Mittwoch, 16. Januar 2013 - 10:12 Uhr
Gerade einmal zehn Monate ist es her, dass de Camargos Siegtreffer in Leverkusen seinen sonst so nüchternen Trainer derart in Ekstase versetzte, dass dieser zu einem Jubellauf über das halbe Spielfeld ansetzte, um seinen Schützling zu herzen. Diese Liebesgeschichte, die ihren Ursprung bereits in de Camargos so wichtigem Relegationstreffer gegen Bochum fand, hat sich nunmehr endgültig erledigt.
In beiden Testspielen in Dubai verwehrte Lucien Favre seinem Stürmer die Zuwendung und ließ ihn somit keine einzige Spielminute absolvieren. Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager wurde de Camargo in einem Gespräch mit Trainer und Sportdirektor erläutert, dass seine Zukunft nicht mehr in Mönchengladbach liegt.
Sollte de Camargo in der aktuellen Transferperiode einen Verein präsentieren, würde Borussia ihn zu akzeptablen Bedingungen ziehen lassen.
Eine Ansage, die in ihrer Deutlichkeit überrascht. Zwar hatte Sportdirektor Max Eberl bisher durchblicken lassen, dass man bei einem entsprechenden Angebot für de Camargo nicht kategorisch abwinken würde. Dass jetzt quasi eine ‚Freigabe‘ erteilt wird, ist sehr nachdrücklich.
Ob es ein vernünftiges Vorgehen ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat der Südamerikaner nicht erst mit seinen Treffern gegen Limassol bewiesen, welche Qualitäten er auch aktuell für die Mannschaft besitzt. Zudem hinterließ er nicht den Eindruck, dass er aufgrund seiner Situation zum ‚Stinkstiefel‘ mutiere und den Mannschaftsfrieden störe. Trotz diverser persönlicher Durststrecken entsprach de Camargo bislang nie dem Klischee einer beleidigten brasilianischen Diva.
Gleichzeitig bringt sich Borussia in Zugzwang, für den Fall des Abgangs von de Camargo noch in diesem Winter einen neuen Spieler zu präsentieren. Benötigt wird ein schneller und technisch versierter Angreifer, der den hohen Anforderungen von Lucien Favre bestehen kann. Im überteuerten Winterschlussverkauf einen solchen Treffer zu landen, ist nicht einfach. Aber vielleicht hat man bei Borussia ja ein Ass im Ärmel und forciert deshalb den Verkauf von de Camargo.
Die Scheidung zwischen Borussia und Igor de Camargo steht unmittelbar bevor, weil es dem Stürmer letztlich nicht gelungen ist, seinen Trainer davon zu überzeugen, dass er mehr ist, als „nur“ der Mann für die gewissen Minuten. Und das ist nicht wirklich ein Happy-End einer Beziehung, die wohl doch eher eine Zweckehe war.