Donnerstag, 09. Februar 2012 - 08:57 Uhr

Natürlich war es die Szene des Abends, die auch weit nach Schlusspfiff noch die Gemüter in den weitläufigen Katakomben des Olympiastadions erhitzte. Hatte Schiedsrichter Dr. Felix Brych eine fatale Fehlentscheidung getroffen, als er Berlins Roman Hubnik nach einem vermeintlichen Kopfstoß gegen Igor de Camargo vom Platz stellte und der Borussia gleichzeitig einen Elfmeter zusprach? Oder hat Igor de Camargo sogar einen »Betrug« begangen, wie sich ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann bedenklich weit aus dem Fenster lehnend ausdrückte?
»Zu der Szene möchte ich mich nicht äußern«, sagte Mike Hanke beim Bezahlsender sky unmittelbar nach dem Spiel beim Studium der Fernsehbilder. Lucien Favre hatte von der Bank aus »nichts gesehen« und enthielt sich ebenso einer Beurteilung.
Die wurde auch nach mehrmaligem Betrachten der Fernsehbilder nicht einfacher. Dass Hubnik aktiv auf de Camargo zugeht und es einen Kontakt gibt, ist deutlich zu sehen. Auch wenn diese Berührung sicher nicht ausreicht, dass de Camargo wie vom Blitz getroffen umfällt.
Da der Schiedsrichter auf Tätlichkeit erkannt hatte, war auch der Elfmeter regelkonform, denn die Szene trug sich bei einem nicht unterbrochenem Spiel im Strafraum zu.
Ein wenig blieb bei den Diskussionen um diese fraglos mit entscheidende Situation auf der Strecke, dass es noch 120 Minuten Fußball gegeben hat. Ein Spiel, bei dem die Gladbacher Borussen ziemlich behäbig zu Werke gingen. »Besonders in der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt«, zeigte sich Mike Hanke anschließend selbstkritisch. »Insgesamt kann man schon sagen, dass wir glücklich weitergekommen sind«.
Bei Ballbesitz stimmte das Timing oft nicht, es gab keinen Rhythmus, der Ball zirkulierte nicht. Hertha stellte vor allem Arango frühzeitig und blockte Herrmann wirkungsvoll. In der Mitte wurde der Platz eng, zumal Neustädter und Nordtveit in diesen Situationen kaum Lösungen parat haben.
Zumindest die geschlossene Arbeit nach hinten funktionierte auch in Berlin, selbst wenn sie nicht so optimal war, wie schon gesehen. Die erstaunlich vielen Chancen der Herthaner resultierten jedoch sämtlich nach individuellen Fehlern bei eigenem Ballbesitz, als sich der Verbund nach vorne orientierte und Berlin schnell schaltete. Mit etwas Glück (Pfosten), Berliner Schwäche (Ramos) und einem wieder gut aufgelegten ter Stegen stand auch diesmal die Null.
Doch es war unverkennbar, dass dem Gladbacher Spiel die Leichtigkeit abgeht. Auch wenn der seifige Boden im Olympiastadion viele Ausrutscher provozierte und ein gepflegtes Kombinationsspiel nur schwerlich möglich war. »Wir waren vor der Pause nicht gut, erst in der zweiten Halbzeit war es besser«, sagte Borussias Trainer Lucien Favre. »Es war vorher schon klar, dass es extrem schwer wird. Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Ein Pokalspiel ist sehr speziell«.
Und so wollte der Schweizer sich auch nicht lange mit der Leistung an diesem Abend aufhalten. »Das Spiel ist für mich schon vorbei, abgehakt«, sagte er mit Blick auf den engen Terminplan. Für Favre ist es fast ungehörig, dass die Vorbereitungszeit bis zum Knaller gegen Schalke so kurz ist. »Wir haben nur zwei Tage. Ab jetzt gilt volle Konzentration auf Schalke. Punkt!«.