Donnerstag, 10. Januar 2013 - 15:23 Uhr
Als Alexander Ring vor einem Jahr im Wintertrainingslager seine ersten Schritte machte, kam er durchaus forsch daher. »Ich bin nicht gekommen, um auf der Bank zu sitzen«, sagte er im türkischen Belek. Ein Jahr später in Dubai wirkt er deutlich zurückhaltender. Schließlich ist größtenteils das eingetreten, was er eigentlich vermeiden wollte.
Zwölf Bundesligaspiele in einem Jahr, dabei keines über die volle Distanz, weist die Statistik aus. Im Europapokal stand er immerhin in sechs Partien auf dem Platz, zuletzt in Istanbul auch über 90 Minuten. Doch die Bilanz eines Stammspielers ist dies nicht.
»Mir war schon bewusst, dass der Sprung aus der finnischen Liga in die Bundesliga ein großer sein würde«, sagt der 21-Jährige heute. »Klar, bin ich nicht zufrieden. Natürlich will ich immer spielen«.
»Die Verletzung in der Vorbereitung auf diese Saison war sicherlich etwas unglücklich«, sagt Ring rückblickend. »Danach habe ich mich zwar reingebissen, habe aber selber gemerkt, dass noch etwas fehlt«.
Es war die Phase zu Saisonbeginn, als Borussias Trainer Lucien Favre nach Formation und System suchte. Alexander Ring spielte bei diesen Überlegungen durchaus eine Rolle, wirkte sogar im wichtigen Champions-Leauge-Qualifiaktionsspiel gegen Kiew von Anfang an mit und erzielte Borussias erstes Europacup-Tor seit 16 Jahren.
Doch im Zuge der Findungsphase von Lucien Favre rutschte Alexander Ring auf die Bank. »Und dann hat sich das Team aus der Krise gespielt und der Trainer seine Mannschaft gefunden«. Alexander Ring blieb weiter draußen, letztlich kam er nur auf vier Ligaeinsätze in der Hinrunde.
Durchaus eine Rolle hat bei dieser Entwicklung die Tatsache gespielt, dass Alexander Ring meistens auf der rechten Seite zum Einsatz kam. »Das habe ich für die Mannschaft gespielt, weil der Trainer keine anderen Optionen hatte«, erklärt der Finne. »Ich bin zentraler Mittelfeldspieler«, stellt er klar.
Die Versetzung auf die Seite war nicht ganz einfach. »Als gelernter zentraler Mittelfeldspieler hat man gewisse Bewegungsabläufe, die aus dem Hinterkopf kommen. Wenn man rechts spielt, ist das etwas anderes. Man verteidigt auch anders auf Außen als im Zentrum. Da waren bei mir sicherlich Situationen dabei, wo ich nicht genau wusste, wie ich mich anstellten sollte«.
Ein wenig undankbar war es für Alexander Ring schon, sich nur auf einer Position zeigen zu können, die eigentlich nicht seine ist. Doch seit einiger Zeit scheint auch bei Trainer Lucien Favre ein Umdenken stattzufinden. »Seit der Vorbereitung auf das Spiel gegen Marseille trainiere ich im Mittelfeld und es macht richtig Spaß. Ich denke, der Trainer sieht mich jetzt auch dort«, zeigt sich Ring optimistisch.
Nicht zuletzt, weil er in der Europa-League in Istanbul in zentraler Position eine richtig starke Leistung bot.
Auch im Trainingslager in Dubai besetzt Ring in den Spielformen immer eine der 6er-Positionen, im Spiel gegen den HSV agierte er zentral an der Seite von Granit Xhaka. »Es war das erste Testspiel und etwas schwer, reinzukommen. Es war sicherlich nicht das spritzigste Spiel von mir«, sagt er durchaus selbstkritisch.
»So wie der Trainer bin ich auch«, erklärt er. »Ich bin nie zufrieden und will immer besser werden. Und deshalb spiele ich auch bei Borussia in der Bundesliga, weil es eine der besten Ligen der Welt ist«.
Läuft alles wie geplant, bleibt Alexander Ring auch künftig ein Borusse. Aktuell ist er bis Sommer ausgeliehen. »Borussia hat eine einseitige Kaufoption«, sagt der Finne. Und Sportdirektor Max Eberl stellt klar, dass man Alexander Ring gerne behalten will: »Wir sind da sehr positiv eingestellt.
Der Spieler ist ebenso zuversichtlich. »Ich weiß, wo es lang geht. Ich bin überzeugt, dass ich mich hier durchbeißen werde, wenn man mir die Chance gibt, über längere Zeit zu spielen. Du brauchst dieses Spielgefühl, dieses Situationsgefühl. Das bekommst du nicht über das Training, sondern nur in den Spielen«.
So wie in der Nationalelf Finnlands. »Seit meinem Debüt gegen Schweden habe ich jedes Spiel gemacht«, sagt Ring. »Klar ist das ein Manko, wenn man im Verein nicht spielt. Aber ich habe großes Vertrauen vom Trainer dort. Es ist auch gut für meine Situation, dass ich da wenigstens immer 90 Minuten spiele. Das hilft mir auch bei Borussia«.
Doch selbstredend wird es auf Dauer nicht so weiterlaufen können. »Ich bin es nicht gewohnt, über einen so langen Zeitraum nicht zu spielen», sagt Ring. »Wenn es so weiter geht, muss man sich sicher hinsetzen und besprechen, welche Lösung es gibt. Aber ich bin keiner, der einfach aufgibt und wegläuft. Das ist nicht mein Charakter«.