Sonntag, 16. Dezember 2012 - 23:19 Uhr
Marc-André ter Stegen: Eine Partie wie aus dem Bilderbuch für den 20-Jährigen. Er war von Beginn an höchst konzentriert und strahlte eine große Sicherheit aus. Sowohl bei den zahlreichen hohen Bällen (Flanken, Ecken) die in seinen Strafraum segelten, als auch bei den Torabschlüssen der Münchener. Herausragend seine Parade gegen den Ribéry-Schuss vor der Pause und den Flachschuss von Schweinsteiger unmittelbar nach dem Seitenwechsel. Wie schnell ter Stegen da im Eck lag, war sensationell. Beim Gegentor machte er sich breit, konnte den Einschlag jedoch nicht verhindern. Im weiteren Verlauf hielt er den Punkt mit mehreren starken Reaktionen fest. Zum Jahresausklang ein Ausrufezeichen von ter Stegen. Note 1,0.
Tony Jantschke: Hatte die wenig vergnügliche Aufgabe, sich mit Franck Ribéry auseinanderzusetzen. Zu Beginn machte der Franzose einige Schwierigkeiten und ‚flutschte‘ ein paar Mal durch, ohne dass Jantschke Zugriff bekam. Im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs passte es besser, Jantschke ließ Ribéry kaum noch passieren. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als die Bayern mit Shaqiri, Ribéry und dem nachrückenden Alaba mehrfach in Überzahl über Jantschkes Seite Alarm machten und dabei tief in den Strafraum eindringen konnten. Jantschke musste sich da einige Male geschlagen geben. Genauso wie beim Gegentor, als er es nach dem zu kurz geratenen Marx-Pass einen Tick zu früh mit einer Grätsche probierte und Shaqiri so entwischen konnte. Note 3,5.
Martin Stranzl: Seit Wochen ist der 32-Jährige in sehr guter Verfassung und bestätigte dies auch in München. Hoch konzentriert im Abwehrzentrum mit gutem Stellungsspiel. Er räumte einiges weg, vor allem bei den vielen Flanken der Bayern gab es eine Menge zu tun. Die direkten Duelle mit dem kantigen Mandzukic waren sehr intensiv. Dass er bei einer Ecke Bayerns Martinez ausknockte, geschah unabsichtlich. Im Spielaufbau beließ es Stranzl bei kurzen und sicheren Weitergaben. Nach der Pause und bei zunehmendem Druck der Bayern geriet auch Stranzl ins Wanken, hielt aber die Stellung. Note 3,0.
Roel Brouwers: Ersetzte den gesperrten Alvaro Dominguez in der Innenverteidigung und übernahm dessen Rolle als linker Innenverteidiger. Wie immer löste der Niederländer seine Aufgaben mit der ihm eigenen Unaufgeregtheit. Sehr unauffällig agierend, bekam er immer im richtigen Moment ein Bein oder den Kopf dazwischen. Aus dem Aufbauspiel nahm er sich fast komplett heraus. Wie die gesamte Abwehr musste er in der zweiten Halbzeit einige kritische Situationen überstehen. Hoch riskant war die Grätsche des 31-Jährigen im Strafraum gegen Gomez, als er zwar den Ball traf, was jedoch erst die Fernsehbilder entschlüsselten. Ein Elfmeterpfiff, zumal der Schiedsrichter nicht wirklich günstig stand, wäre angesichts des Bewegungsablaufs durchaus nachvollziehbar gewesen. Note 3,0.
Oscar Wendt: Zeigte auf der linken Abwehrseite eine sehr routinierte und nordisch kühle Vorstellung. Das Selbstbewusstsein ist dem 27-Jährigen anzumerken, dem der Spielrhythmus sehr gut bekommt. Im Bewusstsein seiner technischen Fähigkeiten geriet er am Ball nie in Panik und erledigte alles mit großer Ruhe. Der sonst so quirlige Müller fand über Borussias linke Seite überhaupt nicht statt. Wendt hatte über weite Strecken alles im Griff und angesichts solcher Vorstellungen dürfte es für Filip Daems schwer werden, Wendt in der Rückrunde zu verdrängen. Note 2,5.
Thorben Marx: Im zentralen defensiven Mittelfeld diesmal bei gegnerischem Ballbesitz die Absicherung kurz hinter der Fünferkette im 4-1-5-0 . Mit viel Laufarbeit – nach Nordtveit der Mann mit den meisten Kilometern auf dem Platz – lief er in die Lücken und blockierte die Passwege. Wenn er in die direkten Zweikämpfe musste, hatte er mehrmals das Nachsehen. Eiskalt und sehr gut geschossen sein Elfmeter zur Führung für die Borussia. Im Spiel nach vorne mit sicherem Kurz-Passspiel, nur einmal verschätzte er sich komplett. Dieser schlimme Fehlpass am bzw. im eigenen Strafraum wurde prompt mit dem Gegentor bestraft. Ein Fehler, der einem Routinier wie Marx eigentlich nicht passieren darf. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Der Norweger spielte in leicht veränderter Rolle, zumeist halbrechts in der breiten Mittelfeldreihe. In dieser Funktion war er der ‚Forechecker‘, der ständig Dante anlief, über den Bayern zumeist von hinten heraus aufbaut. Nordtveit attackierte seinen ehemaligen Kollegen zwar nicht, nötigte ihn jedoch zu einem schnellen und nicht immer präzisen Pass. Durch den insgesamt in der ersten Halbzeit hoch stehenden Verbund wurden so einige Ballverluste der Bayern erzwungen, einer davon stand an der Basis der Elfmetersituation. Für Nordtveit bedeutete diese Aufgabe noch mehr Laufarbeit als ohnehin schon, denn er musste nach dem Forechecking weite Wege im höchsten Tempo zurück in den Verbund gehen. Wenig überraschend weist ihn die Statistik mit über 13 Kilometern als laufstärksten Mann auf dem Platz aus. Diesem hohen Aufwand geschuldet waren einige verlorene Zweikämpfe im Mittelfeld, aber auch mehrere Aktionen bei eigenem Ballbesitz, wo er die falsche Entscheidung traf. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Nach Wochen in der Rolle der zweiten Spitze agierte der 21-Jährige diesmal wieder auf der rechten Seite. Bei eigenem Ballbesitz sollte es ein 4-3-3 sein, doch in dieser Formation griffen die Borussen nicht wirklich oft an. Herrmann war bei einigen Situationen beteiligt, als sich im ersten Durchgang gefällig aus der eigenen Hälfte nach vorne kombiniert wurde. Richtig durchsetzen konnte er sich nicht und auch seine Schnelligkeit kam nicht wirklich zur Geltung. Die beste Möglichkeit verpasste Herrmann nach dem Ausflug von Neuer an die Außenlinie. Da überspielte Herrmann den Nationalkeeper geschickt, war dann jedoch viel zu überhastet im Abschluss. Er hätte noch unbedrängt weiter laufen und gezielter abschließen bzw. abspielen (Hanke) können. Elf Minuten vor dem Ende wurde er durch Rupp ersetzt. Note 3,5.
Tolga Cigerci: Kam etwas überraschend in die Startelf und spielte auf einer nicht genau zu definierenden Position, denn der Deutsch-Türke lief eigentlich überall herum. Mal halblinks neben Arango, dann unmittelbar hinter Hanke, dann wieder auf rechts. Dabei legte er in seinen 76 Minuten Spielzeit bemerkenswerte 11,7 Kilometer zurück. Nur ein Münchener (Schweinsteiger) lief in 90 Minuten mehr als Cigerci in 76. Der 20-Jährige griff mehrfach früh an, lief aber auch fleißig Schnittstellen und Passwege zu. Zudem suchte er die Tiefe, wie bei der Elfmetersituation. In der zweiten Halbzeit schien er seinem großen physischen Aufwand Tribut zu zollen. Er wirkte nicht mehr frisch, wollte aber weiter überall dabei sein und produzierte im Übereifer in kurzer Zeit gleich drei Fouls, die zu gefährlichen Freistoßsituationen führten. Hier muss Cigerci schlichtweg schlauer agieren. Die Auswechslung war daher höchste Eisenbahn. Note 3,5.
Juan Arango: Die beste Aktion des ‚Zauberfußes‘ war in München ein Kopfball. Und zwar nach einem Freistoßlupfer von Schweinsteiger, als sich Arango rechtzeitig hinter die Mauer zurückfallen ließ und den Ball kurz vor der Linie als ‚Assistent‘ von ter Stegen weggköpfte. Ansonsten gefiel Arango vor allem durch seinen läuferischen Aufwand. Er arbeitete sehr gut nach hinten, Lahm bekam kaum Gelegenheit, sich nachhaltig einzuschalten. In der ersten Halbzeit kombinierten sich die Borussen mehrfach gefällig aus der eigenen Hälfte, wobei Arango die treibende Kraft war. Allerdings schlichen sich auch immer wieder Nachlässigkeiten beim 32-Jährigen ein, die mehrere Ballverluste zur Folge hatten. In der zweiten Halbzeit wie das komplette Team fast nur mit Abwehrarbeit beschäftigt, hatte er in der Schlussphase noch den Lucky-Punch auf dem Fuß. Leider blockte Dante den Schuss von Arango im allerletzten Moment. Note 3,5.
Mike Hanke: Die Position der zentralen Spitze nahm der Ex-Schalker nur auf dem Papier ein. Vielmehr war er ein zusätzlicher Akteur in der Mittelfeldreihe, der mit viel Aufwand Räume zulief. Das machte Hanke fleißig und im Rahmen seiner Möglichkeiten. Seine eigentliche Stärke, in Umschaltmomenten als Verbindungs- und Weiterleitungsspieler zu fungieren, blieb allerdings bis auf wenige Ausnahmen auf der Strecke. Er fand nicht wirklich die optimalen Lösungen, was seine Wirkung im Spiel nach vorne verpuffen ließ. Wichtig war er dagegen im eigenen Strafraum bei den zahlreichen Ecken der Bayern. Da köpfte der Blondschopf einiges aus der Gefahrenzone. Hanke lieferte sich einige erstaunlich harte Duelle mit Dante, der offenbar wenig für den ehemaligen Kollegen übrig hatte. Dante checkte Hanke über die Bande und rammte ihm später noch den Ellenbogen ins Gesicht. Note 3,5.
Igor de Camargo: Kam eine Viertelstunde vor Schluss für Hanke. Konnte sich allerdings nicht in Szene setzen. Der Respekt vor seinem ‚Bruder‘ Dante schien etwas zu groß. Ohne Note.
Granit Xhaka: Kam für Cigerci und half vor allem halblinks im Mittelfeld aus, die Lücken zu füllen. In der Umschaltung mit zwei, drei guten Verlagerungen bei den Entlastungsangriffen in der Schlussphase. Ohne Note.
Lukas Rupp: Aufgrund einer Erkältung aus der Startelf gerutscht, ersetzte der 21-Jährige in den letzten elf Minuten Herrmann. Dabei mit guten Ansätzen bei den Gegenangriffen, jedoch in letzter Instanz ohne Fortune. Ohne Note.