Mittwoch, 08. Februar 2012 - 21:50 Uhr
Wie schon am letzten Samstag in Wolfsburg musste Borussias Trainer Lucien Favre im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Hertha BSC auf Martin Stranzl verzichten. Für den Österreicher übernahm wieder Roel Brouwers die Position in der Innenverteidigung. Und auch darüber hinaus blieb die Formation unverändert.
Bei wiederum eiskalten Temperaturen gingen die Gladbacher Borussen das Spiel äußerst unterkühlt an. Sie hatten zwar mehr Ballbesitz als die Berliner, doch den Aktionen fehlte es an Schwung und Esprit.
Da auch Berlin kein Offensivfeuerwerk abbrannte, war es eine sehr überschaubare Angelegenheit im Olympiastadion. Wobei die gastgebende Hertha zwar weniger fürs Spiel tat, aber in den Zweikämpfen etwas bissiger wirkte und sich zumindest ab und an im Strafraum der Gladbacher meldete.
Zwei von Brouwers unterbundene Abschlussversuche von Lasogga stand ein Kopfball von Herrmann nach Jantschke-Flanke entgegen. Der Youngster, nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannt, konnte den Ball nicht entscheidend platzieren.
Borussia leistete sich auf dem seifigen Platz weiterhin zu viele Ballverluste und kam bis zum Pausenpfiff zu keiner Torchance mehr. Hertha traf dagegen durch Raffael (30.) und Lasogga (37.) das Außennetz, als die Borussenhintermannschaft keinen guten Eindruck hinterließ.
In einer fußballerisch unterdurchschnittlichen Partie gab es in der Schlussphase des ersten Durchgangs noch zwei Aufreger. Zunächst wurde Brouwers bei einer Freistoßflanke im Strafraum umgerissen, doch Schiedsrichter Dr. Brych hatte die Szene nicht gesehen und so blieb der fällige Elfmeterpfiff aus. Und den forderten die Berliner im Gegenzug, als Lasogga im Strafraum von Hanke gehalten wurde, doch der Schiedsrichter hatte die Partie schon wegen eines Handspiels des Berliners unterbrochen.
Nach einer schwachen Vorstellung im ersten Durchgang kamen die Borussen deutlich verbessert zurück in die Partie. Sie rückten nun mit mehr Tempo nach und setzten Berlin unter Druck. Es gab einige gute Ansätze, allerdings keinen zwingenden Abschluss.
Den hatten die Hauptstädter nach 61. Minuten, als Niemeyer nach einem abgewehrten Ball im Rückraum mit dem Innenrist abzog, dabei jedoch zu genau zielte: der Ball ging an den Pfosten. Und in der nächsten Szene musste sich ter Stegen nach einem Morales-Schuss aus der Distanz kräftig strecken.
Der Pfostenschuss dämpfte die Risikobereitschaft der Borussen, die erst in der Schlussviertelstunde wieder zulegten. Nach einem schönen Angriff spielte Hanke das Leder im genau richtigen Moment auf den für Herrmann eingewechselten de Camargo, doch dem Brasil-Belgier versprang der Ball in der Box etwas, so dass Berlins Keeper Kraft klären konnte (78.).
Die Borussen kamen trotz optischer Überlegenheit nicht mehr zu der entscheidenden Aktion, so dass die Partie in die Verlängerung ging. In der Extra-Time waren die Gladbacher weiter das bestimmende Team, doch nach vorne fehlte weiterhin der letzte Tick.
Doch dann folgte die Szene, die zum Aufreger des Pokalabends wurde. De Camargo befand sich im Laufduell mit Berlins Hubnik, schubste ein wenig und Torwart Kraft nahm den Ball auf. Die Sache war eigentlich erledigt, auch wenn Schiedsrichter Dr. Brych einen möglichen Freistoß für Hertha nicht pfiff. Doch für Hubnik war die Situation noch nicht vorbei. Er lief gut zehn Meter auf de Camargo zu, schleuderte ihm wütende Worte entgegen. Der wiederum blieb stehen, Hubnik kam immer näher und drückte schließlich seine Nase an den Kopf des Gladbachers. De Camargo wiederum suchte schnell den Bodenkontakt.
Schiedsrichter Dr. Brych erkannte auf einen Kopfstoß von Hubnik, schickte ihn mit einer Roten Karte vom Platz und gab Elfmeter für die Borussia.
Eine harte, jedoch letztlich konsequente Entscheidung des Unparteiischen. Hubnik ging aktiv auf de Camargo zu, er drückte ihm seine Nase an den Kopf. Dass de Camargo prompt umfiel, mag moralisch sicher zweifelhaft sein. Dass es einen aktiven Kontakt gab, ist allerdings unstreitig.
Filip Daems jedenfalls war es gleich – er verwandelte den Elfmeter in der 101. Minute bombensicher.
Borussia stand damit mit einem Bein im Halbfinale, stellte sich aber in der verbleibenden Spielzeit in Überzahl nicht wirklich geschickt an. Der Ball wurde zu wenig gehalten und in der Vorwärtsbewegung viel zu schnell wieder abgegeben.
In der Schlussphase der zweiten Hälfte der Verlängerung wurde es dann nochmal richtig heiß. Zunächst verpasste Hanke die Entscheidung, als er aus spitzem Winkel an Kraft scheiterte, dabei den freistehenden Arango übersah (116.). Eine Minute vor Schluss bekam der eingewechselte Ramos nach einem langen Ball die Riesenchance zum Ausgleich, doch er verzog. Und im Gegenzug spielte Hanke Doppelpass mit de Camargo, vergab dann aber freistehend.
Doch in der zweiten Minute der Nachspielzeit wurden dann endgültig alle Fragezeichen ausgeräumt. Nach einem langen Ball verlängerte de Camargo den Ball im Mittelkreis in den Lauf von Arango, der unter Bedrängnis bis in den Strafraum lief und dann mit der Hacke zurücklegte. Der erst wenige Sekunden zuvor für Hanke eingewechselte Oscar Wendt schob das Leder aus 14 Metern platziert zum 0:2 ins Eck.
Borussia Mönchengladbach zieht damit ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Fußballerisch war es sicherlich eines der schwächeren Spiele in der Favre-Ära, doch letztlich zählt nur das Weiterkommen. Auch wenn die Szene mit de Camargo einen etwas schalen Beigeschmack hinterlässt.
Hertha BSC: Kraft - Morales, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili (80. Ronny) – Ottl (106. Ramos), Niemeyer - Ebert, Lustenberger (60. Bastians), Raffael - Lasogga
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Brouwers, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Herrmann (70. de Camargo), Arango – Hanke (120 +1. Wendt), Reus (115. Marx)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Zimmermann, Ring, Leckie
Tore: 0:1 Daems (101. FE), 0:2 Wendt (120.+2)
Gelbe Karten: Ebert – Dante, de Camargo
Rote Karte: Hubnik (99.)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Zuschauer: 47.500