Donnerstag, 21. Februar 2013 - 23:29 Uhr
Noch lange nach Spielschluss feierten die Fans von Borussia Mönchengladbach im Stadio Olimpico. Zum Teil aus Trotz, zum Teil auch notgedrungen, denn der Block wurde erst spät für den geordneten ‚Abmarsch‘ geöffnet. Die Spieler gingen nochmal in die Kurve, auch Lucien Favre ließ sich blicken. Und die Fans feierten sowohl Mannschaft als auch den Trainer.
»Die Fans haben ein feines Gespür«, sagte Sportdirektor Max Eberl in den Katakomben des Olympiastadions. »Die Unterstützung war auch noch da, als die Niederlage amtlich war«.
Und das war faktisch schon nach zehn Minuten Spielzeit, als Alvaro Dominguez dieser Fauxpas unterlief. »Das war kein Pech, das war ein großer Fehler von mir«, suchte der Spanier überhaupt nicht nach Ausflüchten für seinen Blackout.
»Wir haben einmal geschlafen und das wurde sofort bestraft«, sagte Marc-Andre ter Stegen. »Aber es gibt keine Vorwürfe an Alvaro, er macht das ja nicht extra«. Unmittelbar nach dem Gegentor hatte es den Eindruck, als ob ter Stegen seinem Vordermann am liebsten eine verpasst hätte. »Mich trifft das Ausscheiden sehr«, gab ter Stegen zu.
Auch wenn der Keeper beim zweiten Gegentor ebenfalls nicht gut aussah, hätte dieser ‚Biss‘, den ter Stegen ausstrahlte, den Kollegen und auch dem Trainer an diesem Abend in Rom gut zu Gesicht gestanden. Doch stattdessen präsentierte sich Borussia wie das »Kaninchen vor der Schlange«, wie es Max Eberl zur Halbzeit im TV-Interview sagte.
»Wir hatten nach dem frühen, unnötigen Tor im Kopf, dass wir zwei Tore schießen müssen«, sagte Lucien Favre. Das habe seine Mannschaft gehemmt. »Wenn sie früh unter Druck gesetzt werden, sollten sie lange Bälle spielen und aufrücken«, so Favre. »Das hat nicht geklappt. Es war zu einfach für Lazio«.
»Wir haben versucht, Fußball zu spielen«, meinte ter Stegen. »Aber wir konnten nicht viel kreieren, da müssen wir uns an die eigene Nase fassen«.
»Wir hatten uns einen größeren Fight vorgestellt. Um diesen haben wir uns selbst beraubt«, erklärte Max Eberl.
Nach dem zweiten Gegentor hissten die Borussen die weiße Fahne und kapitulierten. »Wir hätten mehr nach vorne spielen müssen«, sagte ter Stegen. Doch seine Vorderleute konnten, wollten und durften nicht.
Es ging letztlich nur noch um Schadensbegrenzung, an die theoretische Chance auf das ‚Wunder von Rom‘ glaubte niemand. Dabei zeigte Lazio in der Schlussphase, als die Borussia endlich mal über ein paar Minuten Druck aufbauen konnte, dass die Abwehr durchaus verwundbar war.
»Es ist keine Schande, gegen den 4. der Serie A auszuscheiden«, sagte Max Eberl. Die Art und Weise, wie dieses Ausscheiden zustande gekommen ist, taugt gleichwohl nicht zur Legendenbildung.
»Ich hoffe, es dauert nicht nochmal so lange, bis wir wieder im Europapokal spielen«, sinnierte Marc-André ter Stegen. »Europa war für jeden von uns eine interessante und lehrreiche Erfahrung«.
Das gilt auch für die Borussenfans, die in Rom ein tolles Bild abgaben. »Das war ein Spektakel von den Fans«, sagte ter Stegen anerkennend. »Leider war es von uns kein Spektakel auf dem Platz«.