Freitag, 10. Februar 2012 - 07:51 Uhr

Marc-André ter Stegen: Borussias Keeper war im Olympiastadion beschäftigt wie lange nicht mehr. Doch er gab sich keine Blöße und war als sicherer Rückhalt der Garant für das nächste Spiel ohne Gegentor. Schon zu Beginn sehr aufmerksam, als er mit beherztem Einsatz nach einem abgefälschten Ball eine Ecke verhinderte. Danach lenkte er Lasoggas Schuss aus spitzem Winkel ans Außennetz und zwirbelte den Morales-Schuss stark um den Pfosten, als allerdings ein Berliner im Abseits stand. Der 19-Jährige hielt alles, was auf seinen Kasten kam und auch als mitspielender Keeper wusste er gewohnt zu überzeugen. Einzig ein etwas waghalsiges Dribbling kurz vor der Pause war grenzwertig, er konnte sich jedoch mit Glück aus dieser Situation befreien. Note 2,5.
Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger startete zwar direkt mit einem Fehlpass, war dann vor der Pause im Spiel nach vorne fast der auffälligste Borusse. Das sagt viel über die Offensivleistung der Fohlen im ersten Durchgang. Einige Male kombinierte sich Jantschke bis weit in die gegnerische Hälfte, die Flanke zur Kopfballmöglichkeit von Herrmann war sehr gut getimt. Wenn er defensiv gefordert wurde, löste er es ruhig und souverän. Nach der Pause im Spiel nach vorne zurückhaltender und auch im Aufbau ab und an mit der ‚Tarnkappe‘. Das erzürnte Dante, der Jantschke zurechtwies, er solle sich für die Abwürfe von ter Stegen anbieten. Note 3,0.
Roel Brouwers: Das Prädikat „Mr. Zuverlässig“ hätte der Niederländer in Berlin um ein Haar verspielt. Schon in der ersten Minute spielte einen Fehlpass und die Ungenauigkeiten zogen sich durch die Partie. So unterlief ihm in der Zentrale ein verunglückter Pass, was Raffael die Chance verschaffte, als er ans Außennetz traf. Später gab es eine Kopie dieser Szene, diesmal bereinigte Nordtveit. Als Lasogga ans Außennetz traf, musste Brouwers den Berliner passieren lassen und in der vorletzten Minute der Verlängerung sah der 30-Jährige auch nicht wirklich gut aus, als er gegen Ramos zu spät kam. Gut dagegen sein ‚Block‘ gegen Lasogga vor der Pause und bei einigen Angriffen der Berliner stand er richtig und bekam ein Bein oder den Kopf dazwischen. Zudem hätte ihm ein Elfmeter zugesprochen werden müssen, als er im Strafraum umgerissen wurde. Note 4,0.
Dante: Die Innenverteidiger hatten einiges zu tun, vor allem weil Berlin mehrfach sehr einfach durch die Mitte spielen konnte. Dante räumte in gewohnter Manier viel ab, rückte zeitig vor und versuchte früh zu stören. Die Berliner machten vor allem in den Luftduellen eine ziemliche Show, was Dante eine Gelbe Karte einbrachte. Danach waren die Herthaner, allen voran Lasogga, sichtlich bemüht, Dante die Gelb-Rote Karte ‚zu besorgen‘. Der 28-Jährige ließ sich jedoch nicht locken und löste die Sache letztlich souverän. Note 3,0.
Filip Daems: Der Mann mit den eisernen Nerven verwandelte den vorentscheidenden Elfmeter bombensicher zur Gladbacher Führung, ungeachtet der Turbulenzen zuvor. Auch ansonsten wartete der Kapitän mit einer grundsoliden Leistung auf. Zu Beginn konnte er mal eine Flanke nicht verhindern, im weiteren Verlauf verdaddelte er einmal den Ball gegen Ebert, holte ihn sich aber zurück. In den Laufduellen stets auf der Höhe und fast immer mit dem richtigen Timing in den Zweikämpfen. Daems spielte unaufgeregt, ganz so wie er auch beim Elfmeter auftrat. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Nach seiner schwachen Vorstellung in Wolfsburg präsentierte sich der Norweger etwas gefestigter, allerdings hatte er auch diesmal einige unerklärliche Fehlpässe und technische Fehler im Repertoire. In manchen Situationen schien der 21-Jährige irgendwie den Überblick zu verlieren. Er machte dies mit unermüdlichem Einsatz wett und half seinen Kollegen an allen Ecken und Enden. Auch vorne tauchte er auf, einmal ganz auf rechts mit einer guten Aktion. Sein Bemühen, sich offensiv einzubringen, war offensichtlich. Doch auch in Berlin war manches zu überhastet. Note 4,0.
Roman Neustädter: Eine eher dezente Vorstellung des defensiven Mittelfeldmannes. Er wirkte nicht spritzig in den Zweikämpfen und kam oft mehr als nur den berühmten Tick zu spät. Am Ball mit ganz wenig nennenswerten Aktionen. Als er es Mitte der ersten Halbzeit mal mit zwei Steilpässen im Mittelkreis versuchte und die misslangen, beschränkte er sich in der Folgezeit auf den risikolosen Querpass. Timing und Abstimmung mit Nordtveit waren nicht so gut wie schon gesehen, sie kamen sich mehr als einmal in die Quere. Note 4,0.
Patrick Herrmann: Fand nur schwer ins Spiel und hatte ein paar ungenaue Aktionen. Etwas besser lief es, als er mit Arango die Seite tauschte. Doch er konnte weder seine Schnelligkeit nachhaltig ausspielen, noch sich sonst durchsetzen. Herrmann hatte dennoch mit einem Kopfball die einzige Chance der ersten Halbzeit. Dazu rasselte er nach einer Hanke-Flanke im Strafraum mit dem Kopf mit einem Berliner zusammen. In der zweiten Halbzeit, als Borussia das Tempo anzog, zeigte sich Herrmann etwas mehr, u.a. mit einem schönen Zuspiel auf Reus. Zwanzig Minuten vor Schluss machte er dann für de Camargo Platz. Note 4,0.
Juan Arango: Selbst bis nach Berlin hat es sich herumgesprochen, dass der Venezolaner der Mann ist, der bei Borussia den Takt angibt. Die Hauptstädter hatten sich gut darauf eingestellt und bearbeiteten Arango sehr aufmerksam. Er konnte kaum einen Ball in Ruhe verarbeiten und so gab es wenig Überraschungsmomente im Gladbacher Spiel. Wenn es in Ansätzen gefährlich wurde, war Arango meist der Initiator. Als er nach scharfer Hereingabe von Jantschke in gute Schussposition hätte kommen können, rutschte er auf dem seifigen Boden weg. In der Viertelstunde nach der Pause und gegen Ende der 90 Minuten hatte der 31-Jährige seine stärksten Phasen. Bezeichnend, dass dies auch die stärkste Phase der gesamten Mannschaft war. Nach hinten machte Arango aufmerksam mit und unterstützte Daems gut. Erstaunlich, dass er noch die Kraft hatte, nach 120 Minuten einen Sprint gegen anzuziehen und den Ball dann per Hacke auf Wendt abzulegen. Note 3,5.
Mike Hanke: Arbeitete wie gewohnt sehr fleißig und ging weite Wege. Fand wie schon in Wolfsburg zunächst nicht die richtige Mischung zwischen Ball halten und Direktspiel. Das hatte einige Ballverluste zur Folge. Mit zunehmender Spieldauer passte es dann besser. Nach einer guten halben Stunde antizipierte er im Strafraum bei Hubniks Querpass sehr gut, an seine anschließende Flanke kam Herrmann nicht mehr heran. Nach der Pause gab es Gelegenheit für etwas Direktspiel. Vor allem nach der Einwechslung von de Camargo blühte Hanke auf, weil sich nun ein interessantes Wechselspiel mit Reus auf der rechten Seite ergab. Hanke hatte auf Rechtsaußen mehrere gute Szenen und flankte zweimal ansehnlich. Herausragend sein Pass in den Lauf von de Camargo, der jedoch nicht zum Abschluss kam. Hanke ackerte sich durch die Verlängerung und machte dann in der Nachspielzeit für Wendt Platz, nachdem er zuvor eine 100%ige Chance zum 2:0 leichtfertig verballert hatte. Note 3,5.
Marco Reus: Ein wenig blass wirkte Marco Reus an diesem Abend in Berlin. Dass möglicherweise noch der Fehlschuss von Wolfsburg an ihm nagte, ist reine Spekulation. Tatsache ist jedoch, dass Berlin hochkonzentriert gegen Reus zu Werke ging. Wenn er antrat, bekam er es zeitweise gleich mit drei Gegenspielern zu tun. So rannte er sich ein ums andere Mal fest, zumal die Kollegen die sich ergebenden Räume nicht nutzen konnten. Nach der Pause taute Reus dann auf und hatte mehrere gute Ansätze. Zum Abschluss kam er allerdings nicht. Nach der Einwechslung von de Camargo nominell auf der rechten Seite, aber mit gutem Wechselspiel mit Hanke. Insgesamt scheint Reus ein wenig durchzuhängen. Note 4,0.
Igor de Camargo: Fraglos die Figur des Spiels. Sorgte nach seiner Einwechslung für Unruhe und hatte nach genialem Zuspiel von Hanke in der regulären Spielzeit den Führungstreffer auf dem Fuß. Und in der Schlussphase der Verlängerung ebnete er Hanke mit einer schönen Hackenweiterleitung seine Riesenchance. Aber da war auch der andere de Camargo, der nach einem Foul derart theatralisch abhob, dass der Schiedsrichter eine Täuschungsabsicht unterstellte und ihm die Gelbe Karte zeigte. Unberechtigt, aber angesichts der unnötigen Show war der Brasil-Belgier selbst schuld. Und dann gab es diese viel diskutierte Aktion mit Hubnik. Der Berliner lief, Beschimpfungen ausrufend, zehn Meter auf ihn zu, trat ihm sichtbar auf den Fuß, rempelte ihn mit der Brust und drückte ihm die Nase ins Gesicht. Mit Fair Play hatte das nichts zu tun, genauso wenig wie der folgende „Zusammenbruch“ von de Camargo. Berlin wurde regelkonform hart bestraft und de Camargo kann sich darauf einstellen, dass seine Bestrafung in den nächsten Wochen auf dem Platz folgen wird. Er wird sich nichts mehr erlauben dürfen. Dafür wird schon die recht eindimensionale öffentliche Bewertung sorgen, in der de Camargo die Rolle des alleinigen Übeltäters eingenommen hat. Note 5,0.
Thorben Marx: Kam an alter Wirkungsstätte in den letzten vier Minuten für Reus zum Einsatz und half, den Sieg über die Zeit zu retten. Ohne Note.
Oscar Wendt: 120 Minuten Fußball gucken, kurz auf den Platz gehen, nach vorne laufen, ein Tor schießen und Feierabend. Effektiver geht’s nicht. Ohne Note.