Freitag, 14. Dezember 2012 - 22:26 Uhr

Im letzten Spiel der Hinrunde änderte Borussias Trainer Lucien Favre seine Elf im Vergleich zum Heimsieg gegen Mainz am letzten Sonntag auf drei Positionen. Roel Brouwers ersetzte den gesperrten Alvaro Dominguez, dazu durfte Tolga Cigerci für den unter der Woche erkrankten Lukas Rupp spielen. Rupp saß auf der Bank, genauso wie Igor de Camargo, der seinen Startelfplatz an Mike Hanke abtreten musste.
Die Partie begann wie erwartet mit einer dominierenden Münchener Mannschaft, während sich die Borussen erstmal in der Defensive organisierten. Allerdings in einem etwas veränderten System als üblich. Tolga Cigerci agierte eher hängend links, während Herrmann sich auf der rechten Seite einordnete. Schematisch war es ein 4-4-1-1 oder teilweise ein 4-1-4-1, was die Borussen spielten, gegen den Ball rückten alle Spieler komplett mit nach hinten.
Die Bayern taten sich im dichten Gladbacher Verbund schwer, Müller mit einem Kopfball (5.) und Ribery nach einem Solo (6.) stellten ter Stegen vor lösbare Aufgaben.
In der Folgezeit fanden sich die Borussen immer besser zurecht und attackierten nun die Bayern aufmerksam im Aufbauspiel. Auffällig, wie Håvard Nordtveit immer wieder auf Dante rückte, um seinen ehemaligen Kollegen unter Druck zu setzen.
Aus einer solchen Situation resultiere ein Ballgewinn mit anschließender guter Kombination. Arango passte auf Cigerci, der über links in den Strafraum lief, den Ball nochmal herumzog und dann eine Flanke probierte. Boateng bekam den Ball an die Hand und Schiedsrichter Welz entschied zu Recht auf Elfmeter für die Borussia. Thorben Marx trat an und verwandelte mit einem wuchtigen Rechtsschuss (21.).
Die Führung war angesichts der Spielanteile sicherlich glücklich, doch in der Phase bis zur Pause verdienten sich die Borussen diese durchaus. Denn sie verteidigten höchst aufmerksam, ließen aber auch den Ball gut laufen. Es fehlte bei einigen guten Ansätzen jedoch der letzte Pass, um sich eine Torchance zu erarbeiten.
So wie in der 28. Minute, als Arango Herrmann mit einem langen Ball schickte. Neuer kam bis zur Außenlinie aus seinem Tor heraus, Herrmann legte das Leder am Nationalkeeper vorbei, versuchte dann zu überhastet aufs Tor zu schießen. Dante, der in der Mitte mitgelaufen war, konnte rechtzeitig klären.
Auf der anderen Seite hatte der Rekordmeister natürlich seine Möglichkeiten. Ribery zwang ter Stegen (27.) zu einer Parade, dann klärte Arango nach einem Freistoßlupfer von Schweinsteiger mit dem Kopf vor der Linie. Die beste Möglichkeit für die Bayern hatte Dante, der nach einer Ecke aufs Tornetz köpfte (32.).
Dennoch wurde der Druck der Münchener nicht allzu groß, auch weil die Borussen immer wieder frühzeitig störten.
Das änderte sich allerdings in der zweiten Halbzeit. Die Bayern hatten sich auf das Gladbacher Spiel eingestellt, Dante und Boateng bauten nicht mehr alleine auf, sondern wurden unterstützt. So fiel es den Borussen schwer, vorne zu stören und gleichzeitig fanden die Münchener jetzt schneller den Weg nach vorne.
Das Resultat war ein großer Druck der Bayern mit mehreren hochkarätigen Torchancen. Nach einem Durcheinander in Gladbachs Abwehr platzierte Schweinsteiger einen Flachschuss in die Ecke, ter Stegen rettete mit einer herausragenden Parade (48.). Dann war es wieder Dante, der nach einem Eckball nur ganz knapp am Kasten vorbeiköpfte (55.) und vier Minuten später war es dann geschehen. Marx spielte im eigenen Strafraum einen zu kurz geratenen Querpass, der eingewechselte Shaqiri profitierte und überwand ter Stegen im kurzen Eck.
Der Ausgleich war angesichts der verstärkten Bemühungen der Bayern nach dem Seitenwechsel sicher verdient. Bemerkenswert, dass sich die Borussen davon nicht aus der Bahn werfen ließen. Im Gegenteil – sie bekamen jetzt wieder besser Zugriff auf das Spiel.
Dennoch hätten die Münchener die Sache für sich entscheiden können. Shaqiri verpasste mit einem Freistoß (69.) knapp und dann zeigte ter Stegen zwei überragende Aktionen bei einem Schuss von Ribery (71.) und Schweinsteiger (78.).
Auf der anderen Seite spielten die Fohlen einen wirklich guten Angriff, an dessen Ende Arango im Strafraum gerade abziehen wollte, als ausgerechnet Dante in höchster Not dazwischenfunkte. Borussias ehemaliger Abwehrchef klaute dem VfL gewissermaßen den Lucky-Punch.
Mit allem was sie hatten, verteidigten die Borussen in der Schlussphase den einen Punkt. Mit Hochrisiko-Grätschen wie von Brouwers und einigen Rettungstaten in brenzligen Situationen gelang es. Am Ende entführte Borussia Mönchengladbach mit einem überragenden Marc-André ter Stegen einen Auswärtszähler beim designierten Deutschen Meister und kann mit 25 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen.
Kurzstatistik zum Spiel:
FC Bayern: Neuer - Lahm, Dante, Boateng, Alaba - Schweinsteiger, Javi Martinez (38. Shaqiri) - Kroos - T. Müller (80. Pizarro), Ribery – Mandzukic (57. Gomez)
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Brouwers, Wendt – Nordtveit, Marx – Herrmann (79. Rupp), Arango – Cigerci (76. Xhaka) – Hanke (75. de Camargo)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Korb, Ring, Mlapa
Tore: 0:1 Marx (21. / HE), 1:1 Shaqiri (59.)
Gelbe Karten: Dante – Nordtveit, Cigerci
Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)