Dienstag, 18. Dezember 2012 - 22:33 Uhr
Als Marc-André ter Stegen letztens nach dem Spiel bei Schalke 04 von einem Journalisten auf seine Karriere angesprochen wurde, die ja bislang wie eine Achterbahn verlaufe, schaute er etwas irritiert. Mit Achterbahnfahren hat ter Stegens Werdegang nun wahrlich nicht viel gemeinsam. Bisher ging es fast ungestört in eine Richtung – nämlich steil bergauf.
Nach seiner Premiere im Abstiegskampf im Frühjahr 2011 etablierte er sich vom Fleck weg als die Nummer 1 im Tor, hielt grandios und war in der Folgezeit der große Rückhalt einer überragenden Defensive. Borussia schloss ter Stegens erste komplette Saison mit Platz 4 ab, der Youngster erhielt nach tadellosen Leistungen die Berufung A-Nationalmannschaft.
Eigentlich ein Karrierehighlight, doch für den 20-Jährigen war die frühe Nominierung nicht wirklich ein Segen. Seine Länderspielpremiere in der Schweiz ging mit 3:5 buchstäblich in die Hose, die deutsche Abwehr präsentierte sich löchrig wie ein Schweizer Käse. Und damit nicht genug – Bundestrainer Löw strich ter Stegen kurz darauf auch noch aus dem EM-Aufgebot, woran der junge Gladbacher zu knabbern hatte.
Nach der Sommerpause stieg er sehr verbissen ins Training ein, wollte sich und der Welt beweisen, was er kann. Dabei überspannte ter Stegen den Bogen ein wenig, in vielen Situationen wirkte er verkrampft. Dazu kam, dass die defensive Struktur der Mannschaft überhaupt nicht passte, so dass ter Stegen des Öfteren im Stich gelassen wurde.
Riesige Patzer leistete er sich zunächst nicht, hielt aber auch nur ganz selten mal einen ‚Unhaltbaren‘. Als das Team nach den Umstellungen defensiv wieder stabiler wurde, geriet ter Stegen unerwartet noch mehr ins Trudeln. Gegentore, wie die direkt verwandelte Ecke in Marseille oder bei seiner ‚Nicht-Reaktion‘ in Augsburg sorgten für ein mentales Problem. Plötzlich wackelte er bei Aktionen, die er bislang mit schlafwandlerischer Sicherheit löste.
Doch bevor sich die Delle in der Leistungskurve tatsächlich nachhaltig auswirken konnte, bekam ter Stegen die Kurve. In den letzten Partien vor der Winterpause war die gewohnte Souveränität wieder da und spätestens mit dem Spiel bei den Bayern, als er herausragend hielt, ist Marc-André ter Stegen wieder komplett in der Spur.
Für eine echte Achterbahnfahrt war die erste Schwächephase seiner Karriere zu harmlos und die Zeichen stehen gut, dass Marc-André ter Stegen im neuen Jahr den gewohnten gradlinigen Weg weitergeht. Wichtig wird sein, dass er sich nicht selbst zu sehr unter Druck setzt. Dass er ein außergewöhnlicher Keeper ist, muss er niemandem mehr beweisen.