Montag, 10. Dezember 2012 - 07:55 Uhr
Schön war es wirklich nicht, was den Fans im Borussia-Park da am 2. Adventssonntag beschert wurde. Ausnahme natürlich dieses unglaubliche Tor von Juan Arango. »Mittlerweile haben sich meine Mannschaftskollegen daran gewöhnt, dass ich solche Tore schieße«, sagte der Venezolaner nach der Partie. »Wir staunen inzwischen nicht mehr«, bestätigte Tony Jantschke. »Im Training macht er auch solche Dinger. Das kann er …«.
»Es ist nicht mein Ziel, das Tor des Jahres oder Monats zu schießen«, erklärte Arango. »Für mich zählt nur der Erfolg des Teams«.
Und die Mannschaft braucht Juan Arango und seine Genialität in dieser Saison mehr denn je. »Ich schaute wie der Rest des Stadions hoch und merkte, dass der Ball sich richtig senkte«, schilderte Alvaro Dominguez den magischen Moment des Nachmittags. »Als alle raunten, begann auch ich daran zu glauben«.
»Ich wusste, dass der Ball diese Flugkurve nehmen musste«, erklärte Arango. »Das hätte auch schiefgehen können«.
Ging es aber nicht und Dank des genialen linken Fußes von Arango war die Partie mit diesem Kunstschuss zum 2:0 vorzeitig entschieden.
Zuvor hatte der eingewechselte Mike Hanke mit dem Führungstreffer die Weichen auf Sieg gestellt. Die Vorarbeit kam nach der eigentlich einzigen wirklich gelungenen Kombination des Spiels durch Tony Jantschke. »Wurde auch Zeit, dass ich mal wieder eins vorbereite«, sagte der Rechtsverteidiger. Nach wunderbarem Zuspiel von Nordtveit hätte Jantschke eigentlich selbst den Abschluss suchen müssen, entschied sich jedoch für eine scharfe, hochriskante Hereingabe.
»Der Torwart hatte das kurze Eck gut zugemacht, die drei Mainzer dachten, dass ich schießen würde«, freute sich Jantschke über seinen Coup.
Am Ende stand ein 2:0 für die Fohlenelf, das auf dem Papier weitaus souveräner aussah, als es war. »Wir haben noch nicht gezeigt, was wir vom fußballerischen her drauf haben«, zeigte sich Mike Hanke einsichtig. »Das können wir viel besser«.
Für Martin Stranzl, der die Mannschaft auch gegen Mainz wieder als Kapitän aufs Feld führte, zählt aktuell nur das Ergebnis. »Egal wie, wichtig ist, dass wir die drei Punkte geholt haben«, sagte der Österreicher. »Solange wir die Punkte holen, nehmen wir das so mit«.
Natürlich ist auch Stranzl nicht entgangen, dass die Mannschaft Phasen hatte, in denen gar nichts lief. »Es gibt Zeiten im Spiel, da bewegen wir uns gewissen Situationen nicht so gut, darüber müssen wir reden«.
Dass die Borussia im Herbst/Winter 2012 sehr abhängig von der Genialität eines Juan Arango ist, bestreitet Stranzl nicht. »Als Mannschaft leben wir ein Stückweit von der Individualität und Genialität einzelner«.
Insgesamt sehen sich die Gladbacher auf dem richtigen Weg. »24 Punkte sind in Ordnung, wir sind enorm effizient«, sagte Tony Jantschke. »Wir wollten uns an einem einstelligen Tabellenplatz orientieren, nicht an der vorigen Saison«.
In der kritischen Phase der Hinrunde, als die zuletzt wiedererlangte Stabilität nicht vorhanden war, gab es laut Jantschke ein »paar kritische Worte innerhalb der Mannschaft, was wirklich wichtig war«.
Mit dem Sieg gegen Mainz im Rücken können die Borussen nun ohne Druck zum Jahresausklang nach München fahren. Nur Alvaro Dominguez wurde die Vorfreude auf die Partie beim designierten Deutschen Meister genommen – der Spanier sah seine 5. Gelbe Karte und fehlt damit gesperrt. Und das, weil er den Ball wegspitzelte.
»Das ist wirklich schade, es ist ein Spiel, wo jeder dabei sein will«, ärgerte sich der Spanier. »Das war unnötig von mir, ich machte es ohne nachzudenken. Mein erster Gedanke war, dass der Ball ein wenig weggeschoben werden muss, damit sie nicht schnell weiterspielen können. Als der Referee kam, wollte ich ihn stoppen. Ich bin enttäuscht, weil ich nicht gedacht hätte, dass er Gelb zeigen würde«.