Montag, 25. Februar 2013 - 07:54 Uhr
Amin Younes war der Mann des Tages. »Ich habe bestimmt zehn Mal das Gleiche erzählt«, raunte er zu später Stunde in den Katakomben des Borussia-Parks. Nach seiner Startelf- und Torpremiere in der Bundesliga musste der 19-Jährige immer wieder Auskunft über seine Gemütslage geben. »Besser kann man es sich nicht vorstellen. Es ist unglaublich und ich werde es wohl erst später richtig realisieren können«.
Lucien Favre hatte den ihm oft abgesprochenen Mut bewiesen und nach dem Ausfall der offensiven Kreativkräfte Herrmann und Arango auf Younes gesetzt. »Ich bin dem Trainer sehr dankbar für das Vertrauen und die Wertschätzung«, erklärte der Youngster artig.
Mit seinem Tor (Younes: »Ich hatte ein bisschen Glück, dass der Schuss so abgefälscht wurde«) holte er sein Team zurück ins Spiel, zuvor überzeugte er bereits mit mehreren guten Situationen. »Er kommt unbekümmert da rein und hatte auch schon in der ersten Halbzeit Aktionen, wo über ihn einiges hätte entstehen können«, lobte Sportdirektor Max Eberl das Eigengewächs für seine engagierte Vorstellung.
»Er ist eine weitere Option für die Offensive«, ergänzte Lucien Favre. »Er kann die Bälle behaupten und hat Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er hat es gut beherrscht, hat seine Qualität in den 1:1 gegen Situationen gezeigt und war trotz seiner Größe sehr präsent in den Zweikämpfen. Ein ‚Bon Début‘«.
Selbstredend warnte Favre ob all der Begeisterung um Younes, dass alle mal schön »auf dem Boden bleiben« sollten. Der Frage, ob Younes nach dieser Vorstellung nun auch für die nächste Partie mehr als nur eine Option sei und auf welcher Position der Trainer ihn künftig sieht, wich Favre aus.
Dass Younes keine schlechte Wahl war, zeigte die Partie gegen den BvB jedenfalls eindrucksvoll. Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, dass der kleine Wirbelwind vor der Pause der einzige war, der in der Offensive etwas Leben in die Bude brachte.
»Wir haben nach vorne kaum stattgefunden«, fand Marc-André ter Stegen deutliche Worte. »Wir waren zu passiv«, ergänzte Lucien Favre »Dortmund konnte das Spiel zu leicht machen, es war zu einfach für sie«.
So sei die Führung der Dortmunder »nicht unerwartet« gefallen, fuhr Favre fort. Im Vorlauf der Elfmetersituation habe es »taktische Fehler« gegeben. »Reus sollte da nicht so frei sein«.
ter Stegen brachte Götze zu Fall und nahm das Gegentor anschließend auf seine Kappe. »Es war ein gerechtfertigter Elfmeter. Götze legt den Ball am Tor vorbei, aber er nimmt meinen hohen Fuß an, weil er auch irgendwo ein Fuchs ist. Ich muss mich da einfach geschickter anstellen«.
Ohne eigene Torchance ging es in die Pause, danach kam die Borussia vom Niederrhein besser ins Spiel. »Die zweite Halbzeit war von uns aggressiver und aktiver. Da zeigten wir, dass wir sehr gut Fußball spielen können«, lobte Favre. »Wir haben besser nach vorne gepresst und man hat gesehen, dass Dortmund hinten nicht ganz fehlerfrei war«, fügte ter Stegen an. »Wenn man mutig nach vorne spielt, wird man belohnt«.
Am Ende war es ein Schlagabtausch mit offenem Visier. Mlapa hatte in der Schlussminute den Siegtreffer für die Fohlenelf auf dem Fuß, in der Nachspielzeit vergab Dortmunds Kehl eine noch viel größere Möglichkeit für den Meister. »Beide konnten das 2:1 machen, mit dem 1:1 können wir leben«, resümierte Lucien Favre.
»Es war wichtig, dass sich die Mannschaft nach dem Ausscheiden in Rom so präsentiert hat«, sagte Max Eberl. »Das war ein wichtiger Schritt in einer wichtigen Zeit«.
»Ein Haken hinter Rom«, forderte Marc-André ter Stegen. Nach dem leidenschaftlichen Auftritt gegen den BvB kann der gemacht werden.