Mittwoch, 22. Februar 2012 - 14:27 Uhr
Bevor sich die Journalisten auf das Thema Dante stürzen konnten, bemühte sich Trainer Lucien Favre auf der heutigen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen HSV, den Gegner in den Vordergrund zu rücken. »Hamburg ist seit September auswärts ungeschlagen und somit in dieser Statistik eine der besten Mannschaften der Liga«, warnte er davor, den aktuell elftplatzierten zu unterschätzen. Dabei verwies der Schweizer besonders auf die offensive Variabilität der Hansestädter. »Sie spielen sehr offensiv und haben großes Potenzial. Im Sturm und auf den Außen haben sie viele Optionen«, erklärte der Erfolgscoach in Hinblick auf die Verletzung Patrick Herrmanns fast etwas neidisch.
Wer den Shootingstar der Rückrunde am Freitag ersetzen soll, wollte der Trainer noch nicht verraten. »Patrick ist momentan einer der besten Offensivspieler in Deutschland, der an fast allen Toren in der Rückrunde beteiligt war. Aber wir können auch ohne ihn guten Fußball spielen«, zeigte sich Favre allerdings zurückhaltend optimistisch. Nach der unglücklichen Leistung Matthew Leckies in Kaiserslautern, der somit kaum als Herrmann-Ersatz in Frage kommen dürfte, schloss der Trainer allerdings in Person von Alexander Ring eine weitere Alternative aus. Der finnische Winterneuzugang, der im Trainingslager auf der linken Seite für Aufsehen sorgte, brauche noch Zeit und sei deshalb keine Lösung.
Da Favre stets möglichst wenige Umstellungen in seiner Mannschaft favorisiert, verdichten sich die Anzeichen, dass entweder Marco Reus oder Mike Hanke die vakante Stelle auf der rechten Seite einnehmen könnten. Somit dürfte Igor de Camargo seinen Platz im Sturmzentrum behalten. Der zuletzt an einem grippalen Infekt erkrankte Hanke steht jedenfalls nach seinem Ausfall in Kaiserslautern wieder zur Verfügung. Gleiches gilt für Thorben Marx und Martin Stranzl, die nach überstandener Verletzungspause ebenfalls wieder in den Kader rücken.
Ähnlich schwer wie die lange Verletzungspause Herrmanns, drücken die hartnäckigen Wechselgerüchte Dantes momentan auf die Borussen-Seele. Sportdirektor Max Eberl betonte aber noch einmal, dass man weiterhin eine Vertragsverlängerung mit dem Brasilianer beabsichtige und zeigte für große Anzahl der Wechselmeldungen in zahlreichen Zeitungen wenig Verständnis. »Es ist nichts definitiv, dass haben mir Dante und sein Berater glaubhaft versichert! Mich irritieren die Vielzahl dieser Meldungen, aber ich kann sie schlecht verhindern. Dass es mehrere Zeitungen schreiben, macht das Ganze jedenfalls nicht wahrer«.
Viel mehr setzt der Sportdirektor auf die Attraktivität des Gesamt-Pakets Borussia Mönchengladbach. »Wir sind ein Verein, der seine Saisonziele, die vor der Saison gemeinsam mit der Mannschaft besprochen wurden, bereits jetzt übererfüllt hat. Jetzt haben wir die Chance, etwas Großes zu erreichen«, präsentierte sich Eberl mit breiter Brust. »Ich denke, dass auch ein Dante die Lorbeeren für seine Arbeit in der nächsten Saison mit einfahren möchte«, so Eberl weiter.
In diesem Zusammenhang bewertete er auch die Lobeshymnen eines Franz Beckenbauer auf Lucien Favre als wenig Besorgnis erregend. »Ich verstehe nicht, warum ein Lob als Grundlage für derartige Spekulationen dient. Würde man einen Arsène Wenger oder José Mourinho zu diesem Thema befragen, würden sie sich wahrscheinlich ähnlich äußern«. Favre selbst lassen die Gerüchte um seine Zukunft weiterhin völlig kalt. »Ich spreche nur über Fußball«, antwortete der Schweizer auf derartige Fragen sichtlich genervt. Stattdessen ergriff Max Eberl abermals das Wort: »Fakt ist, dass unser Trainer einen Vertrag bis 2013 hat. Bei uns haben Verträge ihre Gültigkeit. Deshalb verfallen wir im Sommer nicht in Panik«.
Eine Personalentscheidung für die Zukunft konnte Eberl aber dann doch noch definitiv verkünden. »Ich werde bleiben und nicht zu den Bayern wechseln«.