Dienstag, 14. Februar 2012 - 07:33 Uhr
Marc-André ter Stegen: Ein sehr ruhiger Abend für Borussias Keeper. Er fing ein paar Bälle ab, klärte in der zweiten Halbzeit einmal gegen Obasi am Boden. In einer Szene hätte es brenzlig werden können, doch Obasi traf in aussichtsreicher Position den Ball nicht. Ansonsten war der 19-Jährige sichere Anspielstation und verarbeitete die Bälle gut. Allerdings fand er bei den Weiterleitungen zu selten den eigenen Mann. Seine Abschläge waren diesmal nicht gut. Einmal sogar richtig gefährlich, als er Obasi in die Füße spielte. Note 3,0.
Tony Jantschke: Eine wieder einmal sehr ruhige und abgeklärte Vorstellung des Rechtsverteidigers. Hatte er in den Auswärtsspielen zuletzt noch ein paar offensivere Aktionen, beschränkte er sich diesmal darauf, seinen ‚defensiven Stiefel‘ herunter zu spielen. Schließlich hatte er mit Obasi in der ersten Halbzeit einen schnellen und im Prinzip auch sehr gefährlichen Gegenspieler. Den hielt der 21-Jährige souverän in Schach. Obasi probierte es mit einer Schwalbe im Duell mit Jantschke und sah dafür Gelb. Auch darüber hinaus war Jantschke aufmerksam, so klärte er gut nach einem Kopfball von Höwedes. Draxler, der später eingewechselt wurde, kam zu keiner Szene. Note 2,0.
Roel Brouwers: Hatte der Niederländer in Berlin noch ein paar ungewohnte Wackler im Repertoire, zeigte er gegen Schalke eine ausgesprochen souveräne Leistung. Und das gegen Offensivspieler, die mehr als gehobenes internationales Format haben. Seinen Landsmann Huntelaar degradierte Brouwers mit großer Selbstverständlichkeit zum Statisten. Im Zweikampfverhalten agierte der 30-Jährige genauso fehlerlos wie beim Passspiel. Nur ein Versuch, lang zu spielen, missriet. Ansonsten war alles sehr sauber und auch bei der ‚Quer- und Rückpassorgie‘ in der zweiten Hälfte machte Brouwers routiniert mit. Note 2,0.
Dante: Wie sein Nebenmann mit einer Klassepartie in der Abwehr. Ließ nichts anbrennen, rückte immer wieder im richtigen Moment vor um ein Anspiel auf einen Stürmer bei oder noch vor der Annahme abzufangen. Bei eigenem Aufbau von ganz hinten heraus der Mann für die Spieleröffnung, der auch mal einen weiten Pass nach vorne spielt. Zwar kamen zwei, drei in der zweiten Hälfte nicht an und einmal spielte er einen Ball quer ins Aus, doch insgesamt war es eine sehr gelungene Vorstellung des Brasilianers. Zur Krönung fehlte nur noch sein Tor, das er im ersten Durchgang im Anschluss an eine Ecke nur haarscharf verpasste. Note 2,0.
Filip Daems: Hochkonzentriert ging Borussias Kapitän zu Werke. Sein Gegenspieler, immerhin Millionenmann Jefferson Farfan, sah kein Land. Daems ließ nichts anbrennen und verteidigte völlig humorlos gegen diesen Topspieler. Dabei warf er sein bemerkenswertes Stellungsspiel in die Waagschale, grätschte im richtigen Moment und suchte auch noch den Weg nach vorne, wenn es nötig und möglich war. So vor dem 2:0, als er den eigentlich zu langen Ball von Reus erlief und im Spiel hielt. Note 2,0.
Håvard Nordtveit: Nach eher durchwachsenen Vorstellungen in den letzten Wochen, präsentierte sich der 21-Jährige gegen Schalke deutlich ballsicherer als zuletzt. Alles hatte Hand und Fuß was er machte, leichtfertige Ballverluste leistete er sich nicht. Läuferisch war er zudem voll auf der Höhe, machte die Räume eng und stellte die Wege zu. Fischte mehrfach den Schalkern die Bälle vom Fuß und er trieb das eigene direkt Spiel nach vorne. Er selbst schloss einige Male gut mit an. So hatte er eine Offensivaktion, als er relativ frei über links Richtung Strafraum durchkam, die Chance dann aber etwas überhastet vergab. Nordtveit sah Gelb für ein Foul an Obasi und wurde wegen der Gefahr einer Gelb-Roten-Karte frühzeitig ausgewechselt. Note 2,0.
Roman Neustädter: Zeigte seinem künftigen Arbeitgeber, dass dieser sich ab der nächsten Saison auf einen laufstarken und mannschaftsdienlichen Neuzugang freuen kann. Neustädter lief wieder unermüdlich durchs Mittelfeld, störte mehrfach erfolgreich und spielte den Ball schnell und kurz weiter. Mit vertikalen Pässen eher zurückhaltend, genauso wie mit eigenen Aktionen in vorderster Front. Einmal tauchte er ganz vorne auf und zielte knapp daneben – allerdings war die Situation auch wegen einer Abseitsstellung von Reus schon unterbrochen. Note 2,0.
Patrick Herrmann: Legte mit seinem schnellen Antritt über rechts die Grundlage für das 1:0, als er aus vollem Lauf Reus gut bediente. Über links spielte er vor dem 2:0 den ersten Doppelpass mit Hanke. Einen Tag vor seinem 21. Geburtstag spielte er – wie die ganze Offensivabteilung – sehr variabel. Er war oft auf links zu finden, aber auch zentral. Defensiv machte er gewohnt ordentlich mit. Im weiteren Verlauf mit zwei, drei Situationen, in denen er es mit dem Zaubern übertrieb. Aber wer will einem jungen Spieler das angesichts des Spielrauschs seiner Mannschaft verdenken? Stark seine Flanke aus dem vollen Lauf zum Kopfball für Hanke und sogar einen Zuckerpass über 40 Meter aus dem Fußgelenkt hatte Herrmann im Repertoire. Nach der Pause lief er sich bei den wenigen Konterversuchen gut frei, die Bälle kamen aber nicht durch. Zehn Minuten vor Schluss machte er für de Camargo Platz. Note 2,0.
Juan Arango: Fast ein Jahr ist es her, dass Juan Arango in einer Einzelkritik erstmals explizit für sein Defensivverhalten gelobt wurde. Es war beim Sieg über Schalke, dem ersten Spiel unter Lucien Favre. Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Venezolaner überall zu finden ist. Am Samstag links, rechts defensiv und im weiteren Spielverlauf auch schon mal in Stürmerposition. Er sucht immer den direkten Pass, wie beim Zusammenspiel mit Hanke vor dem 2:0. Einige Male blieben die Bälle aber auch hängen. Dennoch ist seine Genialität herausragend – nicht zuletzt bei seinem wunderbaren Freistoßtreffer zu bestaunen. In der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit legte er ein Nickerchen ein, was er sich angesichts der eindeutigen Kraftverhältnisse auf dem Platz verdient hatte. Note 2,0.
Marco Reus: Erwischte einen Traumstart, als er mit fantastischer Aktion das 1:0 erzielte und Schalke in die kollektive Schockstarre versetzte. Überhaupt scheinen gerade die Schalker Abwehrspieler inklusive Torwart regelrecht Angst vor Reus zu haben. Bestes Beispiel der eigentlich harmlose Aufsetzer von Reus in der zweiten Halbzeit, den Unnerstall weit abklatschen ließ. Reus war für die Schalker nie in den Griff zu bekommen und stellte die Gegenspieler mit seinen Antritten mehrfach vor unlösbare Aufgaben. Vermeiden sollte Reus die Stockfehler, die ihm ab und an unterlaufen, wenn er mit dem Rücken zum Tor im Mittelfeld angespielt wird und ihm der Ball verspringt. Das war zuletzt schon zu beobachten, passierte auch gegen Schalke zwei oder drei Mal und hätte bei etwas konsequenterem Spiel des Gegners ins Auge gehen können. Note 2,0.
Mike Hanke: Der Mann, der aus einer tollen Gladbacher Mannschaft noch ein wenig herausragte. Er machte ein Tor, das zweifelsfrei das Prädikat „Weltklasse“ verdient. Nach dem verdammt knappen Doppelpass mit Herrmann so abgezockt einen Schuss antäuschen und dann nochmal ablegen auf Arango und schließlich so ruhig und überlegt abzuschließen – das war Fußballkunst in Vollendung. Phantastisch. Auch sonst hatte der Ex-Schalker noch einige richtig gute Szenen, so z.B. die Kopfballweiterleitung nach der Ecke zur Chance von Dante oder der tolle Diagonalpass auf Reus. Durch das ausgesprochen variable Spiel der Offensivreihe spielte Hanke – wie schon in Berlin in der zweiten Halbzeit zu beobachten – viel auf der rechten Seite. Dort vor allem defensiv sehr aufmerksam und im Aufbauspiel ungemein ballsicher. Seine Herausnahme kurz vor Schluss war ein verdienter Applauswechsel. Note 1,5.
Thorben Marx: Kam für den mit Gelb vorbelasteten Nordtveit und fügte sich nahtlos in ein Spiel ein, das zu diesem Zeitpunkt schon längst entschieden war. Gefordert wurde Marx von den Schalker, die sich bereits aufgegeben hatten, nicht mehr. Ohne Note.
Igor de Camargo: Während er der scheinbar endlosen Ballzirkulation zuschaute und auf seine Einwechslung wartete, dürften ihm die Sprechchöre der Fans gut getan haben. Der angebliche ‚böse Bube‘ vom Pokalspiel erhielt einen warmen Empfang und konnte unbeschwert die letzten Minuten mitmachen. Ohne Note.
Oscar Wendt: Auch diesmal wieder kurz vor Abpfiff eingewechselt, im Gegensatz zum Pokalspiel allerdings nicht mehr als Torjäger in Erscheinung getreten. Ohne Note.