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Einzelkritik: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 5:3 (2:2)

Zu offen beim Schlagabtausch

Redaktion TORfabrik.de

Montag, 17. April 2017 - 23:24 Uhr

Es war ein Spektakel am Ostersamstag in Sinsheim, Borussia Mönchengladbach hätte durchaus einen Punkt verdient gehabt. Doch letztlich waren die Borussen beim Schlagabtausch zu offen, um etwas mitzunehmen.

Frisurentest (Foto: Amelie Querfurth / AFP / Getty Images)
Frisurentest (Foto: Amelie Querfurth / AFP / Getty Images)

Yann Sommer: Fünf Gegentore sind ein Albtraum für einen Keeper. Sommer reagierte vor dem 0:1 noch gut gegen den Wagner-Kopfball, konnte den Ball aber nicht weit genug zur Seite lenken. Beim 0:2 schlug der Schuss im kurzen Eck ein, das Sommer eigentlich geschlossen hatte. Hier sah er zumindest unglücklich aus. Beim Freistoß zum vorentscheidenden 2:3 stand er zunächst gut, machte dann jedoch den Schritt nach links, um sich beide ›Optionen‹ offenzuhalten. Letztlich stand er wie angewurzelt und schaute nur hinterher, wie der Ball ins lange Eck plumpste. Beim 2:4 gegen den 93 km/h-Knaller in den Winkel war nichts zu machen, auch beim letzten Gegentor schuldlos. Hielt zweimal stark bei Schüssen von Amiri. Note 4,0.

Nico Elvedi: Beschränkte sich in seinem Aktionsradius klar auf die eigene Hälfte und war, anders als in der Vorwoche in Köln, kaum im Offensivspiel zu finden. Lediglich bei der Vorbereitung der Traoré-Chance kurz nach dem Seitenwechsel meldete er sich nachdrücklich am Hoffenheimer Sechzehner. Ansonsten mit einer eher farblosen Vorstellung. Der Schweizer hatte zwei, drei gute Balleroberungen, seine Zweikampfbilanz hielt sich die Waage, im Passspiel gab es hier und da Ungenauigkeiten, ohne dass diese nennenswerte Folgen gehabt hätten. Beim letzten Tor kam er nicht mehr rechtzeitig, um gegen Demirbay noch eingreifen zu können. Note 4,0.

Andreas Christensen: Konnte sich einerseits für eine Passquote von 100% feiern lassen (58 von 58 Pässen kamen an), andererseits hatte er überraschend große Schwierigkeiten in den direkten Duellen mit Wagner & Co. Die kantigen Hoffenheimer Angreifer setzten sich erstaunlich oft durch. Auch wenn Christensen an keinem Gegentor unmittelbare Schuld trug (beim 0:1 versuchte er vergeblich, für Vestergaard gegen Wagner zu retten), fehlte seine gewohnte Präsenz. Ärgerlich für den Dänen, dass der Schiedsrichter seine Zweikämpfe mehrfach falsch beurteilte. Ein normales Kopfballduell wurde abgepfiffen, eine minimale Berührung hatte Gelb zur Folge. Und den klar regelwidrigen Einsatz von Kramaric vor dem letzten Treffer übersah der Unparteiische. Vorne trat Christensen beim ersten Gladbacher Tor in Erscheinung, als er die Freistoßflanke per Kopf in die Mitte ablegte. Note 4,0.

Yannik Vestergaard: Wurde beim Freistoß vor dem 0:1 von Vogt weggeblockt, wodurch Wagner frei zum Kopfball kam. Beim 0:2 war er bei Szalai, bekam den Fuß aber nicht nicht mehr dazwischen. Kurz vor der Pause unterlief Vestergaard ein Fehlpass, in dessen Folge er Kramaric im Strafraum elfmeterreif foulte und schließlich gegen Wagner mit letztem Einsatz rettete. Darüber hinaus in mehreren Duellen stabil und auch unter Druck geriet er nicht in Panik. Das wirkte teilweise sehr abgeklärt. Bei seinem Treffer aufmerksam und entschlossen in letzter Instanz. Note 4,0.

Oscar Wendt: Offensiv der auffälligere der beiden Außenverteidiger. Mit seiner Freistoßhereingabe bereitete er den ersten Gladbacher Treffer vor, mit einer butterweichen Flanke bediente er Hahn vor dem Pfostenschuss und das Dahoud-Tor leitete er mit einer Hereingabe auf Drmić ein. Hinten mit ein paar Schwierigkeiten, wenn Toljan in seinem Rücken durchstarten konnte. Vor dem 0:2 orientierte sich Wendt aus der Mitte auf die rechte Seite, während links Flankengeber Rudy komplett blank stand. Note 3,5.

Tobias Strobl: An alter Wirkungsstätte beschränkte er sich bis auf wenige lange Bälle und Verlagerungen auf bedachtes und risikoloses Kurzpassspiel. Ein Fehlpass war allerdings höchst kritisch und leitete den Lattenschuss von Kramaric ein. Vorne mit dem Assist zum Vestergaard-Treffer, als er die Kopfballablage von Christensen verlängerte. Gegen den Ball oft mit zu langer Reaktionszeit bei Aktionen des Gegners. Vielfach wurde er einfach überspielt, was auch an der insgesamt unsauberen Staffelung lag. Vor dem 2:4 ließ er sich von Uth austanzen. Note 4,0.

Mo Dahoud: War sehr aktiv und viel unterwegs. Zu Beginn mit einem misslungenen Steckpassversuch und einmal etwas zögerlich, als er selbst hätte abschließen können. In der Rückwärtsbewegung mit Schwierigkeiten, als Hoffenheim ins Rollen kam. Zwei, drei Nachlässigkeiten von Dahoud brachten die Gastgeber in Position. Mit seiner coolen und überlegten Ablage auf Stindl bereitete er das 2:2 vor, den Anschlusstreffer zum 3:4 markierte er mit einem gescheiten Schuss mit dem Innenrist von der Strafraumgrenze. Im Offensivspiel der Gladbacher war Dahoud der Aktivposten. Glück hatte er, dass er für sein beidfüßiges Einsteigen gegen Demirbay nur Gelb sah. Note 3,5.

Ibrahima Traoré: Fiel bei seinem Startelfcomeback über weite Strecken des ersten Durchgangs dadurch auf, dass er sehr aufmerksam mit nach hinten arbeitete. Nach vorne gab es ein paar Ansätze, doch meist brach er die Aktionen selbst wieder ab. Erst in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs setzte er sich auf rechts durch und flankte stark in Richtung Hofmann. In Borussias bester Phase nach der Pause war Traoré sehr auffällig, sein Aufsetzer im ›Robben-Style‹ flog nur knapp am Tor vorbei. Den Angriff zum Pfostenschuss von Hahn leitete er zentral mit dem Zuspiel auf Flankengeber Wendt ein. Nach etwas mehr als einer Stunde war er ›platt‹ und wurde nach entsprechendem Signal in Richtung Bank in der 74. Minute ausgewechselt. Note 3,5.

Jonas Hofmann: War wieder der laufstärkste Gladbacher, doch erneut standen Aufwand und Ertrag nicht im richtigen Verhältnis. Am Ball war Hofmann nicht zwingend, in den entscheidenden Momenten zögerte er. Bei abfallenden Bällen agierte er zu sorglos und nicht gierig genug. Seine Hereingaben mit links waren harmlos. Lief Baumann vor dem 2:2 energisch an und provozierte den Panik-Pass des Keepers. Das Handspiel hätte der Schiedsrichter - auch wenn es unabsichtlich war - abpfeifen müssen. Nach der schönen Traoré-Flanke kurz vor der Pause fehlte ihm der Biss, den Ball um jeden Preis zu erreichen zu wollen. Wirkliche Entschlossenheit zeigte er erst in der Nachspielzeit, als er Baumann mit einem Linksschuss aus achtzehn Metern zu einer Glanzparade zwang. Note 4,5.

Lars Stindl: Wurde rechtzeitig fit für das Spiel, bei dem er wie gewohnt über 11 Kilometer abspulte. Er rieb sich jedoch über weite Strecken in dem Bemühen auf, das Geschehen aus der Zentrale zu steuern. Was er sonst im Wechsel mit Raffael macht, musste er diesmal alleine lösen. Dabei traf er einige unglückliche Entscheidungen, die zu Ballverlusten führten. Für ein Frustfloul sah er Gelb, den Freistoß vor dem 0:1 verursachte er ebenfalls. Aufmerksam und sicher schob er zum Ausgleich ein. Note 4,0.

André Hahn: Hatte in 74 Minuten Spielzeit nur 16 Ballkontakte - das war rekordverdächtig wenig. Einsatzwille und Laufbereitschaft stimmten, wobei er untypisch oft im Infight ›abgekocht‹ wurde. Die Statistiker zählten 16 Zweikämpfe, von denen er nur 3 für sich entschied. Vor dem 0:2 versuchte er vergeblich, als linker Verteidiger auszuhelfen. Seine beste Aktion vor der Pause war, dass er vor dem 2:2 wegblieb und Dahoud den Ball überließ. Nach dem Wechsel fehlte eine Fußspitze, um den Traoré-Schuss aufs Tor zu lenken. Alsdann traf er nach Wendt-Flanke nur den Pfosten, wobei man Hahn hier nichts vorwerfen kann. Das war sauber gemacht und letztlich einfach Pech. Note 4,5.

Patrick Herrmann: Ersetzte Traoré in den letzten sechzehn Minuten, kam aber über Ansätze nicht hinaus. Ohne Note.

Josip Drmić: Kam für Hahn in der 74. Minute und hatte letztlich nur einen Ballkontakt weniger als der Kollege zuvor. Richtig in Szene setzen konnte sich der Schweizer auch nicht, wobei er immerhin am Dahoud-Tor beteiligt war, als er zunächst etwas unbeholfen per Hacke abschließen wollte, sein anschließender Drehschuss geblockt wurde und bei Dahoud landete. Ohne Note.

László Bénes: Kam fünf Minuten vor dem Ende für Strobl, konnte sich aber nicht mehr nennenswert zeigen. Ohne Note.

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