Freitag, 07. Dezember 2012 - 23:00 Uhr
Christofer Heimeroth: Eine routinierte Vorstellung von Borussias etatmäßiger Nummer 2. Einen Krasic-Heber lenkte er sicher über die Latte, bei einem weiteren Schuss aus der Distanz stand er etwas weit vor seinem Kasten, bekam aber noch die Fingerspitzen an den Ball. Auch die weiteren Aufgaben, so den Schuss von Kuijt in der Nachspielzeit, meisterte er. Selten durch Rückgaben eingebunden, doch wenn er mit dem Fuß an den Ball musste, klappte es. Lediglich in zwei, drei Situationen kleinere Abstimmungsschwierigkeiten, einmal rasselte er mit Dominguez zusammen. Ingesamt ein sicherer Rückhalt. Note 2,5.
Julian Korb: Seine Vielseitigkeit ist für einen Trainer ein Segen, für ihn selbst auf dem Weg in den Profikader vielleicht ein Fluch. In Istanbul verteidigte er auf der rechten Seite und das mit einer Selbstverständlichkeit, die schon imponierte. Sehr sicher am Ball, auch im Spiel nach vorne mit präzisen und klaren Pässen an der Basis mehrerer Angriffe. Defensiv mit gutem Stellungsspiel, in den direkten Duellen mit zunehmender Spieldauer immer stabiler, nachdem er zu Beginn mit dem agilen Stoch ein paar Probleme hatte. Auch als er einmal im Zentrum unter Druck gesetzt wurde, blieb er ruhig. Eine sehr beachtenswerte Vorstellung des 20-Jährigen. Note 2,5.
Roel Brouwers: Der älteste Feldspieler der Fohlenelf war gleichzeitig der Kapitän der Mannschaft. Und in dieser Funktion machte er hinten seinen Job in gewohnter Manier. Wenig Risiko, immer ein langes Bein dazwischen, wenn es nötig war und ansonsten kaum auffallen. Kleinere Abstimmungsprobleme waren unübersehbar, insgesamt jedoch eine grundsolide Vorstellung gegen letztlich harmlose Fener-Stürmer. Note 3,0.
Alvaro Dominguez: Machte die schmerzhafte Bekanntschaft mit Christofer Heimeroth, als dieser ihn über den Haufen lief, und spielte einmal einen Ball unbedrängt in die Füße des Gegners. Ansonsten war der Spanier allerdings immer Herr der Lage. Klärte ein paar Mal rigoros im und am Strafraum. Auffällig, dass er immer besser antizipiert und oft schon zur Stelle ist, bevor Gefahr entsteht. Eine Qualität, die seinen Vorgänger Dante so stark machte. Der 23-Jährige entwickelt sich immer weiter zu einem eminent wichtigen Spieler für Borussia. Faltete kurz vor Schluss einmal den unaufmerksamen Hrgota zusammen – Führung auch bei beruhigender Führung. Note 2,5.
Oscar Wendt: Neben Dominguez der einzige Akteur aus der Stammelf der letzten Wochen. Nach monatelangem Reservistendasein dürfte der Schwede nicht böse gewesen sein, auch in Istanbul spielen zu ‚müssen‘. Er wirkte jedenfalls hoch konzentriert und machte, bis auf zwei kleinere Wackler in der ersten Halbzeit, eine sehr starke Partie. In den Zweikämpfen immer auf der Höhe, gab er sich in den direkten Duellen überhaupt keine Blöße. Gut, wie er mit seiner technisch sauberen Ballbehandlung immer wieder für eine schnelle Spielfortsetzung sorgte und sich mit nach vorne einschaltete. Note 2,0.
Granit Xhaka: Der Schweizer durfte mal wieder von Anfang an mitwirken, dazu noch auf ‘seiner’ Position als zweiter 6er. In dieser Rolle wusste er zu überzeugen. Vor allem weil er nichts Überflüssiges machte, nicht überdrehte, ruhig blieb und sich aufs Kerngeschäft fokussierte. Deshalb entging ihm nichts, er behielt alles im Auge und kam daher kaum unter Druck. Er war an vielen sicheren Kurzkombinationen beteiligt, spielte im richtigen Moment den längeren Ball, mal steil, mal verlagernd. Rückte vorne mit rein, wenn es passte – so wie bei der Situation vor dem Foulelfmeter. Insgesamt ein reifer Auftritt. ‚Back to the roots‘ scheint ihm zu bekommen. Note 2,0.
Alexander Ring: Entgegen seiner bisherigen Einsätze nicht auf der Seite, sondern als zweiter 6er neben Xhaka aufgeboten. Dort machte der Finne eine ganz starke Partie. Mit hervorragenden, bissigen Balleroberungen aggressiv dabei, dazu bot er sich immer gut zwischen den Mannschaftsteilen an. Er war der ‚offensive 6er‘, ohne die Basisaufgabe zu vernachlässigen. Ein zu weit geratener Seitenwechsel und Mitte der zweiten Halbzeit ein paar kleine Stockfehler können den äußerst positiven Eindruck nicht schmälern. Er drosselte das Tempo, behielt am Ball die Übersicht und fand fast immer den freien Mann oder Raum. Durchaus mehr als nur ein Fingerzeig für eine mögliche künftige Verwendung des Finnen. Note 2,0.
Branimir Hrgota: Fing mit einem zu flach angesetzten Freistoß von halbrechts an und wirkte in den ersten Minuten sehr nervös. Kam dann etwas auf und spielte nach einer guten Aktion den Pass zur Hanke-Chance und holte schließlich den Elfmeter heraus. Darüber hinaus noch mit einigen Ansätzen, aber auch einer Anzahl leichten Ballverlusten. Er verpasste in manchen Situationen den Moment für das Abspiel und verstrickte sich in zu komplizierten Dribblings. Der junge Schwede muss noch etwas ruhiger und zielgerichteter agieren. Als Zimmermann für Mlapa kam, rückte er für die letzten Minuten auf die linke Seite. Note 3,5.
Tolga Cigerci: Kam als Rechtsfuß auf der ungewohnten linken Position im Mittelfeld zum Zuge. Aus dieser Konstellation entstand das Tor, als er den Ball mit einer interessanten Flugkurve mustergültig ins Eck schlenzte. Mit Ausnahme einiger Balleroberungen war das Tor jedoch eine der wenigen wirklich gelungenen Aktionen des Deutsch-Türken. Er lief zwar die Seite rauf und runter, war jedoch zu sorglos beim Rausverteidigen bzw. Umschalten. Cigerci übersah mehrfach direkte Abspielmöglichkeiten und neigte zu sehr zu Einzelaktionen. In einer Situation in der ersten Halbzeit vergab er eine erstklassige Kontermöglichkeit gleich durch mehrere falsche Entscheidungen. Er wirkte wie aufgedreht, vergaß aber dabei kühlen Kopf zu bewahren. Note 4,0.
Peniel Mlapa: Hatte als zweite Spitze durchaus einige gute Ansätze, der letzte Tick fehlte jedoch. So waren seine direkten Weiterleitungen selten von Erfolg gekrönt, dabei war die Idee dahinter durchaus vorhanden. In einer Situation wurde er über links geschickt, nutzte da aber den Raum nicht zügig genug. Er hätte entweder schneller abschließen oder warten und abspielen sollen. So kombinierte er beide Möglichkeiten und wählte die falschen Elemente. Der 21-Jährige konnte sich letztlich nicht wirklich aufdrängen. Note 4,0.
Mike Hanke: Hatte die erste große Chance des Spiels, als er nach feinem Hrgota-Pass den Keeper anschoss. Hätte er den Ball etwas gelupft, wäre das schon die Führung gewesen. Verwandelte dann den Foulelfmeter mit Wucht in den Torwinkel. Darüber hinaus an einigen Kombinationen beteiligt, u.a. schickte er Mlapa in den freien Raum. Insgesamt als Verbindungs- bzw. Weiterleitungsspieler nicht so präsent wie schon gesehen. Angesichts des Spielverlaufs machte er nicht mehr als nötig und spulte sein Programm routiniert ab. Note 3,5.
Luuk de Jong: Endlich wieder dabei. Für zwanzig Minuten durfte der Niederländer ran. Eine gute Konterchance verdaddelte er mit einem ungenauen Pass, bei zwei, drei weiteren Gegenangriffen kam er nicht in Position. Die fand er beim 3:0, als er aus kurzer Distanz den Fuß hinhielt. Auch das zeichnet einen Torjäger aus und dürfte vor allem wichtig für den Kopf gewesen sein. Ohne Note.
Amin Younes: Wurde zunächst ein paar Mal abgekocht und daraufhin offensichtlich von den Gegenspielern unterschätzt. Jedenfalls setzte er sich mit einem sehenswerten ‚Mäusedribbling‘ gleich gegen vier Mann durch und bereitete de Jongs Tor mustergültig vor. Ohne Note.
Matthias Zimmermann: Kam für Mlapa, spielte auf der Hrgota-Position und durfte prompt fast ohne Gegenwehr durch die Mitte zum Tor marschieren. Die herausgeholte Ecke wurde abgewehrt und der Ball landete vor seinen Füßen, bei seinem Schuss traf Zimmermann die Kugel nicht richtig. Ohne Note.