Sonntag, 19. Februar 2012 - 14:10 Uhr
Es war eine sehr unglückliche Szene, als Patrick Herrmann im Luftkampf von Kaiserslauterns Florian Dick ‚gecheckt‘ wurde. Dick ging zwar rustikal, aber regelkonform in das Duell und Herrmann hatte schlichtweg Pech, dass es ihn erwischte. »Das Schlüsselbein ist gebrochen, er wird sechs Wochen pausieren müssen«, zeigte sich Borussias Trainer Lucien Favre anschließend betrübt. »Ich bin extrem traurig. Das ist schade für Patrick und für uns, weil er eine sehr gute Saison spielt. Es wird schwer für die Mannschaft, denn das Gleichgewicht hat bisher unglaublich gut funktioniert. Auch durch seine Schnelligkeit«.
Lucien Favre wird also zu Umstellungen gezwungen sein. Die Lösung mit Mathew Leckie konnte am Betzenberg nicht überzeugen. »Es war schwer für ihn«, zeigte Favre Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten des Australiers. »Er ist kein erfahrener Spieler, hat noch nicht so viel gespielt und das Tempo ist hoch«.
»Es war auch schwer für Marco, wieder auf der rechten Seite zu spielen«, ergänzte Favre. Dass er Mathew Leckie in der Schlussphase wieder auswechselte, sieht der Schweizer als unproblematisch für den Spieler. »Das ist absolut nicht schwer für ihn. Er hat 60 Minuten gespielt, das erste Mal für ihn. Es war neun Minuten vor Schluss und ich habe gedacht es ist besser, mit Wendt links und mit Arango rechts. Ich wollte 2:1 gewinnen. Punkt«.
Das gelang Favre und der Borussia, wobei es angesichts des Spielverlaufs unnötig schien, dass der Sieg am Ende noch in Gefahr geriet. Denn die Gladbacher erwischten einen Traumstart und nutzten zwei von drei Chancen in der Anfangsphase.
»Das 1:0 war ein super Konter«, meinte Favre. De Camargo passte hervorragend in den Lauf von Patrick Herrmann und der spätere Unglücksrabe schloss unter Bedrängnis herausragend ab. Und kurz darauf markierte Juan Arango nach Traumpass von Reus einen sensationellen Treffer. »Das war Weltklasse«, schwärmte Roman Neustädter über den Schlenzer seines Kollegen. »Ich war sprachlos«, so Neustädter weiter. »Über seinen linken Fuß brauchen wir nicht zu reden. Nicht umsonst ist er zum besten Fußballer Venezuelas aller Zeiten gewählt worden. Für ihn ist das alles normal, weil er weiß, was er kann. Für Juan ist das nicht so besonders wie für uns«.
Arangos Geniestreich war das zweite Geburtstagsgeschenk, was die Mannschaft Roman Neustädter an diesem Nachtmittag machte. Nach dem Führungstreffer musste er sich in den Kreis der Kollegen setzen. »Sie haben ‚Happy Birthday‘ gesungen, das war sehr schön«, freute sich der 24-Jährige.
Nach diesem gelungenen Auftakt verwalteten die Borussen den Vorsprung zwar ohne wirklich große Probleme, konnten aber vor allem bei eigenem Ballbesitz nicht überzeugen. Das war allerdings auch dem Pfälzer Kartoffelacker geschuldet. »Der Platz war eine Schande«, redete Lucien Favre gar nicht erst um den heißen Brei herum. »Das war kein Bundeliga-Niveau, sorry«.
»Ich denke, da ist unser Platz erste Sahne gegen«, meinte Tony Jantschke. »Gerade unser Kurzpassspiel kam da nicht mehr zur Geltung. Wir haben gesehen, wie viele Bälle komisch versprungen sind. Aber wir mussten das so annehmen«.
»Wir wussten, dass es schwer wird, hier zu spielen«, ergänzte Igor de Camargo. »Viel kämpfen und das auf einem schlechten Platz. Das ist nicht einfach, gerade für eine Mannschaft, die den Ball laufen lassen will«.
Kaiserslautern versuchte es mit allen Mitteln. »Die haben sich bei jedem Zweikampf hingehauen. Ich weiß gar nicht, wie viele Freistöße die noch haben wollten«, sagte Tony Jantschke. »Wir hatten sie trotz ihrer langen Bälle gut im Griff. Es ist immer schwer, das zu verteidigen«.
»Da kamen nur lange Bälle«, hatte auch Roman Neustädter festgestellt. »Ich habe gedacht, dass jeder Spieler von denen mindestens zwei Meter groß ist«.
»Aber so ist Abstiegskampf, das haben wir selbst erlebt«, zeigte Jantschke Verständnis für die Wahl der Mittel der Gastgeber. »Die haben alles probiert, aber im Endeffekt haben wir trotzdem verdient gewonnen«.
Dass es nochmal eng wurde, lag am Anschlusstreffer durch Jessen. »So ein Tor macht er einmal in seinem Leben«, ordnete Lucien Favre den Treffer der Marke „Sonntagsschuss“ ein. »Ein Traumtor«, befand Tony Jantschke. »Vielleicht hätte ich oder der, der mit mir auf der Seite war, einen Schritt raus machen können. Schade, aber wenn er ihn so trifft …«.
»Dann wird es natürlich ein ekelhaftes Spiel«, so Jantschke weiter. »Trotzdem zeigt es auch eine Entwicklung, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und ganz normal weiterspielen«.
»Wir sind ruhig in die Zweikämpfe gegangen und intelligent geblieben«, stimmte Igor de Camargo zu.
Und so konnte Roman Neustädter am Ende ein treffendes Fazit ziehen: »Es war ein hart erkämpfter, aber kein schmutziger Sieg«. Getrübt wurde der Erfolg nur durch die böse Verletzung von Patrick Herrmann …