedoch gezeigt, dass Schulz über Potential verfügt, auch wenn er gerade im defensiven Stellungsspiel noch zulegen muss.

Es ist durchaus vorstellbar, dass er sich als ernstzunehmender Konkurrent für Oscar Wendt positionieren kann, zumal der Schwede langsam aber sicher auch ein gewisses Alter erreicht. Andererseits braucht Schulz Spielrhythmus und ein drittes Jahr in der zweiten Reihe wäre sicherlich nicht förderlich. Das letzte Wort dürfte in dieser Sache noch nicht gesprochen sein.

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