Sonntag, 09. Dezember 2012 - 22:36 Uhr
»Wir wussten, was in Gladbach auf uns zukommt«, sagte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel nach den 90 Minuten im kalten Borussia Park. Nämlich eine abwartende Gladbacher Mannschaft, die »sich zurückzieht und auf ihre Konterstärke setzt, auch in einem Heimspiel«.
Ein ortsunkundiger Beobachter hätte mit Sicherheit gemutmaßt, dass die Mainzer an diesem Sonntag das Heimteam wären. »Wir waren dominant«, sagte Tuchel und niemand konnte ihm widersprechen. In der ersten Halbzeit fanden die Gladbacher offensiv überhaupt nicht statt und hatten Glück, dass ter Stegen sein Team sowohl gegen Ivanschitz, als auch gegen Parker vor einem möglichen Rückstand bewahrte.
»Die erste Halbzeit geht total an Mainz, sie waren ohne jede Diskussion besser«, musste Borussias Coach Lucien Favre eingestehen. »Die Raute von Mainz im 4-4-2 ist schwer zu bespielen, das wussten wir. Wir hatten uns darauf vorbereitet, konnten es aber nicht umsetzen. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir das Gegentor kriegen«.
Und dieses Tor hätte wohl der Partie einen anderen Ausgang beschert. »Mir war bewusst, dass es heute um das erste Tor ging«, sagte Thomas Tuchel. »Gehen wir in Führung, gewinnen wir hier«.
Doch es kam anders, auch weil Lucien Favre in der Kabine an den richtigen Schrauben drehte. »Wir haben ein paar Sachen korrigiert, höher gespielt, mit mehr Druck und Risiko in 1:1-Situationen. Das hat Vertrauen gegeben«.
Und so ging das erste Tor des Tages an die Borussia. »Wir haben es unnötigerweise hergegeben«, ärgerte sich Thomas Tuchel. »Es war ein Supertor«, freute sich dagegen Kollege Favre. »Die Kombination war gut, vor allem die Vorarbeit von Nordtveit«, lobte der Schweizer. »Die Flanke von Jantschke war nicht optimal«, monierte er zwar, dürfte diese Einschätzung bei Studium der Fernsehbilder jedoch relativeren. Die scharfe Hereingabe war vielleicht etwas risikoreich, aber perfekt gespielt.
»Und dann folgt kurz darauf das 2:0, damit war das Spiel für uns gelaufen«, schilderte Thomas Tuchel den weiteren Fortgang der Partie. Und dieses Tor war ein besonderer Treffer, schließlich war Juan Arango beteiligt.
Einen von Nordtveit nach vorne geschlagenen Ball klärte der aus seinem Kasten gelaufene Mainzer Keeper Müller an die Seitenlinie, doch ausgerechnet in die Füße von Arango. Der zirkelte den Ball aus über 40 Metern mit einer unfassbaren Flugkurve zum 2:0 ins Tor.
»Ich dachte erst, Scheiße, der ist viel zu hoch. Und dann senkt er sich rein, unfassbar«, sagte ein begeisterter Lucien Favre. »Ich frage mich, was diese Saison mit Arango los ist«, lachte er. »Schon wieder ein Tor des Jahres«.
»Den hätte wohl kein anderer in der Bundesliga so geschossen«, zog auch Thomas Tuchel den Hut, bzw. die Mütze, vor Borussias Kunstschützen. »Dieser Treffer war Arangos genialem Fuß geschuldet«.
Den Borussen reichte eine wirklich sehenswerte Kombination mit dem gelungenen Abschluss durch Hanke sowie das Husarenstück von Arango, um die Mainzer ohne Punkte auf die Heimreise zu schicken.
Borussia Mönchengladbach siegte mit gnadenloser Effizienz, spielerisch war es jedoch hart an der Grenze des Erträglichen. Immerhin gab Lucien Favre zu, dass diese Art von Fußball »sehr weit« von dem entfernt ist, wie er eigentlich spielen lassen möchte. Der Erfolg gibt dem Schweizer Recht, die Zuschauer der Spielweise zeitweise regelrecht zu quälen. »Unsere Fans haben das verstanden«, ist er sich sicher. »Sie verstehen Fußball«.
»Wir haben Fortschritte gemacht, sind stabiler geworden«, konstatierte der Coach. »Wir kriegen weniger Tore und es ist wieder schwer, gegen uns zu spielen. Das ist schon was«.
»24 Punkte sind in Ordnung«, so Favre weiter. Mehr, besonders fußballerisch, ist nach Ansicht des Trainers aktuell nicht drin. »Wir dürfen nicht träumen«, meinte Favre. Nicht von schönem Fußball – vom genialen Tor von Juan Arango allerdings schon.