Freitag, 10. Februar 2012 - 16:31 Uhr
Am liebsten hätte Trainer Lucien Favre das Weiterkommen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber wohl schon am Mittwochabend zu den Akten gelegt, um sich voll auf das Meisterschaftsspiel gegen den Gast aus Gelsenkirchen zu konzentrieren. »Das Spiel in Berlin ist für mich lange vorbei. Schalke ist eine Top-Mannschaft und wir müssen uns voll auf das Spiel konzentrieren«. Doch die Aufregung um die umstrittene und spielentscheidende Situation zwischen Roman Hubnik und Igor de Camargo sorgte auch zwei Tage nach dem Spiel für viele Diskussionen. Auch wenn sich der Schweizer nicht länger mit dieser Thematik befassen wollte, war es ihm doch ein Bedürfnis die Leistung seiner Mannschaft nicht auf den Elfmeter reduziert zu wissen. »Es war für mich klar verdient, weil wir viel mehr Ballbesitz hatten«, resümierte er die gesamten 120 Minuten.
Sportdirektor Max Eberl konnte die Aufregung ebenfalls nicht nachvollziehen und stellte sich demonstrativ vor Igor de Camargo. Angesprochen darauf, dass einige sogar eine Sperre für den Gladbacher Stürmer forderten, reagierte er mit großem Unverständnis. »Ich verstehe nicht, warum ein Opfer bestraft werden sollte. Natürlich war ein bisschen viel Theatralik dabei, aber das ändert doch nicht, dass Igor Opfer und nicht Täter in dieser Szene war«. Einmal in Fahrt, legte Borussias Sportdirektor noch einmal nach. »Hubnik läuft grundlos auf Igor zu. Dann achten alle nur auf den Kopf. Dass Hubnik ihm aber auf den Fuß tritt und ihn mit dem Becken klar stößt, scheinen die meisten unter den Teppich zu kehren«, rechtfertigte Eberl den Platzverweis für Herthas Verteidiger.
Auch die Schalker Gäste stellten sich im Achtelfinale gegen die Borussen mit einem Platzverweis selbst ein Bein. Doch diese Partie sei, trotz der überragenden Leistung der Gladbacher, ebenfalls Geschichte und liefere keine Rückschlüsse für das Spiel am Samstag, richtete Lucien Favre seinen Fokus wieder auf den kommenden Gegner. »Es wird etwas ganz anderes. Sie werden wahrscheinlich mit drei, vier anderen Spielern als im Pokal auflaufen«, erklärte der Erfolgscoach und nahm sich sogar selbst in die Pflicht. »Schalke verfügt über viele Möglichkeiten, so dass ich als Trainer gut überlegen muss, wie sie spielen. Man muss auch darauf vorbereitet sein, was sie nach 60, 70 Minuten machen«.
Personell kann Lucien Favre wohl wieder aus dem Vollen schöpfen. Allerdings müsse man bei Martin Stranzl noch das Abschlusstraining abwarten, um genaueres sagen zu können. Der Österreicher laborierte seit letztem Samstag an einem fiebrigen Infekt und dürfte nach nur einer Trainingseinheit mit der Mannschaft eher für einen Platz im Kader, als in der Startelf in Frage kommen.
Des Weiteren konnten heute endlich die Vertragsverhandlungen mit Juan Arango zum Abschluss gebracht werden. Der Venezolaner verlängerte seinen Vertrag um weitere zwei Jahre und bleibt der Borussia somit bis zum Jahre 2014 erhalten. »Juan Arango ist einer der besten Mittelfeldspieler der Liga und für uns eine ganz wichtige Spielerpersönlichkeit. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir ihn für zwei weitere Jahre an uns binden konnten«, lobte Sportdirektor Eberl den Linksfuß in den höchsten Tönen.
Nach dem Einzug ins Pokalhalbfinale ist die Verlängerung mit dem Mittelfeldstrategen bereits die zweite positive Nachricht in einer für den Verein nicht unwichtigen Phase der Saison. Die Vorzeichen vor dem Spitzenspiel gegen den Tabellendritten aus Schalke könnten also nicht besser sein. »Solche Spiele sind etwas Besonderes und wir freuen uns darauf«, brachte Eberl die Stimmungslage auf den Punkt.